Rezension
Die rumänischen Gipsy Kings - Die Gipsy Kings waren Ende der 80er Jahre die ersten, die die traditionelle Musik der Sinti und Roma auf die Tanzflächen der Dikotheken brachten - dank Gute-Laune Hits wie "Bamboleo" und "Volare". In den 90er Jahren machte Filmregisseur Emir Kusturica die Roma-Musik vom Balkan populär. In diesem Jahrzehnt kamen die spannensten Töne nach Art der Sinti und Roma aus einem Dorf in Rumänien. In Zece Prajini fungierte die zwölfköpfige Blasgruppe Fanfare Ciocarlia als Dorfkapelle, bis sie 1996 ein Berliner entdeckte und auf die internationalen Bühnen brachte. Im deutschen Spielfilm "Gegen die Wand" ist ihre Musik ebenso zu hören wie im Kino-Erfolg von "Borat", wo sie "Born to be wild" covert. Das Stück findet sich auch auf dem neuen Album "Queens and Kings", auf dem die Rumänen wieder schwermütige Blasmusik und extrem schnelle Rhythmen vereinen. Trompeten, Klarinette, Horn und Tuba geben hier den geschwinden Takt an und lassen an die ausgelassenen Dorfpartys in den Kusturica-Filmen denken. --
RUHRNACHRICHTEN, 22. Februar 2007Mit ihrem fünften Album überwindet die Fanfare Ciocărlia nicht nur musikalische Grenzen. Denn zu den Aufnahmen von „Queens And Kings“ luden sie aus der ganzen Welt die besten Gypsy-Musiker ein. Es war ein herber Schlag für die Fanfare Ciocărlia, als im Herbst 2006 der charismatische Ioan Ivancea verstarb. Denn nicht nur Ivanceas einzigartiges Klarinettenspiel verhalf der rumänischen Brassband aus einem kleinen Dorf, das nicht einmal auf der Landkarte verzeichnet ist, zu Weltruhm. Es war vor allem sein visionärer Idealismus, mit dem er als fortwährender Motor für die musikalische Weiterentwicklung der Fanfare sorgte. Die Erfüllung von zwei seiner größten Träume konnte er leider nicht mehr miterleben. Ein Wunsch Ivanceas war die gebührende Anerkennung der Gypsy-Musik im eigenen Land. Denn während die Fanfare im restlichen Europa, in den USA und selbst in Japan frenetisch gefeiert wird, traten sie bis vor kurzem in Rumänen einzig auf Hochzeiten und bei kleineren Festivitäten auf. Die Diffamierung der ethnischen Minderheit hält in Rumänien selbst nach Überwindung des Faschismus und Kommunismus weiter an. Erst im Dezember 2006 wurde die Fanfare nach Bukurast in den Sala Palatului, den nationalen Kulturpalast zu einem Konzert eingeladen.
Der zweite, weitaus größere Traum Ivanceas, war die Zusammenführung der besten, in ganz Europa verstreuten Gypsy-Musiker. Daraus ist die Idee zu dem Album „Queens And Kings“ entstanden, das die überbordernde Vielfalt der Gypsy-Musik eindrucksvoll repräsentiert. Die Fanfare Ciocărlia offeriert dem Hörer eine brodelnde Mixtur aus treibenden Rhythmen und wehmütigem Gesang, aus Melodien des Balkans, Indiens und Spaniens. Dabei strotzt das bis auf 20 Musiker aufgestockte Orchester vor mitreißender Energie, der sich niemand entziehen kann. Denn die Gastsänger und –musiker aus Serbien, Mazedonien, Bulgarien, Bosnien, Rumänien, Ungarn und Frankreich feiern gemeinsam mit der Fanfare Ciocarlia ein Fest der Gypsy-Musik, wie es berauschender nicht sein könnte. Matthias Schneider -- ARTE ONLINE, 27. Februar 2007
Kurzbeschreibung
Für ihre fünfte Studioaufnahme reisten die Helden der Blasmusik durch Europa, um zusammen mit den bedeutendsten Sängerinnen und Sängern ihres weit verstreuten Volkes ein einzigartiges Album einzuspielen. Visa wurden beantragt, Grenzen überquert und Sprachbarrieren überwunden. Fanfare Ciocarlia haben die musikalischen Unterschiede ihrer Gäste als einen kostbaren Schatz erkannt und diesen im Schmelztiegel der Kulturen neu vermischt. Entstanden ist ein wahrlich facettenreiches Werk - ein mitreißendes Fest der wilden Rhythmen und wehmütigen Klänge!
Geschichten, wie sie nur das Leben erzählen kann, werden intoniert von einem 20-köpfigen Zigeunerorchester. Fanfare Ciocarlia's treibender Balkanfunk vereint sich mit grandiosen Flamencoklängen. Quirlende Trompetenphrasen untermalen den Pathos mazedonischer und bulgarischer Gesänge, und die stampfenden Balkanbeats der Percussion laden ein zum ungezügelten Tanz.
"Queens and Kings" feiert die Harmonie der Unterschiede auf unserem Planeten und ist gleichzeitig das Testament von Ioan Ivancea, Fanfare Ciocarlia's Senior-Klarinettisten, der im Oktober 2006 verstarb.