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Und ab und zu ist eben weniger mehr. Sagt man. Daher geben sich manche Bands große Mühe, möglichst unproduziert, unfertig, ja ein bisschen schlampig zu klingen, low-fi eben. (Gut, einige können es vielleicht nicht besser.) Die Sterne spielen einfach auf der Höhe ihres Könnens, sehr sauber und unaufgeregt, locker und trotzdem mit Drive, geerdet und entschlackt: Reine Probenraum-Energie, die nicht mehr braucht als Bluesgitarre, Hammondorgel, Schlagzeug, Bass. Deutsche Funkiness muss gar nicht hektisch sein. Selbst der sonst so nervöse Spilkersche Sprechgesang klingt plötzlich unverschämt entspannt (Was ist mein kleiner Grashalm?).
Und auch die politische Botschaft kommt nicht mehr nur direkt aus dem Kopf vor den Latz, sondern nimmt ab und zu den Umweg übers Rollenspielen, Nachäffen, Stimmenimitieren wie in der konsumistischen Performance Abends ausgehen: Nehmen Sies mal mit nach Haus. Vielleicht kennen Sie sich damit besser aus.
Räuber und Gedärm hat auch einen richtigen Hit namens Aber andererseits. Seit Was hat dich bloß so ruiniert zweifellos der Sterne größter Knaller. Ich bin nicht sauber, ich bin nicht sauber, ich bin, ich bin, ich bin, ich bin verdreckt. Ich bin nicht sauber, ich muss mich waschen, ihr glaubt ja nicht, was alles an mir klebt, kokettiert Spilker kurz mit der Paranoia, um dann trocken anzufügen: Aber andererseits sind alle Übergänge fließend. Man ist nie wirklich sauber, und kein Zustand ist perfekt.
Na gut, tun wir ihnen den Gefallen und sagen: das Album ist fast perfekt. --Axel Henrici
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
48 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Überraschung pur!,
Rezension bezieht sich auf: Räuber und Gedärm (Audio CD)
Nach knapp 2 Jahren „das Weltall ist zu weit“ erscheint nun das achte Studioalbum der Sterne. Ich hab schon diverse kritische Stimmen allein zum bloßen Titel „Räuber und Gedärm“ gehört. Doch ich glaube, da liegt irgendwie ein Missverständnis vor. „Räuber und Gedärm“ ist kein reines beknacktes Wortspiel wie die Katzen namens Links und Rex, vielmehr reiht sich der Titel perfekt ein zum neuen „Übel und gefährlich“ und „verbotene Früchte“. Soviel dazu.Beim Weltall - Album ist klar geworden, dass die Sterne nicht mehr mit allem einverstanden sind. Diesmal geht es um die Warenwelt in Anwendung auf zwischenmenschliche Beziehungen. Während es bei Posen noch „Produkte in Regalen zu korrekten Preisen“ gab, wird nun insbesondere das Preis-Leistungsverhältnis noch einmal genau unter die Lupe genommen. Das derzeitige politische Unglück zwingt die Leute beispielsweise zum Preisvergleich. Geld ist gleichzusetzen mit knappen Mitteln. Schon im 2. Stück (Vorsicht, Hitverdacht!) mit dem mehrdeutigen Titel „abends ausgehen“ simuliert Spilker ein Verkaufsgespräch und führt damit das Album in die Thematik ein. Bei „es gibt nichts Spannenderes“ stücksdrauf wird dem Hörer der Druck verdeutlicht, der darin besteht, immer noch ein günstigeres Angebot zu finden und das auch noch in einer Zeit und in einer Welt, in der auch die Zeit ein knappes Gut ist. Im Track 4 „Billig“ scheint Spilker das günstigste Angebot gefunden zu haben, das einen förmlich anschreit „Ich bin billig, nimm micht mit!“. Musikalisch umgesetzt wird dies mit der schlampigen Art und Weise, in der das Stück gespielt wird. Insgesamt gibt es 14 Stücke auf dem Album, und allein durch die in einigen Stücken hintendrangepappte Melodie zu „billig“ (mit anderem Text) wird noch mal auf das Maintopic des Albums hingewiesen. Musikalisch sind insbesondere „es gibt nichts Spannenderes“, „Billig“ und „Räuber und Gedärm“ zu erwähnen, die mit relativ harten, schrägen und kuriosen Melodien daherkommen. Das macht mich freuen, denn für mich geht es schon beinahe in Richtung „Von Spar“. Wobei wir auch wieder bei der Welt des Handels wären. Aber eins möchte ich nocht sagen: An diesem Album sollte man nun wirklich nicht sparen. Das Produkt ist absolut einwandfrei, Retour nicht nötig. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
rockig tanzbar..,
Von
Rezension bezieht sich auf: Räuber und Gedärm (Audio CD)
