"Es hat alles sein Gutes", besser könnte die Quintessenz dieses Albums nicht lauten, doch Frank Spilker hat mal wieder alles vorweggenommen und das, weil er es selbst am besten wissen muss. Nach knapp zwei Jahren Pause, oder vielmehr inspirativer Arbeit, kann niemand 14 Welt-Hits erwarten, zu einer Menge guter Songs hat die Zeit allemal gereicht Zwar gehen nicht alle Lieder so ins Ohr, wie einst auf "Posen", doch große Melodien sind nur eine Stärke der Sterne, auf "Räuber und Gedärm" zählt eindeutig die Welt der Sprache. Da mittlerweile alle wissen, dass Sie rocken können, ja dass Deutschrock und Funk zusammengehen, müsste auch ich es nicht extra erwähnen, nur soviel sei gesagt, es ist auch auf diesem Album nicht anders. Also zurück zu den Wörtern.
Diese bestechen des Öfteren durch ihren Inhalt. Da nehmen sich auch die Sterne nicht aus, beweist doch "Der Tunnel", dass man auch ohne ganze Sätze semantische Einheiten bilden kann. Man nehme ein paar Wörter, reihe sie möglichst so aneinander, dass sie Sinn ergeben könnten und fertig ist die Geschichte, die jeder für sich selbst bildhaft ausgestalten kann. Dann graben sich die Wörter durch den Tunnel selbst zum Ziel. Und am Ende winkt das Gold. Aber hört selbst!
Die Zeit der Parolen scheint so gut wie vorbei zu sein. So gut wie, sage ich, ganz können Sie es nicht lassen. "Ich bin billig, nimm mich mit!" Viele Dinge sind zu teuer, heißt es weiter, na schön, aber das ist doch nicht die Form von Urteil, die wir von Meistern der Systemkritik kennen. "Was ist Dir das alles wert, wenn es Dir nicht gehört" klingt da schon eher nach dem altbekannten, aphoristischen Gedankengut à la Frank Spilker. Oder wie wäre es mit: "Außer wirtschaftlicher Unabhängigkeit wird die große Liebe wahr." Zwei Dinge die sich jeder wünscht und die es deswegen mit Recht in einen Satz geschafft haben. Hier werden die wirklich wichtigen Themen angesprochen. Warum ist der Grashalm so geknickt und vor allem, ist es ihm bewusst? Darüber sollte man ruhig mal nachdenken, wenn der Halm es schon nicht kann, wie wir zu glauben meinen.
Die blinde Konsumsucht wird wie auf jedem Sterne-Album verteufelt, (hier bei "Abends ausgehen") also "Im Wesentlichen nichts Neues". Auch ein Titel, der die Struktur von "Räuber und Gedärm" gut wiederspiegelt. Das ist keineswegs böse gemeint, denn es handelt sich hier nicht um irgendwelche Plattitüden, vielmehr um geistreichen Humor und Wortwitz, gepaart mit scharfsinniger gesellschaftlicher Analyse, dazu eine Hammondorgel und ein wenig Gitarrengewalt. Das ist seit eh und je die Philosophie dieser Band. Macht die Augen auf im Leben, aber vergesst das Tanzen nicht. Lasst euch nicht alles gefallen, was aus den Schubladen der Unterhaltungsindustrie heraus quillt. Alles nur "Räuber und Gedärm".
Und jetzt der schönste Satz: "Und egal wie viel Päpste sterben, es ist noch nicht vollbracht, du bist wohl immer noch nicht na genug am Pol der Macht." Was für eine überwältigende Einsicht und dann noch in einen Reim gegossen. Da entbehrt sich jeder Kommentar. Wer die Sterne mag, wird auch dieses Album mögen und wer gerne tanzt sowieso. Das beweisen Sie unnachahmlich auf ihren Konzerten, wo die Menge immer rockt. Und dafür danken wir.- Kai Dallmann -