Nachdem ich an Eschbachs Erstlingswerk "Die Haarteppichknüpfer" (das im gleichen Universum wie Quest spielt) so einiges auszusetzen hatte, hat mich "Quest" durchaus positiv überrascht. Bevor ich kurz zum Inhalt komme, sei schnell erwähnt, dass man "Die Haarteppichknüpfer" nicht gelesen haben muss, um dieses Buch zu verstehen. Die Handlung von Quest spielt deutlich später und man trifft lediglich auf Anspielungen, die auf Eschbachs erstes Buch hinweisen (wie die Erwähnung des Sternenkaisers und einem Haarteppich, der als alte Antiquität in einer Vitrine vorkommt).
Worum geht's:
Der zwielichtige und todkranke Schiffskapitän Eftalan Quest schickt sich und seine Crew auf eine scheinbar aussichtlose Suche nach dem sagenhaften Planeten des Ursprungs. Dort - so sagen diverse Legenden - sei einst alles Leben entstanden und hat sich von dort über Jahrmillionen über das Ganze Universum ausgebreitet. Die Verheißungen, die dieser sagenhafte Planet in sich birgt reichen von Unsterblichkeit bis hin zu der Möglichkeit, Gott zu begegnen. Um dieses scheinbar eigennützige Ziel zu erreichen, verstößt Quest gegen alle Regeln und Gesetze, ignoriert seine eigentlichen Befehle, überfällt eine uralte Bibliothek, kidnappt einen Novizen und zieht Zweifel und Skepsis seiner Mannschaft auf sich.
Unterwegs entdecken sie ein uraltes Raumschiffwrack und treffen dort auf eine "lebende Legende", den geheimnisvollen Smeeth, der - wie sich bald herausstellt - ein Unsterblicher ist und Quest und seine Crew fortan auf ihrer Mission begleitet, aber scheinbar dabei auch seine ganz eigenen Ziele verfolgt...
Was mir an dem Buch gefällt:
Eschbach charakterisiert seine Protagonisten gut und glaubwürdig und gerade die zwielichtigen Figuren Quest und Smeeth gelingen ihm dabei sehr gut. Obwohl er eigentlich eine lineare Geschichte ohne zusätzliche Handlungsstränge erzählt, wechselt er oft die Erzähl-Perspektive vor allem zwischen Quest, dem Ersten Offizier Dawill, der Heilerin und dem Novizien Bailan. Wodurch dem Buch zwar die eindeutige Hauptfigur verloren geht, was aber dem Erzählfluss nicht schadet - ganz im Gegenteil.
Die Idee selber ist nicht wirklich neu, aber der Plot wird originell aufbereitet und behandelt dabei durchaus auch mystische und philosophische Aspekte. Wer außerdem auf Space Operas mit Reisen ins Unbekannte, fremde Welten und Erstkontakte zu Außerirdischen steht, der ist hier genau richtig.
Eschbach pflegt einen sehr eingängigen Schreibstil und die großzügig bedruckten 500 Seiten hat man recht flott durch.
Abzüge in der B-Note gibt's bei mir deshalb:
Wie schon bei den Haarteppichknüpfern finde ich das Welt- und Gesellschaftsbild, dass Eschbach zeichnet irgendwie zu altertümlich und darum unglaubwürdig. Mir erscheint ein 3-Klassen-System (Adelige, Freie und Niedere), bei denen die unterste Klasse versklavt, unterdrückt und auf grausamste Weise vernachlässigt wird, einfach zu unrealistisch für eine hochtechnisierte Zivilisation, in der sich die Menschheit über viele Sonnensysteme ausgebreitet und bspw. den überlichtschnellen Weltraumflug entwickelt hat. Es tauchen Begriffe und Beschreibungen auf, die mehr an Fanatasy als an SF erinnern. Der Erste Offizier heißt bei Eschbach Erster Verweser, die Ärztin Heilerin und die Bezeichnung ihrer Medikamente (Trank Rot, Sud Blau, Korn Gelb und Paste Grün) haben durchaus eine gewisse unfreiwillige Komik. Und der Titelfigur, dem Kapitän auf der großen Suche, ausgerechnet den Namen Quest zu geben, mögen manche ja für tiefgründige Symbolik oder eine gelungene Metapher halten - ich finde es etwas platt.
Und wo wir gerade beim Thema "Nomen est Omen" sind: Im Mittelpunkt der Handlung steht die Suche nach dem Planeten des Ursprungs, symbolisch für die Suche nach der Wahrheit, dem Sinn des Lebens, dem Universum und dem ganzen Rest. Ich möchte das Ende nicht vorwegnehmen, aber nachdem die Crew von einer fremden Welt zur nächsten reist und fremde Rassen um Hilfe bittet und immer wieder weitersuchen muss, kommt der vermeintlich entscheidende Hinweis plötzlich aus heiterem Himmel, als wenn auf einmal einer eine Idee hat und sagt: "Hey Captain, wir könnten ja auch mal unser Navi einschalten und diese Koordinaten hier eingeben...". Das wird der großen Suche irgendwie nicht ganz gerecht, denn der Weg ist für das Buch das Ziel. Die Suche steht im Mittelpunkt und die Frage die Eschbach aufwirft ist eine philosophische, große Frage - da fällt die Antwort und das Ende des Buches fast zwangsläufig etwas enttäuschend aus.
Fazit:
Alles in allem eine nette Space Opera, die auch ein paar Denkanstösse mitliefert. An große Werke der SF-Literatur (wie z.B. die Hyperion-Gesänge von Dan Simmons) kommt Eschbach nicht heran, aber es ist doch ein unterhaltsames Buch. Und das wollen wir doch letzten Endes, sonst könnten wir ja alle gleich Sachbücher lesen. Darum von mir wohlwollende vier Sterne.