Luc Bürgin: »Rätsel der Archäologie«
Zu den Lieblingsbüchern meiner Kindheit gehörte das reich bebilderte Werk »Chinaflug« von Wulf Diether Graf zu Castell, erschienen anno 1938 im »Atlantis-Verlag«, Berlin. Von 1933 bis 1936 hatte der adelige Autor China erkundet - aus der Luft. Der begeisterte Pilot und hervorragende Fotograf: »Ich glaube, dass es mir gelungen ist, ein Material zu sammeln, das Bekanntes in neuem Lichte zeigt....., aber vieles enthält, das völlig unbekannt ist und das dazu dienen kann, unsere Kenntnis vom Reich der Mitte zu erweitern.«
Wie wahr! So enthält »Chinaflug« beeindruckende Luftaufnahmen von pyramidenähnlichen Strukturen. Ist das denn denkbar: Pyramiden in China, »entdeckt« in den Dreißigern des frühen 20. Jahrhunderts? Hätte sich »die Wissenschaft« nicht auf von Castells Ausbeute seiner Chinaflüge stürzen müssen? Diese Vermutung liegt tatsächlich nahe, wenn man davon ausgeht, dass Wissenschaft stets darum bemüht ist, Neues ausfindig zu machen und zu untersuchen.
Wer sich aber intensiv mit der Geschichte der Wissenschaften auseinandersetzt, kommt zu einem ernüchternden Resultat. Neue Entdeckungen sind in der Welt der Wissenschaft in der Tat höchst willkommen, allerdings nur so lange sie das bereits bestehende Weltbild bestätigen, das die Wissenschaft bisher akzeptierte. Es ist mehr als bedauerlich, dass neue Erkenntnisse zunächst einmal kaum eine Chance haben, wirklich zur Kenntnis genommen zu werden. Die Ursachen für diesen Sachverhalt liegen in der menschlichen Natur. Der Mensch ist nur ungern dazu bereit einzuräumen, dass sein bisheriges Denken vielleicht von Grund auf falsch war. Und: Der Mensch ist ein Wesen, das die Welt gern hierarchisch sieht.
Gewiss, wir leben in einer demokratischen Welt, in der es nicht mehr Kaiser und Könige sind, die das Sagen haben. Aber wir sind nach wie vor noch sehr autoritätsgläubig: Sogenannte »wissenschaftliche Experten« genießen noch sehr hohen Respekt. Auch in der Welt der Wissenschaft »menschelt« es. Der Student, der selbst einmal auf der Leiter des Erfolgs emporklimmen möchte, hat zwei Möglichkeiten. Er kann eine Außenseiterposition einnehmen, und muss damit rechnen, nicht sehr viele Sprossen emporklimmen zu können. Mehr Aussicht auf Erfolg hat er, wenn er die Lehrmeinung seines Professors vertritt. Dann wird er vom Professor im Gegenzug unterstützt. Und wenn er selbst einmal auf einem Professorenstuhl sitzen wird, wird er sich seinen Studenten gegenüber genauso verhalten.
Wer sich kritisch mit der Geschichte der Wissenschaft auseinandersetzt, der muss feststellen, dass tatsächlich Wissenschaft alles andere als unvoreingenommen ist. Solche Funde, die das bestehende »Weltbild« unterstützen, werden publik gemacht. Solche aber, die im Gegensatz stehen zur anerkannten Lehrmeinung, sind gefährdet: Sie werden vernichtet oder verschwinden scheinbar spurlos in der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Depots.
So stark die Position der Verfechter anerkannter Lehrmeinungen ist, so haben doch solche Funde immerhin eine Chance, auch wenn sie nicht in das Bild passen, wie nach den Lehrbüchern die Vergangenheit der Menschheit auszusehen hat.
Schon 1998 legte der Journalist und Sachbuchautor Luc Bürgin sein Aufsehen erregendes Werk »Geheimakte Archäologie« vor. Der Untertitel fasst kurz, bündig und zutreffend zusammen, worum es darin geht: »Unterdrückte Entdeckungen, verschollene Schätze, bizarre Funde«. Nun ließ Bürgin einen weiteren Band folgen, betitelt »Rätsel der Archäologie«. Es geht um »unerwartete Entdeckungen und unerforschte Monumente«.
In 22 Kapiteln stellt Luc Bürgin »Stiefkinder der Wissenschaft« vor. Sein von der ersten bis zur letzten Seite fesselnder Bericht demonstriert in unterhaltsamer Weise, dass es uralte Funde gibt, die Archäologen die Sprache verschlagen. Warum wurde Rudolf Gantenbrink daran gehindert, das Geheimnis der Cheops Pyramide zu erforschen? Wer fertigte vor Jahrmillionen im Ural Steinplatten an, die die Geschichte auf den Kopf stellen? Was hat es mit den seltsamen beschrifteten Steinen von Weißenhorn auf sich? Jahrtausende alt sollen die Figürchen von Acambaro sein. Wann wurden sie genau modelliert und von wem? Wie ist es möglich, dass sie Dinosaurier darstellen? Handelt es sich bei einer uralten chinesischen Pyramide um eine vorzeitliche Abschussrampe? Befinden sch in den Archiven des Vatikan Berichte, die den Weg zum geheimnisvollen »Eldorado« beschreiben? Wie konnten im antiken Byzanz Kristall-Linsen hergestellt werden, die modernsten Ansprüchen genügen? Wie waren chinesische Techniker vor 3000 Jahren dazu in der Lage, Differentialgetriebe herzustellen? Was wurde aus den Papyrus-Texten, die aus dem Grab des Tut-ench-Amun verschwanden? Gibt es im Grand Canyon eine Grabanlage...mit ägyptischen Mumien?
Rätsel gibt es überall. Man muss gar nicht in die Ferne schweifen, kuriose und eigentlich »unmögliche Artefakte« gibt es auch bei uns zu bestaunen. Und manchmal werden die realen Objekte, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, in Museen nicht versteckt, sondern öffentlich gezeigt. So gab es im Deutschen Bergbau Museum in Bochum mehr als 2500 mikroskopisch kleine Zinnperlen zu sehen - aus den Gräbern von Ergeta bei Sugidi in der Kolchis. Jede einzelne dieser Perlen wurde fein säuberlich durchbohrt, und das vor fast drei Jahrtausenden. Mit welchem Werkzeug? Und woher stammt das Zinn? In Georgien jedenfalls ist keine Zinnlagerstätte bekannt.
Luc Bürgin lieferte nach »Geheimakte Archäologie« endlich einen weiteren Band zu den unmöglichen Realitäten. »Rätsel der Archäologie« ist flüssig geschrieben, lässt den Leser staunen und fragen: Wussten und konnten unsere Altvorderen weit mehr als wir ihnen nach aktuellem Wissensstand zubilligen? »Rätsel der Archäologe« berichtet über erstaunliche Wirklichkeiten und erschüttert die hochmütige Haltung des modernen Zeitgenossen, der meint, dass er selbst die »Krone der Schöpfung« sei. Das überzeugende Werk kann nur wärmstens empfohlen werden!
Luc Bürgin: Rätsel der Archäologie, Herbig Verlag, 272 Seiten, 101 Abbildungen, ISBN 3-7766-2318-7