Queen waren zu Beginn ihrer Karriere einfach unschlagbar, auch wenn ihnen damals kommerziell weniger Erfolg vergönnt war.
Musikalisch übertrifft gerade dieses Album, konstruktivisch "Queen II" genannt, so ziemlich alles andere, was es sonst von dieser großartigen Rock-Band zu hören gab.
Es ist ein Feuerwerk an genialen Gitarrenriffs, verrücktesten Klangideen und Spitzenmelodien. Der hauptsächlich aus Akademikern bestehenden Band wurde ja oft vorgeworfen, dass ihre Musik zwar genial ausgetüftelt und musikalisch hochklassig, jedoch auch kühl und leidenschaftslos wirke; "zu wenig aus dem Bauch heraus" usw...ist nicht 100%-ig abzustreiten, aber an Atmosphäre mangelt es diesem Album, auf dem, großer Ehrenkodex, nur Gitarren, Pianos, Bässe und Schlagzeuge, jedoch keine Synthesizer oder ähnlicher elektronischer Schnick-Schnack zu hören sind, jedenfalls nicht. Man fühlt sich in eine mittelalterliche Szenerie voller Flair und Spannung versetzt.
Zum Ablauf: "Procession" ist eine schöne Auftakt-Hymne, auf der Brian May sofort mit seinen Gitarrenkünsten protzt (nicht negativ gemeint). Diese leitet direkt zum Hard-Rock-Kracher "Father to son" über; ein faszinierendes Hörelebnis.
Es folgt "White queen", eine hochdramatische und melodiöse Berg- und Talfahrt der Sounds und Emotionen.
Danach dürfen Brian May und Roger Taylor singen, ihre Songs "Some day one day" bzw. "The loser in the end" sind geradlinige, rockige Nummern. Dann folgt ein weiterer Höhepunkt:
"Ogre battle", eine sehr intensive, temporeiche und mitreißende Nummer, welche direkt auf "The fairy feller's master-stroke" überleiet, dessen Melodie an die eines Kinderliedes erinnert.
Trotzdem weiß auch dieser Song zu beeindrucken.
Was darauf folgt, ist unglaublich: Freddie Mercury setzt am Klavier zu "Nevermore" an, ein wunderschönes Werk...traumhafte Melodielinien am Klavier ergänzen den Gesang...einfach göttlich...und was passiert dann? Der Sound steigert sich nach weniger als einer Minute ins Hochdramatische und der Song endet...zwar furios, aber nach 1 min. 17 sek.! Anstatt ein riesenlanges Opus oder zumindest einen kompletten Song und damit einen sicheren Hit fertigzustellen, hört der Freddie nach einer Strophe sofort auf! Genie und Wahnsinn liegen nunmal oft nah beeinander...
Jedenfalls folgt darauf so ein Riesenopus, "The march of the black queen". Alle Facetten dieses Songs aufzulisten, würde hier den Rahmen sprengen. "Funny how love is" und der einzige kleine "Hit" des Albums, "Seven seas of rhye", die dem eben erwähnten Song folgen, sind ebenfalls kraftvolle und höchst abwechslungsreiche Nummern, wirken jedoch lockerer, fröhlicher und weniger monumental...monumental, das ist ein Adjektiv, welches perfekt zu diesem Meilenstein in der Geschichte der härteren Rock-Musik passt. Queen forever!