Aus der Amazon.de-Redaktion
Seine Wut über diese Art "Gesundschrumpfung", ihre Opfer und Profiteure, gab den Ausschlag zu diesem Buch. Das verhasste Großkonzern-Unwort wird zur Wurzel allen Übels erklärt. Moore arbeitet mit unglaublichen Zahlen und Insiderinfos -- versteigt sich jedoch am Beispiel des Oklahoma-City-Bombers Timothy McVeigh zu einer düsteren Polemik über die wahren Terroristen im Lande.
Moore als dröge argumentierender Entrechteten-Anwalt hätte nicht den immensen Erfolg, wäre in seinem Herzen nicht Platz für ätzende Realsatire. Den "Sammelbildern mit kriminellen Konzernchefs" folgt ein resignierender Blick auf Republikaner und Demokraten, die er in ihrer Programmatik giftig mit einem Restaurant vergleicht, das lediglich Hüttenkäse und Knabberstangen auf der Karte führt. Auch seinen Lieblingsfeind, den erzkonservativen Pat Buchanan, outet er gnadenlos, indem er ihm diverse Wahlkampf-Spenden unter dem Tarnmantel von Teufelsanbeter- und Pädophilen-Organisationen andient -- die dieser auch prompt annahm. Moore pur!
Dem Jubel über den Sieg der Demokraten 1992 und Clintons angekündigte Gesundheitsreform folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass der Präsident "am Ende der 100 Tage immer noch der einzige Amerikaner war, der kostenlos einen Arzt besuchen konnte". Hillary Clinton hingegen inspiriert ihn zu einer Liebeserklärung, die zu einem regelrechten feministischen Manifest ausartet. Der Kampfhund Moore zeigt sich in einer glühenden Verteidigungsrede im Prozess gegen O.J. Simpson und einer bitteren Anklageschrift gegen die Deutschen und ihre Zahlungsmoral gegenüber den Überlebenden der Konzentrationslager.
Moores Finger liegt auf jeder gesellschaftlichen Wunde. Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn erfinden. Wake up Britain! This is happening here!!!", warnt ein britischer Amazon-Kunde seine Landsleute am Ende seiner begeisterten Leser-Kritik. Nicht nur bei euch, möchte man schmerzlich hinzufügen. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Querschüsse - Downsize This! von Michael Moore. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Warnende Worte zu diesem Buch
(Mitteilung für Eltern)
Wie die Regierung behauptet, erlebt unsere Volkswirtschaft gerade den größten Wachstumsschub innerhalb einer Generation. Jede Woche stellt die Wall Street in der erstaunlichsten Hausse des Jahrhunderts einen neuen Rekord auf. Die Arbeitslosigkeit war seit 25 Jahren nicht mehr so niedrig. Die Konzerne verbuchen die größten Gewinne aller Zeiten. Alles ist gut in Amerika.
Jawohl.
Das erklärt, warum jedes vierte Kind in Amerika immer noch unter der Armutsgrenze lebt, warum letztes Jahr mehr Amerikaner bankrott gemacht haben als je zuvor, warum das (durchschnittliche) Realeinkommen seit fast 20 Jahren nicht mehr gestiegen ist und warum heute doppelt so viele Beschäftigte wie 1991 Angst "haben, daß ihr Arbeitsplatz der Gesundschrumpfung ihres Unternehmens zum Opfer fällt.
Tatsächlich gehören dem reichsten Prozent der US-Bevölkerung heute 40 Prozent des Gesamtvermögens. Mit diesem Geld haben die Reichen die Demokraten und die Republikaner bezahlt, damit diese ein paar Dinge für sie erledigen. Zum Beispiel senken sie "ihnen die Steuern, sie subventionieren ihre Unternehmen mit Milliarden Dollar und sie helfen ihnen bei der Entlassung von Millionen Amerikanern.
Inzwischen lebt die Mehrheit von euch Amerikanern von drei maximal belasteten MasterCards. Ihr müßt so lange arbeiten, daß ihr eure Kinder vielleicht noch eine halbe Stunde seht, bevor sie ins Bett gehen. Eure Krankenversicherung habt ihr bei einer dieser zweifelhaften HMOs ("Health Maintenance Organization"). Ein Team von Ärzten übernimmt gegen regelmäßige Vorkasse eure gesamte Gesundheitsversorgung. Die Ärzte sind massiv an Vorsorge interessiert, aber im Ernstfall haben sie kein Interesse daran, euch richtig zu behandeln.
Die Zustände an den öffentlichen Schulen sind absolut unerträglich geworden, denn die Kommunen sind pleite. Sie wollten ortsansässige Unternehmen mit riesigen Steuergeschenken zum Bleiben bewegen. (Die Unternehmen sind doch abgehauen, allerdings erst, nachdem sie die Kommunen richtig ausgesaugt haben.)
Ich habe dieses Buch für Leute geschrieben, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mindestens den Verdacht haben, daß dieses Getöse über das "große Wirtschaftswunder" die dümmste Propaganda ist, seit Ronald Reagan Ketchup zum Gemüse erklärte. Für wie dumm halten sie uns eigentlich? Ich fürchte, für wirklich sehr dumm. Ich habe dieses Buch vor allem geschrieben, um zu zeigen, daß ich so dumm nun auch wieder nicht bin (deshalb bitte ich alle Leser, vor allem die Rezensenten, die Grammatikfehler in den Kapiteln 6, 13 und 29 zu übersehen).
