In sechs Kapiteln, Einleitung und Schluss werden auf anschauliche Weise gegenwärtige Trends und historische Prozesse von Sportkulturen analysiert. Die beiden Politikwissenschaftler Andy Markovits und Lars Rensmann aus Michigan verstehen dabei den heutigen Sport als Paradigma der »zweiten, post-industriellen Globalisierung«. Sei es die »Ortsgebundenheit« der Fankulturen, die »Zeit«, in welcher manche Vereine en vogue waren oder natürlich die geschlechtsspezifische Bedeutung von einerseits Sport machen, Sport live erleben oder aber Sport lediglich am TV verfolgen. Die »Rhapsodisierung« des Sport möchte die wandelbare Form der 'Identitätskonstruktionen' betonen und gleichsam auf der Ebene des Sport Prozesse der Globalisierung untersuchen. Interessant ist z. B. der Anstieg der Popularität des Fußball ' soccer ' in den USA derzeit, was nicht nur mit dem Wechsel der bestbezahlten Fußballikone aller Zeiten, David Beckham, der auch das Cover mit einem mit rechts gespielten Querpass ziert, zusammenhängt, vielmehr mit der Einwanderung aus lateinamerikanischen Ländern. Dort wiederum ist Fußball der Sport Nr. 1, entgegen den USA mit ihren drei bis vier hegemonialen Sportarten Baseball, Basketball, Football und Eishockey. Am interessantesten ist vielleicht das Kapitel über jüdischen Sport, 'Muskeljuden' und 'Yiddoes': 'Sandy Koufax, vielleicht der größte Pitcher, den der Baseball je hervorgebracht hat, wollte für die Los Angeles Dodgers (wie zuvor Greenberg für sein Team) in den World Series 1965 am Yom Kippur nicht spielen. Als das bekannt wurde, begann, was man als den Prozess der Anerkennung völliger Gleichberechtigung der Juden in der amerikanischen Öffentlichkeit bezeichnen kann.' Heute hingegen ist ein 'Antizionismus' enorm stark ' die Autoren erwähnen z. B. eine Hetzschrift gegen Israel des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter ('Peace not Apartheid') ' und die Anerkennung von Israelis auf dem Sportplatz ist äußerst prekär. Wer erinnert sich nicht an diese phantastische Geste des ghanaischen Nationalspielers John Pantsil bei der WM 2006, der nach einem Torerfolg ein kleines Israel-Fähnchen aus seinem Socken zauberte. In Europa und Deutschland sind jedoch antiisraelische Verhaltensweisen alltäglich. So weigerten sich mehrfach Bundesliga-Spieler in Israel zu spielen.
Sehr interessant sind in dem Band die Analysen über Rechtsextremismus und Hooliganismus in Europa, vor allem Italien und Deutschland. Aber auch die historischen Beispiele aus Ungarn sind bedrückend. Neue Einblicke für so manchen am Leben an amerikanischen Universitäten interessierten bieten Analysen der Bedeutung der undergraduates für die Herausbildung je spezifischer Sportkulturen, die häufig die jeweilige Universität zu repräsentieren vermögen.
'"Sport matters " sagen Markovits und Rensmann und regen mit diesem Band sicherlich vielfältige Diskussionen über die Beziehung von Sport, Politik, Gesellschaft und Globalisierung an. Schließlich fehlt natürlich auch nicht DAS Bonmot des ehemaligen Managers des FC Liverpool, Bill Shankly, über die Bedeutung von Fußball schlechthin: '"Some people believe football is a matter of life and death. I can assure you it is much, much more important than that."