Nach der Traumrolle als
Magnum 1980-1987 konnte Tom Selleck nie so richtig Anschluss finden. Obwohl er in zahlreichen Filmen und Serien vor allem im Fernsehen auftrat und sich in den verschiedensten Genres versuchte (
Noch drei Männer, noch ein Baby;
Höllenjagd bis ans Ende der Welt / High Road to China;
Runaway - Spinnen des Todes), blieb ihm der große Erfolg als Kinostar verwehrt. Erst in jüngster Zeit macht er mit den Jesse Stone-Verfilmungen (ab 19.09.2010 auf ZDF NEO) - als Darsteller und Produzent - wieder auf sich aufmerksam und wird von Kritik und Fans gleichermaßen gelobt. Mit "Quigley, der Australier" (1990, 115 Min.) wagte er einen Ausflug ins Westernfach - und zwar durchaus überzeugend. Im Stil eines Edelwestern aufgezogen, weist der Film alle notwendigen typischen Elemente auf und ist dabei originell genug, um sich weit über die gängigen Klischees zu erheben. Das fängt bereits mit dem Schauplatz an: Australien.
Wer sich jemals über die Lobeshymnen auf der Rückseite einer DVD aufgeregt hat, der soll sich mal das hier zu Gemüte führen: "Tom Selleck gives the boldest performance of his career in this new style, revisionist western with the panoramic scope of a movie epic. Fierce gunfights, forbidding landscapes, breakneck chases... heart-pounding actioner... sure winner" - ganz ehrlich: Manchmal frage ich mich, was diese Texter für Menschen sein müssen. Doch in diesem Fall, so übertrieben pathetisch die Formulierung sein mag, kann ich mich nicht einmal ärgern... die Beschreibung trifft es ziemlich gut!
Zu einer nicht näher bestimmten Zeit des 19. Jahrhunderts landet ein Schiff in Fremantle, einer Hafenstadt in Westaustralien. Von Bord geht Matthew Quigley, Langstreckenscharfschütze, hartgesottener Westmann - und ein Gentleman durch und durch. Deshalb mischt er sich auch sofort ein, als drei verwahrloste Rowdys eine Wildkatze von einem (Freuden?-)Mädchen, die Verrückte Cora (Laura San Giacomo -
Pretty Woman) auf ihren Karren zerren wollen. Nachdem er sie alle ordentlich vermöbelt hat, stellt er dummerweise fest, dass sie die Jungs sind, die ihn zu seinem Auftraggeber Elliot Marston (Alan Rickman; Harry Potter-Filme) bringen sollen... was noch nicht weiter schlimm ist, denn Aussies sind bekanntlich ebenso streitlustig wie die Amerikaner, aber ebenso wenig nachtragend. Auf Marstons Ranch mitten in der unwirtlichen Wildnis angekommen, muss Quigley jedoch feststellen, dass die Dingos, die er für 50 Pfund in Gold mit seiner sagenhafte 1200 Yards (ca. 1080 Meter) weit reichenden Flinte jagen soll, in Wirklichkeit australische Ureinwohner sind. Und natürlich spielt er als wahrer Ehrenmann da nicht mit! Zunächst beim Überlebenskampf in der Wüste, später bei den Auseinandersetzungen mit Marston und seinen Männern, wird er stets von Cora begleitet, die ihm anfänglich als lästig und völlig durchgeknallt erscheint, bis sich dann doch eine Romanze zwischen den beiden entwickelt.
Einmal sind hier also die üblichen Versatzstücke des Westerns versammelt: der ehrenhafte Held; der fiese Oberschurke; das schutzbedürftige Weib (das aber im Lauf der Handlung mehr als einmal über sich hinauswächst); die tumben und für Komik sorgenden Handlanger - ebenso wie tolle Landschaftsaufnahmen, hier eben nicht von den amerikanischen Prärien, sondern aus der australischen Wüste. Darüber hinaus gibt es mit dem natürlich ganz und gar unmöglichen Gewehr, und mit den rätselhaften, an Magie grenzenden Fähigkeiten der Ureinwohner, auch ein ganz gehöriges phantastisches Element. Was beides für die innere Logik der Handlung prächtig funktioniert! Die fremdartige Kultur und Lebensweise der Ureinwohner wird sehr viel ehrlicher dargestellt als in so manchen verkitschten Indianerstreifen.
Der Soundtrack von Basil Poledouris (u.a.
Conan - Der Barbar) ist nahe genug an den Westernstil angelehnt, kommt aber unaufdringlich herüber. Kurioserweise habe ich die englischsprachige DVD erwischt (deutsche Tonspur vorhanden), die aber ebenso wie die deutsche Ausgabe keine Extras aufweist; somit fehlt eine winzige Kleinigkeit zum fünften Stern. Sehenswert!