Mit seinen Charakteren und seinem Weltenentwurf hat Morwood das Fantasy-Rad zwar nicht neu erfunden, liefert jedoch gut verträgliche Kost ab. Bedenkt man, dass das Buch mittlerweile schon über zwanzig Jahre alt ist, kann man sicherlich über das ein oder andere gern bediente Klischee hinwegschauen. So hat der Autor mit Aldric Talvalin einen klassischen Anti-Helden erschaffen, der im Verlauf seiner wichtigen Mission nicht nur an seinen Aufgaben wächst, sondern auch die Liebe entdeckt. Das Setting bedient ebenfalls gängige Erwartungen und präsentiert sich als Mittelalter-ähnliche Welt mit japanischen Einschlägen, was sich besonders im Umgang mit Ehre und Tradition widerspiegelt.
Sprachlich bewegt sich die Erzählung auf einem hohen, jedoch unterhaltsamen Niveau. Hier hat Übersetzer Christian Jentzsch ganze Arbeit geleistet, denn die Stimmung und Atmosphäre des Originals bleibt erhalten. Hier darf sich der ein oder andere Fantasyautor ruhig eine Scheibe abschneiden - denn das Buch kann sprachlich auf knapp 460 Seiten voll überzeugen.
Mit "Der schwarze Reiter" erhält der deutsche Leser über zwanzig Jahre nach der Erstveröffentlichung die Möglichkeit, das Buch in einer übersetzten Version zu lesen. Glücklicherweise ist die Übersetzung ausgesprochen gelungen und macht die relativ durchschnittliche Geschichte trotzdem zu einem Erlebnis. Freunde von klassischer Fantasy ohne tiefschürfende Handlung und politische Intrigen sollten hier zugreifen - für Spannung ist gesorgt. Man darf gespannt sein, wie sich die Geschichte rund um die Abenteuer des jungen Aldric weiterentwickeln wird.