Mit den 'Quellen des Glücks' legen der Salzburger Erzbischof Kothgasser und der Sozialethiker Sedmak ihr zweites gemeinsames Werk vor. Ihr Anliegen ist es nicht, neue Forschungsergebnisse vorzustellen, als vielmehr vertraute Weisheiten in Erinnerung zu rufen: Das ist Stärke und Schwäche des Buches zugleich.
Nach einer schier endlosen Aufzählung verschiedener Arten von Glück (Wohlfühlglück, Augenblicksglück, Wachstumsglück, Gnadenglück, um nur einige zu nennen), nennen die Autoren bereits im ersten Kapitel zwei Quellen des Glücks: Dankbarkeit und ein ausgesprochenes Ja zum Leben.
Im Folgenden stehen die Kinder im Zentrum: Darf man zum einen die eigenen Kindheitsträume nicht vergessen, so muss man auch den Segen der in Kindern liegt, hochschätzen. Schließlich steht hier auch ein Aufruf an die Politik, die hohe Bedeutung der Kinder für eine Gesellschaft neu zu nennen.
Das 'innere Ich' ist der nächste Punkt, an dem man arbeiten muss: Das Leben selbst in die Hand nehmen, es gestalten, ohne in Extreme zu verfallen. Bei der Suche nach dem je eigenen Weg können die fünf Grundnahrungsmittel für die Seele, wie sie bei den Kirchenvätern zu finden sind, eine Hilfe sein.
Geht man diesen Weg richtig, so führt er aus der Enge (mit der vermeintliche Sicherheit gegeben erscheint) hin zu Weite und Freiheit. Wieder politisch wird das Buch, wenn es zu 'menschenwürdiger Arbeitslosigkeit' aufruft.
Es folgt der leidenschaftliche Aufruf zur Liebe: sie ist lebensnotwendige Wirklichkeit. Die Beziehung von Samuel August von Sevedstorp und Hanna in Hult aus einer Erzählung von Astrid Lindgreen wird als Musterbeispiel einer funktionierenden Liebesbeziehung geschildert.
Im sechsten Kapitel werden die Begriffe Verantwortung und Ordnung anhand von den Ordensregeln des Hl. Benedikt und der Theresa von Avila entfaltet: Geht es der Benediktregel um das Kriterium der 'Lebbarkeit', liegt der Wert der theresianischen Regel darin, dass sie 'durchdacht' ist. Schließlich ist auch das Weitergeben von Verantwortung ein nicht zu unterschätzender Prozess.
Im Schlusskapitel fragen die Autoren den Leser, was würdest du tun, wenn du nur noch 30 Tage zu leben hättest: Versöhnen, Lieben, Loslassen. Es braucht grundsätzlich mehr Bewusstsein für einen Geist des Anfangens (Kultur des Abschieds) und den Geist des Loslassens. Zuletzt sprechen die Autoren von einer 'Sterbereife', die es sich anzueignen gilt: Ein guter Abschied macht neuen Anfang möglich, und heiligt alles, was vorher war.
Wieso lohnt es sich, diese Buch zu lesen? Nun ja, wirklich Neues findet sich kaum, was aber nach eigener Aussage auch nicht das Ziel bei der Abfassung war. Doch kann das Buch zu Recht beanspruchen, eine gut leserliche Begleitung zu sein, die einen im Alltag aufmerksam macht auf die kleinen Dinge, auf Momente des Lebens, an denen man oft unachtsam vorübergeht. Löst das Buch keine Erdbeben in einem aus, so doch zumindest ein stilles Nachdenken in einem selbst darüber, ob man die Quellen des Glücks sprudeln lässt oder sie selbst verschließt.