Das Debütalbum von Queen enthält zwar weniger bekanntes, aber dafür umso virtuoseres und genialeres Songmaterial als viele andere, kommerziell erfolgreichere Scheiben der Band.
Genau wie der ebenso faszinierende Nachfolger "Queen 2" bietet diese Scheibe glänzend durchkomponierten Gitarrenrock mit glamouröser, majestätischer Färbung, die nicht nur, aber auch durch den extraordinären, herausragenden Gesang von Freddie Mercury hervorgerufen wird. Die meisten Queen-Songs aus dieser Zeit sind groß angelegte, epische Stücke, mit Dynamik- und Tempowechseln, mit verschiedenen Parts, die ebenso verschiedene Stimmungen ausdrücken, und teilweise durchaus mittelalterlich-verwunschen rüberkommen. Dafür war das Hit-Potential der Band zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben, doch gerade diese ungeschliffene, künstlerisch anspruchsvolle Wirkung macht "Queen" zu einem Album für Fans und Kenner, das man genießen muss und nicht einfach konsumieren kann.
Mit "Keep yourself alive" startet die CD gleich furios, ein überaus mitreißender Rock-Song erster Güte und mit Abstand das bekannteste und radiotauglichste Stück der ganz frühen Queen.
Bei "Doing all right" wird der Hörer dann zunächst mit einer ruhigen, melancholischen Stimmung konfrontiert, bis der schwungvolle, unverkennbar nach Brian May klingende Part auf den Plan tritt...es folgt mit "Great King Rat" ein absolutes Meisterwerk, der eigenwillige Beat des Schlagzeugers Roger Taylor scheint den Galopp eines Pferdes zu imitieren, während May und Mercury sich mit packenden Gitarren- und Gesangsmelodien duellieren. Mystisch geht es dann auf "My fairy king" zu, bevor mit "Liar" das Highlight des Albums erklingt: Ein rockiges Ideenfeuerwerk, das gerade im gitarristischen Bereich nur schwer zu toppen ist; ein Song, in dem so viel Kreativität drin steckt, dass man sich wundert, dass er "nur" 6 1/2 Minuten dauert. Etwas ruhier geht es dann wieder auf "The night comes down" zu. Dann kommt Roger Taylor als Sänger zum Zuge ("Modern times rock'n'roll", eine kurze Hard-Rock-Nummer),
um dann auf "Song & daughter" wieder an Freddie zu übergeben.
Das vorletzte Stück "Jesus" lebt von seinem eingängigen Refrain, und das kurze Instrumental "Seven seas of rhye", das auf "Queen 2" wieder aufgegriffen und zu einem kompletten Rocksong weiterentwickelt wurde, rundet dieses hervorragende Debütalbum einer der größten Rockbands aller Zeiten ganz locker und lässig ab.