Über die Güte der Kompositionen muss man nicht viel sagen: Gilt Brahms als Meister der Kammermusik, dann dürften diese beiden späten Quintette zu den Gipfeln seiner Kunst gehören.
Das Quintett in G-Dur op. 111 für zwei Violinen, zwei Bratschen und Cello war laut Beitext als Abschieds-Werk gedacht. Brahms hatte vor, das Komponieren aufzugeben und sich zur Ruhe zu setzen. Wer ein rühriges Stück erwartet, dürfte überrascht sein: Vor allem der erste Satz ist hymnisch-emphatisch wie kaum ein anderes Werk des alten Brahms. Und auch das Finale, mit knapp fünf Minuten der kürzeste Satz des Quintetts, verweigert sich einer stilisierten Lebt-wohl-Geste.
Das Quintett op. 115 für zwei Violinen, Bratsche, Cello und Klarinette ist sehr bekannt. Es entstand kurz nachdem Brahms seine Ruhestands-Absichten wieder über den Haufen geworfen hatte. Während dieser Coda seiner eigenen schöpferischen Existenz komponierte Brahms keine Orchestermusik mehr. Das Klarinetten-Quintett aber kommt den Dimensionen seiner Sinfonien und Konzerte, vom Gehalt wie vom Ausmaß her, sehr nahe.
Das Melos Quartet spielt makellos; der Klang ist hell und angenehm räumlich.