Der römische Privatermittler Gordianus hat der ewigen Stadt den Rücken gekehrt und sich zusammen mit seiner Familie auf eine Farm in Etrurien zurückgezogen, wo er die Abgeschiedenheit und Ruhe des Landlebens genießen möchte. Eines Tages bekommt er Besuch von Marcus Caelius, einem Freund und Mitstreiter des Konsuls Cicero, der ihn wissen lässt, dass es nun an der Zeit sei diesem einen alten Gefallen (beneficium) zu vergelten. Gordianus soll den berüchtigten Senator Catilina, der verdächtigt wird einen gewaltsamen Umsturz gegen die republikanische Ordnung zu planen, falls er bei den diesjährigen Konsulatswahlen nicht gewinnen sollte, bei sich aufnehmen und bespitzeln. Zunächst sträubt sich Gordianus dagegen diesen Mann in sein Haus zu lassen, schließlich soll Catilina seinen eigenen Sohn und seinen Schwiegersohn ermordet, eine vestalische Jungfrau geschändet und noch weitere Verbrechen auf dem Kerbholz haben. Nachdem Gordianus in einem seiner Ställe jedoch eine kopflose Leiche entdeckt- eine wohl eindeutige Drohung, bloß von wem?- ändert er schließlich seine Meinung und willigt ein. Als Catilina eintrifft, erlebt Gordianus ihn als einen sehr angenehmen, freundlichen und charismatischen Zeitgenossen, der überhaupt nicht mit dem Bild übereinstimmt, welches Cicero von ihm zeichnet. Catilina versichert Gordianus schließlich auch glaubhaft, dass alle Vorwürfe gegen ihn Verleumdungen seines Todfeindes Cicero seien, um ihn, einen Freund des Volkes, vom Konsulat fernzuhalten. Schon bald fragt sich der Privatermittler, wer denn hier ein falsches Spiel treibt. Ist es sein alter Bekannter Cicero oder doch dessen berüchtigter Gegenspieler Catilina?
Mit "Das Rätsel des Catilina" ist Saylor ein herausragender historischer Roman gelungen. Einmal mehr versucht der Autor hinter die rhetorischen Tricks und Kniffe Ciceros zu schauen und berechtigte Zweifel an dessen Ausführungen in den catilinarischen Reden hervorzurufen. Allerdings muss man hervorheben, dass es für Saylors revisionistische Darstellung, auch wenn sie generell glaubhaft erscheint, keinerlei Beweise im eigentlichen Sinne gibt. Des Weiteren ist festzuhalten, dass Saylor mit seiner (zu) positiven Sicht Catilinas wohl etwas über sein Ziel herausgeschossen sein mag. Interessant und lehrreich sind die Ausführungen über das Leben auf einem römischen Landgut und auch der Versuch Saylors dem Leser den Wahlvorgang näherzubringen ist lobenswert. Allerdings scheinen die Wähler statt zwei nur eine Stimme zu haben, was nicht korrekt wäre, da ein römischer Wähler stets so viele Stimmen zu vergeben hatte, wie es Amtsinhaber in einem bestimmen Rang des cursus honorum gab (also zwei Stimmen bei der Wahl der Konsuln, acht bei der Wahl der Praetoren usw.). Insgesamt muss man sagen, dass der Roman unheimlich spannend und diesmal an einigen Stellen auch recht humorvoll ist, wobei besonders der geniale Einfall mit der Schlachtansprache Catilinas am Ende des Buches hervorgehoben werden muss. Für Fans historischer Romane ist dieser Band ein absolutes Muss. Krimifans auf der anderen Seite sollten vorgewarnt sein, dass sie nur dann auf ihre Kosten kommen, wenn sie sich auch für den historischen Hintergrund interessieren.