Hirschfeld schildert in leicht lesbarer Art die neuesten Erkenntnisse über die archäologischen Befunde in und um Qumran, und vergleicht sie mit Funden an anderen Orten in Judäa.
Dadurch wird jeder Vermutung, Qumran wäre die weit abgelegene Zentrale der fundamentalistischen Essener gewesen, der Boden entzogen, denn dieses angebliche "Kloster" ist aufgebaut wie viele andere militärisch-wirtschaftliche Stützpunkte im ganzen Land am Kreuzungspunkt zweier Fernstraßen gelegen. Außerdem gehörten größere landwirtschaftliche Flächen dazu.
Aber auch dem Wunschdenken vieler, die Essener in und um Qumran wären sozusagen die Keimzelle der Urchristen gewesen, wird der Boden entzogen. Auch zeigt eine strukturelle Analyse der Schriftrollen, dass sie sehr unterschiedliche Meinungen der damaligen Zeit vertreten. So gibt es neben dem "Sekten-Korpus" viele Rollen, die eindeutig pharisäisches oder saduzzäisches Gedankengut vertreten, dies ist allerdings mit dem, was wir über die Essener wissen, absolut nicht vereinbar.
Die wahrscheinlichste Version ist die, dass jerusalemer Juden während des Aufstandes bzw. des Krieges gegen Rom (66 - 70 n.Chr.) eine große Sammlung von mehr oder weniger heiligen Schriften - möglicherweise sogar die Bibliothek des Tempels zu Jerusalem - vor den ungläubigen Römern in die naheliegenden Höhlen an den Abhängen zum Toten Meer in Sicherheit gebracht haben. Dies mindert ihren Wert überhaupt nicht, es ändert nur den Blickwinkel auf deren Inhalt.
Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit diesem Themenkreis, für mich ist es eines der wichtigsten Bücher dazu.