"Es hat alles sein Gutes", besser könnte die Quintessenz dieses Albums nicht lauten, doch Frank Spilker hat mal wieder alles vorweggenommen und das, weil er es selbst am besten wissen muss. Nach knapp zwei Jahren Pause, oder vielmehr inspirativer Arbeit, kann niemand 14 Welt-Hits erwarten, zu einer Menge guter Songs hat die Zeit allemal gereicht Zwar gehen nicht alle Lieder so ins Ohr, wie einst auf "Posen", doch große Melodien sind nur eine Stärke der Sterne, auf "Räuber und Gedärm" zählt eindeutig die Welt der Sprache. Da mittlerweile alle wissen, dass Sie rocken können, ja dass Deutschrock und Funk zusammengehen, müsste auch ich es nicht extra erwähnen, nur soviel sei gesagt, es ist auch auf diesem Album nicht anders. Also zurück zu den Wörtern.Diese bestechen des Öfteren durch ihren Inhalt. Da nehmen sich auch die Sterne nicht aus, beweist doch "Der Tunnel", dass man auch ohne ganze Sätze semantische Einheiten bilden kann. Man nehme ein paar Wörter, reihe sie möglichst so aneinander, dass sie Sinn ergeben könnten und fertig ist die Geschichte, die jeder für sich selbst bildhaft ausgestalten kann. Dann graben sich die Wörter durch den Tunnel selbst zum Ziel. Und am Ende winkt das Gold. Aber hört selbst! Die Zeit der Parolen scheint so gut wie vorbei zu sein. So gut wie, sage ich, ganz können Sie es nicht lassen. "Ich bin billig, nimm mich mit!" Viele Dinge sind zu teuer, heißt es weiter, na schön, aber das ist doch nicht die Form von Urteil, die wir von Meistern der Systemkritik kennen. "Was ist Dir das alles wert, wenn es Dir nicht gehört" klingt da schon eher nach dem altbekannten, aphoristischen Gedankengut à la Frank Spilker. Oder wie wäre es mit: "Außer wirtschaftlicher Unabhängigkeit wird die große Liebe wahr." Zwei Dinge die sich jeder wünscht und die es deswegen mit Recht in einen Satz geschafft haben. Hier werden die wirklich wichtigen Themen angesprochen. Warum ist der Grashalm so geknickt und vor allem, ist es ihm bewusst? Darüber sollte man ruhig mal nachdenken, wenn der Halm es schon nicht kann, wie wir zu glauben meinen. Die blinde Konsumsucht wird wie auf jedem Sterne-Album verteufelt, (hier bei "Abends ausgehen") also "Im Wesentlichen nichts Neues". Auch ein Titel, der die Struktur von "Räuber und Gedärm" gut wiederspiegelt. Das ist keineswegs böse gemeint, denn es handelt sich hier nicht um irgendwelche Plattitüden, vielmehr um geistreichen Humor und Wortwitz, gepaart mit scharfsinniger gesellschaftlicher Analyse, dazu eine Hammondorgel und ein wenig Gitarrengewalt. Das ist seit eh und je die Philosophie dieser Band. Macht die Augen auf im Leben, aber vergesst das Tanzen nicht. Lasst euch nicht alles gefallen, was aus den Schubladen der Unterhaltungsindustrie heraus quillt. Alles nur "Räuber und Gedärm". Und jetzt der schönste Satz: "Und egal wie viel Päpste sterben, es ist noch nicht vollbracht, du bist wohl immer noch nicht na genug am Pol der Macht." Was für eine überwältigende Einsicht und dann noch in einen Reim gegossen. Da entbehrt sich jeder Kommentar. Wer die Sterne mag, wird auch dieses Album mögen und wer gerne tanzt sowieso. Das beweisen Sie unnachahmlich auf ihren Konzerten, wo die Menge immer rockt. Und dafür danken wir.- Kai Dallmann - Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das bisher beste Sterne-Album?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Räuber und Gedärm (Audio CD)
Lehne ich mich zuweit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es sich bei "Räuber und Gedärm" um das beste Sterne-Album handelt? Was Frank Spilker und Co. mit dieser Platte abliefern, ist eine Art "Greatest Hits" ohne "Greatest Hits", eine Übersicht über das Schaffen, die aber nur aus neuen Songs besteht. Es gibt den Sterne-typischen Funk-Pop, zwei bis drei etwas schrägere Stücke, Nonsens-Texte, ein bisschen Politik oder aber einfache Sprachspielereien. Selten präsentierte sich die Band besser, freier, gelöster und das ist jeder Minute auf diesem Album anzuhören. Wer beim Mantra "Was ist mein kleiner Grashalm?" nicht grinst, der geht zum Lachen in den Keller. "Der Tunnel" wiederum wirkt ein bisschen wie die Quizsendung "Ruck Zuck" auf Valium. Weiter. Weiter. Musik. Töne.Zwei Songs überragen das Album aber: "Am Pol der Macht" mit diesem unglaublichen Refrain ("Und egal wieviele Päpste sterben, es ist noch nicht vollbracht, du bist wohl immer noch nicht nah genug, am Pol der Macht") ist der Überhit. Aber auch der letzte Song "Unsere Ideen sind... genital" ist weit mehr als dummer Pennäler-Humor, sondern ein wunderbarer Spaß. Einziger Wermutstropfen: die doofen Hidden-Tracks. Aber irgendwie passen sie dann doch wieder ins manchmal etwas wirre Konzept der Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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