Zunächst muß gesagt sein: Dieses Buch kann natürlich nicht den Standardwerken auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes, namentlich Veröffentlichungen "einschlägig bekannter" Autoren wie Beckermann, Bieri, Pauen oder Damasio (um einige der wichtigsten zu nennen), das Wasser reichen.
Hier sind vor allem vom Seitenumfang und Zielgruppe her klar Grenzen gesetzt (was kein Nachteil sein muss).
Dennoch bietet das Buch einen vollständigen, wenn auch nicht detailüberfrachteten Überblick über die aktuelle philosophisch-neurowissenschaftliche Diskussion.
Wer Werke der obigen Autoren gelesen hat, wird dem Buch jedoch nichts neues entnehmen können. Für das Studium halte ich das Buch gänzlich für ungeeignet, da sich das Buch nur an den interessierten Leser richtet, und so wie gesagt auf Details verzichtet.
Gollers Werk ist grob gesagt in drei Teile gegliedert: Einen, der die Grundproblematik verdeutlicht, eine kurze Abhandlung über den aktuellen Stand der Hirnforschung und schließlich die gut gelungene Darstellung der bestimmenden Modelle der philosophischen Auseinandersetzung.
Gleitet Goller auch bisweilen auf 1-2 Seiten des Buches etwas (für den philosophisch beleseneren) ins esoterische ab, bleibt der Gesamteindruck jedoch glänzend.
Für den interessierten, vorkenntnislosen Leser, der sich der Körper-Geist-Problematik nicht im klaren war, und an die Deutungshoheit der Neurowissenschaften geglaubt hat, werden sich Welten auftun.
Der größte Verdienst des Buches: Es schließt die Lücke zwischen teils schwer verständlichen Standardwerken (s.O.) und zu viel zu allgemein gehaltenen, populärwissenschaftlichen Einführungen in die Philosophie. Eben die perfekte Mischung zwischen leichter Verständlichkeit und Anspruch, ohne dabei vom Niveau her in populärwissenschaftliche Regionen abzurutschen. Deshalb: 5 Sterne!