Serie: Im Fokus der Serie stehen fünf (später sechs) schwule Männer und zwei lesbische Frauen: Michael (der nette, normale, manchmal ein bisschen naive), Emmet (der Feminine, der ganz gerne mal durchs Bild schwebt), Ted (der solide, der keine besonders hohe Meinung von sich selbst hat), Brian (der selbstverliebte Playboy der nicht an die Liebe glaubt), Justin (der Teenager, der gerade beginnt erwachsen zu werden), Lindsey (die ruhige, mütterliche) und Melanie (die toughe Anwältin). Dann gibt es noch einen Menge tolle Nebencharaktere wie Michaels übermotivierte Mutter Debbie, Onkel Vic, Justins beste Freundin Daphne, und, und, und...
Die Serie beginnt recht stereotyp, die Charaktereigenschaften der einzelnen Protagonisten sind bereits nach den ersten Minuten der ersten Folge klar. Allerdings wird sich weiterentwickelt, Jungs werden zu Männern, die große Liebe wird gefunden und verloren, Freundschaften bauen sich auf und zerbrechen, Familien finden zusammen oder bilden sich neu, einige werden krank, andere sterben. Bei einigen Charakteren hätte ich mir ein klein wenig mehr Entwicklung erhofft, aber was soll's, so ist es nunmal im Leben, die einen entwickeln sich mehr, die anderen weniger. Am Ende ist jedenfalls keiner mehr so einfach zu charakterisieren wie am Anfang.
Wer die Serie nicht kennt und sich fragt, ob die Box etwas für ihn/ sie sein könnte kann ich nur empfehlen sich irgendwo die erste Folge anzuschauen. Sie gibt einen ganz guten Eindruck von dem was man erwarten kann: In Sachen Erotik, Stimmung, Gefühl, verbalem Schlagabtausch und dem wahnsinnig gut gewählten Soundtrack der die ganze Serie begleitet.
Was für mich als Seriengucker immer von Bedeutung ist ist das Ende einer Serie. Damit steht und fällt für mich die Qualität immer ein bisschen. Dazu kann ich sagen, das Ende ist sicherlich nicht so, wie es sich viele erhofft haben, aber es ist ein gutes Ende, das die Serie abschließt ohne die Zukunft der Protagonisten zu sehr vorzuzeichnen. Um es frei nach den Worten von Joss Wheadon zu formulieren: sie haben der Serie kein Ende gegeben das die Zuschauer möchten, sondern eines das sie brauchen. Spekulationen und Interpretationen sind also erwünscht...
Mir erscheint es noch wichtig zu erwähnen, dass die schwulen Charaktere nicht als locker leichte Witzfiguren dargestellt werden. Sie sind wirkliche (sofern man erdachte Figuren so nennen kann) Personen, die lieben, leiden, Sex haben, Alkohol trinken und Drogen konsumieren. Sie alle haben Stärken und Schwächen die innerhalb der Serie nicht bewertet werden.
Ein paar Worte zur Synchronisation: mein Fall ist sie nicht! Ich hab mir die Serie auf englisch angeschaut und nur einige Folgen auf deutsch. Was mit völlig negativ auffällt sind einige der Synchronstimmen, allen voran "Ted". Ihm die Stimme von Steve Earkel zu verpassen funktioniert für mich gar nicht. Wenn er redet hab ich immer diese witzige Figur aus der Sitcom vor Augen und kann ihn nicht wirklich ernst nehmen. Und auch sonst. Es wird ziemlich explizite Sprache benutzt, deren deutsche Übersetzungen zum Teil holprig oder gar vulgär klingen, einfach weil es keine exakt passende, der Stimmung angemessene Übersetzung gibt. Zugegeben, das fällt jemandem, der die englische Version nie gesehen hat vermutlich nicht weiter auf, allen die das Original halbwegs verstehen kann ich es aber nur ans Herz legen.
Box: Die Box sieht chick aus, ist schwarz, mit buntem Hologramm- Schriftzug, äußerst stabil und mit einem kleinen Klettverschluss zu schließen. Im ihr befinden sich drei DVD- Hüllen mit den Staffeln in ansprechender schwarz- weiß- Optik.
Extras: Diese Fallen in meinen Augen ein wenig dürftig aus: Audio/Videokommentar zur ersten Folge, Vorstellung der und Produktionsteam, Erweiterte Szenen der ersten Staffel, Fashion- Spezial, die Abschlussfeier (Staffel 5), Eine Wiedersehensfeier mit einigen der Schauspieler/Produzenten zwei Jahre nach Ende der Serie und eine Fotogalerie.
Wenn man bedenkt wieviel Zusatzmaterial man im Netz finden kann, wie Interviews, geschnittene Szenen aus den anderen Staffeln und, und, und, frag ich mich warum man das nicht einfach auch auf die DVD hätte packen können. Besonders ärgerlich finde ich dabei, dass die Vorstellung der Charaktere offensichtlich aus längeren Interviews herausgeschnitten wurde. Warum konnte man da nicht das gesamte Interview veröffentlichen. Für die Extras gibt es jedenfalls einen Punkt Abzug.
Ist die Serie perfekt? Sicher nicht. Da die Folgen auch von Staffel zu Staffel weniger werden (22, 20, 14, 14, 13) wird natürlich viel Stoff in einzelne Episoden gepackt: Da werden Krebserkrankungen in drei Folgen abgehandelt, Sorgerechtsstreits dauern kurze Zeitabschnitte, die "große Liebe" trifft und verliert man in einer einzigen Folge und Pflegekinder mit knallharter Vergangenheit machen erstaunlich wenig Schwierigkeiten.
Aber sei's drum: Ich hab mitgelitten, mich mitverliebt, mitgehasst, mitgefiebert, mitgehofft und war am Ende der Serie noch über Tage mitgerissen (hab die Serie erst jetzt zum ersten mal gesehen und konnte sie somit als Ganzes genießen).
Alles in Allem heißt das für mich: Eine tolle, mutige Serie, die auch jetzt, 5 Jahre nach deren Ende nicht antiquiert wirkt. Und das ganze zu einem vernünftigen Preis- eine klare Kaufempfehlung!