... so der Originaltitel des Films von 1956 erzählt gerade nicht die Geschichte des "Rächer der Enterbten"
Während von den übrigen Filmen, die die SZ im Herbst veröffentlichen will, bereits die üblichen ein- bis zweisätzigen Prima-Rezensionen erschienen sind, weiß über diesen Film offenbar kaum jemand, etwas zu sagen. Dier Ursache hierfür dürfte darin liegen, daß der Film -wie Sam Peckinpahs "Sierra Chariba"- in die Kategorie Hollywoods verhunzte Meisterwerke" gehört und dem entsprechend selten zu sehen ist. Da die DVD noch nicht vorliegt, kann sich die Bewertung, allein auf den Film beziehen.
Regisseur Nicolas Ray erzählt darin die Geschichte von Jesse James und beginnt anders als King Vidor in seiner Verfilmung von 1939 bereits während des amerikanischen Bürgerkrieges, in dem Frank und Jesse James für Partisaneneinheiten der Südstaatler kämpften. Er zeigt, wie beide nach Kriegsende zu Banditen werden, ihre "Karriere" bis hin zum Tod von Jesse durch die Kugel eines Bandenmitglieds.
Trotz des Originaltitels nimmt es Ray mit den historischen Tatsachen zum Teil ähnlich ungenau wie King Vidor. Das verwundert nur eingeschränkt, da Grundlage beider Filme das Drehbuch von Nunnally Johnson aus dem Jahr 1939 ist, an dem auch eine Enkelin von Jesse James mitgewirkt hatte.
Ray hatte das Drehbuch von Walter Newman überarbeiten lassen, wobei die Überarbeitung zunächst so gründlich war, daß vom Ausgangsmaterial nicht mehr viel übrig war. Das Endprodukt war -aus heutiger Sicht- eine kurzweiligere Variante von "Die Ermordung von Jesse James durch den Feigling Bob Ford". Mit dem Rohschnitt dieses Films geriet Ray mit der Studioleitung von 20th Century Fox massiv in Konflikt. Dort hatte man sich eigentlich erhofft, an den kommerziellen Erfolg der (Farb)-Fassung von 1939 anknüpfen zu können. Im Prinzip erwarteten die Studiobosse lediglich eine Cinemascope-Fassung dieser Version mit 1956 bekannten Schauspielern. Das Drama endete damit, daß Ray genötigt wurde, den Film chronologisch umzuschneiden, was zu gewissen Brüchen führt.
Trotzdem ist es Ray im Ergebnis durchaus gelungen, die Entwicklung des jungen Jesse James vom Partisanen zum Banditen und des älteren Jesse James vom Banditen zu jemanden, der dieses Leben haßt, einigermaßen glaubwürdig darzustellen. Insoweit kommt er der wahren Geschichte des Jesse James deutlich näher als King Vidor. Das liegt auch an der Besetzung. Robert Wagner und Jeffrey Hunter liefern als Jesse und Frank James eine der herausragenderen Leistungen ihrer Kariere ab.
Das Problem in einem solchen Fall ist die Bewertung: Als Meisterwerk (5 Sterne) kann der Film in der vom Studio durchgesetzten Fassung definitiv nicht bewertet werden. Drei Sterne (It`s ok) erscheinen auch zu wenig. Hiervon hebt sich der Film trotz aller Mängel noch ab, zumal er aus filmhistorischer Sicht in jede ernsthafte Westernsammlung gehört. Von daher habe mich für die vier Sterne entschieden.