Brian Kinney steht auf dem Catwalk des geschlossenen Babylon und sieht auf die Sterblichen hinab. Er hält seinem Freund Ted eine nette kleine Ansprache, die Brians ganzes Universum beinhaltet. Seine Art zu denken und zu leben. Ohne Rücksicht, ohne Bedauern, ohne Entschuldigungen. "Was wäre deiner Meinung nach praktisch, Ted? Zu heiraten und in die Vorstadt zu ziehen? Eine, ihr Heim liebende, Kinderzüchtende, gottesfürchtige Hetenimitation zu werden? Und zu was? Dass ich eine weitere tote Seele werde, die in die Einkaufszentren geht, meine Kinder an der Schule absetzt und Barbecues im Garten abhält? Das ist IHR Tod - nicht meiner...."
Brian wehrt sich mit Händen und Füßen ein für ihn verachtenswertes, "erwachsenes" Leben zu führen, was Justin im Verlauf der fünften und letzten Staffel schmerzhaft zu spüren bekommt. Aber auch er ist nicht ganz unschuldig an dieser Situation...
Staffel fünf ist keineswegs eine Verflachte. Im Gegenteil. Sie rast dahin im ICE-Tempo und lässt uns am Ende außer Atem zurück. Ich hätte sehr gerne auf einige Plots verzichtet zu Gunsten der letzten drei, vier Episoden, die ich auf das doppelte, wenn nicht gar dreifache erweitert hätte, um uns nicht gar mit so vielen Fragezeichen zurückzulassen.
Cowlip geht mit aller Konsequenz zu Werke. Sie verstricken Michael, Melanie und Lindsay in einen Streit, der mit rationalen Mitteln nicht mehr zu lösen ist. Michael verkracht sich mit seinem besten Freund, weil der nicht auf seine Kuschelschiene aufspringen will während Brian lauter denn je auf seine Unabhängigkeit pocht. Träume werden entfacht und beendet. Für einige gibt es Happy Endings, für andere nicht.
Man kann vom Ende halten, was man will - es ist ein offenes Ende, das uns spekulieren lässt, was hätte sein können und was sein wird. Aus Jungs sind Männer geworden, die für ihre Handlungen gerade stehen. Manche von ihnen sind durch die Hölle gegangen; leicht hatte es niemand.
Ich bedanke mich für die herausragenden Charaktere, in denen sich jeder von uns irgendwie wiedergefunden hat. Ich bedanke mich für die außergewöhnlich guten Schauspielleistungen. Und ich bedanke mich bei den Machern dieser TV-Show, die uns hat mitfiebern lassen, lachen, leiden, heulen. Das gelingt nicht jedem.