Als ich die erste Ausgabe von QUERSCHÜSSE schrieb, gab es jede Woche Meldungen über massive Gesundschrumpfungen von Großunternehmen im ganzen Land. Dann setzte die Gegenreaktion ein, und eine konzernkritische Stimmung breitete sich aus. (Ihr wißt sicher noch, wie das Nachrichtenmagazin Newsweek unter dem Titel "Corporate Killers" die Steckbriefe bestimmter CEOs und Konzernchefs abbildete.) Doch die 500 reichsten Unternehmen der Welt lernten schnell. Sie hörten damit auf, spektakuläre Massenentlassungen zu verkünden, und bauten von nun an in aller Stille Arbeitsplätze ab, per Salamitaktik, in kleinen Dosen, damit es niemand merkte.
Ich habe es trotzdem gemerkt, und hier ist nur eine kleine Auswahl der Unternehmen, die in dem Jahr, in dem ich dieses Buch geschrieben habe, Beschäftigte entlassen haben: Monsanto, Texas Instruments, Telecommunications International, Inc., NEC, AOL, Sunbeam, Westinghouse, OshKosh B'Gosh, Goodyear, Samsonite, Polaroid, U.S Robotics, Teledyne Water Pik, Texaco, Best Products, Motorola, Office Depot, Union Pacific, Kiwi International Airlines, TRW, Turner Broadcasting, Bank of America, Georgia-Pacific, First Boston, Frankenmuth Brewery, Digital Equipment, Honeywell, RJR Nabisco, Aetna, NationBank Corp., Chase Manhattan Bank, Hewlett-Packard, Fruit of the Loom, General Electric, Alcoa, Hasbro, US West, Raytheon, Prudential Insurance, Campbell Soup, Southern Pacific, Bradlees, Electric Boat, Whirlpool, NordicTrack, Kmart, Lockheed Martin, Apple Computer, Sizzler, Wells Fargo, McDonnell Douglas, Wm. Wrigley Jr. Co.
Die meisten Bürger haben vermutlich nichts von diesen Entlassungen gehört. Sie wurden von der Presse praktisch nicht zur Kenntnis genommen, also hat die neue Strategie der Konzernleitungen funktioniert. Die Medien vollzogen eine Kehrtwendung und brachten plötzlich Artikel wie "Das Ende der Gesundschrumpfung" oder "Der Wirtschaftsboom", und sie berichteten darüber, wie "glücklich" alle waren. Ignoriert wurde, daß Millionen Arbeitslose einfach nicht mehr gezählt wurden, weil ihre Unterstützung auslief, vergessen wurden die Millionen, die zwei Jobs machen mußten, damit sie ihre Rechnungen bezahlen konnten, und es fiel auch nicht auf, daß die Zahl der gesundgeschrumpften Arbeitnehmer im Jahr zuvor in Wirklichkeit um acht Prozent gestiegen war.
Dieses Buch bezieht sich auf konkrete Ereignisse Mitte der neunziger Jahre. Trotzdem wird es hoffentlich langfristig daran erinnern, daß die Großunternehmen nichts Gutes im Schilde führen. Denn gleichgültig, welches Jahr wir haben, und gleichgültig, in welchem Zustand die Wirtschaft gerade ist, ihre Bestrebungen sind nicht darauf ausgerichtet, euer Leben einfacher, besser und glücklicher zu machen, das könnt ihr mir glauben. Daß Millionen von euch das heute schon wissen, hat die öffentliche Reaktion auf die Hardcover-Ausgabe dieses Buches bewiesen. Mitte 1997 wurde die achte Auflage gedruckt. Es hatte einen Monat auf der allgemeinen Bestsellerliste der New York Times gestanden und fünf Monate auf ihrer Bestsellerliste für Wirtschaftsbücher. Das Buch war in San Francisco und Detroit das meistverkaufte, es "erreichte in Boston den zweiten Platz und wurde in Washington Nummer vier. Sogar in Großbritannien war es ein Bestseller. Ich denke, die Öffentlichkeit ist den Medien und den Politikern bei diesem Thema weit voraus.
Obwohl ich in der Taschenbuchausgabe einiges aktualisiert und einige neue unnötige Schimpftiraden hinzugefügt habe, basieren die meisten Fakten immer noch auf den Recherchen, die ich 1996 durchführte. Die Konzernchefs kommen und gehen - ihre genaue Zahl ändert sich von Jahr zu Jahr -, doch der Kern ihrer Aufgabe - und mein Kommentar dazu - bleiben gleich.
Solange wir noch in einer Demokratie leben, gibt es eine fundamentale Wahrheit, die mir Hoffnung macht: Der Chef des Ölmultis Exxon hat genau dieselbe Zahl von Wählerstimmen wie du und ich, nämlich eine. Und es gibt mehr von uns als von seinesgleichen.
M. M.
August 1997