Schnapphähne, Landstörzer und Wegeverderber haben im Volk einen besseren Ruf hinterlassen als verdient - wohl die wenigsten waren edle Robin Hoods mit einem Herzen für die Bedrückten und Ausgebeuteten; auch dem berühmten Schinderhannes bescheinigt die Geschichtsschreibung üble Raubmorde statt beherzter Armenhilfe.
Der Volksmund scherte sich nicht darum und schuf sich seine literarischen und musikalischen Räuberidyllen, wozu er naheliegende Wilderergeschichten ebenfalls nutzte. Aber auch hochgebildeten Literaten imponierte das Gaunerhandwerk, so daß sie schnöde Mordbrenner zu romantischen Gesetzlosen und Rebellen verklärten ( natürlich fehlt Schiller nicht als Textdichter auf dieser CD).
Schließlich nahm sich der Film der Imagepflege dieses Gewerbes an und schuf nebenbei das passende Liedgut dazu.
Aus der Fülle dieser Balladen, Moritaten und Kunstlieder griff die Leipziger Folk Session Band sechzehn heraus und intonierte sie teilweise stilecht mit Hackbrett, Mandoline und allerley anderm Instrumentarium, teilweise sparsam mit Guitarre und manchmal gar etwas verrockt.
Stimmlich verkörpert namentlich der rauchig bis sonore trutzige Jens-Paul Wollenberg herrlich den Typ des Banditen im finstern Forst, insbesondere in der Parodie vom „Butterräuber von Halberstadt" - unsre Nordharzer Gegend war ein ganz besondrer Tummelplatz der finstren Gesellen, die sich nicht nur an Leib & Leben vergingen, sondern, schlimmer noch, Mundraub begingen. . .
Meine weiteren Favoriten sind die kraftvolle Ballade vom „Lindenschmied", die aus dem 16.Jh. stammt und noch ganz den Geist der späten Raubritterzeit atmet; das überaus finstere Freiligrathsche „Banditenbegräbnis", rabenschwarz mit Didgeridoo intoniert und von Jürgen B. Wolff mit einer Stimme vorgetragen, die wahrlich aus dem Grab zu kommen scheint; der berüchtigte Wedekindsche „Tantenmörder", in dem herrlich schamlos auch die „Unsterblichen Opfer" anklingen und schließlich die gehörig versoffene Brechtsche Seeräuber-Ballade.
Hintergrundinformationen zu jedem Titel bietet der ausklappbare Umschlag; passend zum Goethe-Gedenkjahr bekamen die nur irgendwie mit dem Olympier in Verbindung zu bringenden Lieder ein Goethe-Siegel verpaßt . Solosänger Wolff nutzte gräphliche Vorbildung und setzte die schräge Räuberromantik auf Cover und CD ins Bild ; von ihm stammt auch das Bei-und Geleitwort, daß da folgendermaßen gipfelt:
„Möge jeder heraushören, was ihn ergötzt, und unser Fazit bekräftigen: nämlich daß der Deutsche in seinen geheimen Lüsten ein beherzter Rabauke ist."