Fotograf Philip Plisson hat im Bildband "Queen Mary 2" den Bau dieses ersten Ozeanliners des neuen Jahrtausends von der Unterzeichnung des Bauvertrages über die Übergabe an die Reederei bis hin zur Jungfernfahrt nach New York mit seiner Kamera begleitet. Entstanden ist in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Guillaume und dem Autorenteam Gwen-Haël Denigot und Eric Flounders ein grandioser Bildband, der den Superlativen seiner Namenspatin in nichts nachsteht.
Im Januar 2002 wird auf der Atlantikwerft im französischen Saint-Nazaire das erste Kapitel des Baus des neuen Transatlantikliners für die legendäre Reederei "Cunard" aufgeschlagen. Nur wenige Monate später ist bereits Kiellegung im größten Trockendock Europas. Die Fotos, die Philip Plisson während der folgenden anderthalb Jahre schießt, dokumentieren den Fortschritt der Bauarbeiten in allen Stadien. Aus den zunächst noch unförmigen Stahlskeletten entsteht nach und nach das größte Passagierschiff der Welt. Wie Spielzeuge sehen sie aus, die tonnenschweren Schornsteine oder die neuartigen Antriebsgondeln, die von Menschenhand gesteuert und an Kränen hängend durch die Luft gleiten, um an ihrem Bestimmungsort montiert zu werden. Tausende Arbeiter sind damit beschäftigt, Realität werden zu lassen, was bisher nur in den Köpfen und auf den Planskizzen der Konstrukteure und Reedereiverantwortlichen existiert: Ein Schiff, ein Luxusliner, der in der Tradition der großen Transatlantikliner wie der "France", der "Normandie" oder der noch immer fahrenden "Queen Elisabeth" steht, gleichzeitig aber den Ansprüchen und Bedürfnissen der heutigen Kundschaft entsprechen soll.
Die Fotos im Bildband "Queen Mary 2" lassen den Leser gewissermaßen über die Schultern der Werftarbeiter schauen. Eindrucksvoll zeigen sie die Heerscharen der Schweißer und Elektriker wie sie im grellen Licht der Halogenscheinwerfer Bleche verbinden, Rohrleitungen legen und Kabinenmodule in den Schiffskörper einfügen. Viele der Bilder sind doppelseitig, sie beleuchten den Prozess aus allen nur denkbaren Perspektiven und sind von einer atemberaubenden Brillanz. Manchmal, so scheint es zumindest, spielen sie mit der Wahrnehmung des Betrachters, beziehen Licht- und Schattenspiele und das meist diesige Wetter mit ein, so dass der Eindruck entsteht, es sei nicht das Bugsegment, das dort zu Boden schwebt, sondern eher ein futuristischer Raumgleiter aus einer anderen Welt.
Im September und November 2003 ist es endlich soweit: Die "Queen Mary 2" wird zum ersten Mal ihrem Element übergeben. Die ersten Probefahrten, die die Manövrierfähigkeit des Schiffes testen sollen, verlaufen zur vollsten Zufriedenheit. Der meterlange Wulstbug schiebt sich mit unvergleichlicher Grazie durch die See, selbst stärkste Orkanböen auf dem Atlantik werden dem Schiff später nichts anhaben können. Nach einigen abschließenden Arbeiten findet die eigentliche Jungfernfahrt dann im April 2004 auf der klassischen Atlantikstrecke von Southampton nach New York statt.
Die Aufnahmen im Bildband "Queen Mary 2" zeigen auch das Leben an Bord: Die Darbietungen des "Royal Court Theatre", die glitzernden Lichter des bordeigenen Kasinos aber natürlich auch die hart arbeitende Besatzung, die hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf der Reise zuständig ist. Der bunte Reigen der Bilder klingt aus mit dem Einlaufen in "Big Apple". Schlepper stehen Spalier, die Passagiere auf Deck sehen die Skyline der Metropole vorbeiziehen - New York empfängt die "Queen Mary 2", wie sie es schon seit Jahrzehnten bei ihren legendären Schwestern getan hat. Der Kreis schließt sich, die Tradition lebt weiter.
Der Bildband "Queen Mary 2" ist zugleich eine Hommage an die großen Luxusliner des vorigen Jahrhunderts. Das neue Flaggschiff der Reederei unterscheidet sich deutlich von den neumodischen Kreuzfahrern, die sich ganz dem Geschmack ihres meist jugendlichem Publikum angepasst haben. Gwen-Haël Denigot, die als Autorin für den Einführungstext verantwortlich war, führt den Leser ein in eine Welt des Glamours und der Noblesse vergangener Jahrhunderte, die die "Queen Mary 2" wieder beschwören will. Sie beschreibt gekonnt den Zauber, der einem Langgang auf einer der zahllosen kleinen Karibikinseln innewohnt, das Fernweh, das der Klang exotischer Namen wie "Cartagena" oder anderer verwunschener Paradiese auslöst. Die "Queen Mary 2" ist aber, und das wird im Text, der von Eliane Hagedorn und Bettina Runge aus dem Französischen übersetzt wurde, deutlich, kein bloßer Art-déco-Abklatsch ihrer älteren Schwesternschiffe. Der Neubau verknüpft vielmehr alte und liebgewonnene Traditionen mit dem modernsten, was die Ingenieurskunst momentan zu bieten hat.
Dafür, dass auch technisch weniger bewanderte Leser diese Details in den Aufnahmen des Bildbandes "Queen Mary 2" erkennen und einordnen können, sorgen die kompetenten Bildunterschriften. Diese stammen nämlich von Jean-Rémy Villageois, dem leitenden Ingenieur dieses Bauprojekts und somit von dem Mann, der die Entstehung dieses Palastes der Meere von Anfang bis Ende zu verantworten hatte. Das letzte Kapitel ist dann noch einmal ein Blick zurück: Autor Eric Flounders hat mit viel Liebe die Geschichte der legendären Reederei "Cunard" nachgezeichnet, deren Schiffe mit den unverwechselbaren schwarzen Streifen auf den roten Schornsteinen im Laufe ihrer mehr als 150-jährigen Geschichte Passagiere in alle Teile der Welt gebracht haben.
Eine farbige Querschnittsillustration des Schiffes und Kurzporträts des Autorenteams runden dieses grandiose Werk gelungen ab.
Der Bildband "Queen Mary 2" ist eine Verbeugung vor einem der größten und schönsten Schiffe, das die Menschheit in ihrer Geschichte gesehen hat. Nicht nur für Seeleute, sondern auch für Sehleute ein Hochgenuss!