Schau an - auch schon wieder 20 Jahre her, dass dieser Mann den französischen ,`ip-`op` populär machte. Der konnte allerdings was, denn nicht nur die samples von denen sein musikalischer Untergrund sich nährte, waren stilsicher ausgewählt (gern durfte es auch mal was jazzigeres sein, was ihn damals auch in die Nähe des Acid Jazz rückte) auch die beats klangen hier noch nicht so künstlich und lyrisch (so man des Französischen mächtig ist - ich bin's leider kaum) war er angeblich sowieso ein Hammer.
Aber auch wenn man kein Frankophiler ist, begeistert alleine schon der flow von Herrn M'Barali, der dann am besten ist, wenn er smooth daherkommt, so wie bei ,Armand est mort` z.Bsp. und natürlich dem Überknaller und Hit des Albums hier,Caroline`. Ersteres bedient sich zwar ungeniert bei Marvin (,Inner City Blues`), aber der beat dazu ist großartig und zeigte Jahre vor den Fugees wie man einen Klassiker stilvoll ,ver-hip-hopt`.
,Caroline' wiederum klingt musikalisch wie eine großartige und vergessene frühe Massive Attack Nummer (next best thing to ,Safe From Harm`). Und Solaar's Vortrag ist berührend und packend zugleich.( ,Je suis l'as de trèfle qui pique ton coeur...` macht auch nicht Franzosen das Wortspiel ,Caroline` .- ,Caro` - ,Karo` klar).
Bei den flotteren tracks wie der Titelnummer, wird auch schon gern mal in der Blue-Note Mottenkiste gekramt, um ein passendes Sample zu finden, aber das alles ist sehr stimmig und funky, ohne zu enervieren (mit Ausnahme der Geschwindigkeitsübung ,Quartier Nord` vielleicht).
Klar dürfen auch ein paar Godfather Schnippsel nicht fehlen, aber das war halt Standard damals im Hip-Hop; dafür sorgte Produzent Jimmy Jay (der musikalische Architekt und Produzent dieser Scheibe) immer dafür, dass hier nicht schon zu abgenutzte songs verwendet wurden.
Der Hit der Scheibe war ,Bouge de là` das mit seinem Cymande sample und seiner ganz dezenten Reggae Anmutung (vor allem im zweiten Teil) auch ein wenig an die amerikanischen Kollegen von De La Soul erinnert haben mag. Diesem Zweiteiler schliesst sich dann der ,Reggae Jam` an der auch Toaster Vokal Akrobatik bietet.Naja, wer's braucht - aber wie gesagt - am besten ist die Scheibe bei den ruhigeren Nummern und wenn Sie funky und druckvoll (aber nicht zu schnell) sind wie auf ,La Devise`.
Wer mit rhymes'n'beats grundsätzlich nichts anfangen kann, ist wohl auch hier falsch, aber für alle die stilsicher produziertem Hip Hop mit Jazz und Funk Versatzstücken was abgewinnen können, ist das ein sicherer Tip. Und gealtert ist das Teil auch erstaunlich gut.
Mit dem Nachfolger ,Praise Combat` (auch nicht schlecht), wurde er danach kurzzeitig zum Star, aber dann war Sense. Das Debut hier ist aber eigentlich die beständigere Scheibe.