Wer den Buchtitel liest und sich Gestaltungsanleitungen für den Wohnbereich erwartet, wird enttäuscht sein. Eine fünfseitige „Checkliste" am Buchende sind das einzige, was man im Alltag konkret umsetzen kann. Ansonsten begnügt sich der Autor mit einer allgemeinen Darstellung, wie kosmische Kräfte in den traditionellen Bauwerken der Welt zum Ausdruck kommen. Die Zusammenhänge sind interessant, einen handfesten Nutzen für die Wohnraumgestaltung bieten sie aber nicht. Das meiste könnte ohnehin nur von Architekten und Baumeistern verwirklicht werden, würde aber wohl immer Zusatzkosten verursachen.
Der Autor geht von der Grundannahme aus, dass Lebewesen, Gegenstände und Räume kosmische Energien ausstrahlen und sich gegenseitig beeinflussen. Wie sich die Energieflüsse letztendlich auf den Menschen auswirken, bleibt aber im Dunkeln. Um Negativenergien vorzubeugen, schlägt Jordan u.a. vor, Staub zu wischen (alte Energie entfernen) oder die Lebensgeschichte von Vorbesitzern einer Wohnung zu erforschen (S. 63). Der Hauptteil des Buches ist den kosmischen Kräften Yin und Yang gewidmet, die das weibliche und männliche Prinzip verkörpern. In aller Ausführlichkeit wird dargelegt, wie sich diese dualen Kräfte in Zahlen, Formen und Klängen manifestieren und in den Bauten vergangener Zeiten verwirklicht wurden. Auch die Astrologie wird mit den Tierkreiszeichen einbezogen. Jordan fordert eine Reaktivierung alten Wissens, hat für moderne Architekten allerdings nur den allgemeinen Ratschlag parat, auf Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang zu achten und Rutengänger einzusetzen. Er verzichtet auch weitgehend auf Abbildungen von Bauwerken und Räumen.
Das gesamte esoterische Gedankengebäude, angefangen von der Forderung nach „analoger Wahrnehmung" über die Verteufelung von Kunststoff bis hin zur „heilenden Wirkung" kosmischer Gesetze ist eine Sache, die man glauben kann oder nicht - der Versuch einer logischen Erklärung oder Veranschaulichung wird gar nicht erst gemacht. Dass er keinerlei Fallbeispiele, sondern nur „Gleichnisse" bringt, begründet Jordan damit, dass man sich der Materie mit „analogem Denken" („Denken mit dem Herzen") nähern muss. Auch wenn er konkrete Handlungsanweisungen gibt, bleibt er vage und nebulos: „dem Namen nachhorchen" (S.63), „mit Metallen achtsam umgehen" (S.301) oder „Dann nehme man eine Einhandrute, stelle sich innerlich auf die Wirkweise von Raum und Energie ein und spreche damit die ... Pappe an" (S.59) . Wenn er dann zwischendurch immer wieder auf weiterführende Seminare verweist, fragt man sich unwillkürlich, ob die fehlenden Konkretisierungen eine gezielte Strategie sein könnten, mit der der Wunsch nach Vertiefung durch einen Seminarbesuch gefördert werden soll.
Das Buch hinterlässt somit einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits führt der Autor mit vielen Begriffen und Tabellen in die „feinstoffliche" Welt von Yin und Yang ein, andererseits bleibt er Erklärungen und Anwendungsbeispiele schuldig, die das Ganze plausibel machen würden. Einerseits fordert er ganzheitliches Bauen und Wohnen, andererseits erläutert er nicht, wie dessen Umsetzung unter realistischen Bedingungen aussehen könnte. Der Nutzwert für Gestaltungswillige ist also äußerst bescheiden.