So grandios die Geschichte im Hinblick auf ihre einzelnen Aussagen und Elemente ist, so sehr schwächelt sie jedoch leider bei den grundlegenden Gegebenheiten. Bei den drei Hauptpersonen schwankt man stetig zwischen Authentizität und Unglaubwürdigkeit, und auch für den Rahmen der Geschichte hat Amelie Nothomb mit der einsamen Privatinsel zwar einen sehr geeigneten Ort geschaffen, jedoch viele Aspekte nicht gründlich genug bedacht. Ohne an dieser Stelle zuviel verraten zu wollen, kann gesagt werden, dass gerade die Bediensteten und deren Handeln und Motivation auf der Strecke bleiben, außerdem wäre es tatsächlich nur ein einziges Tasten, um das gesamte Gerüst der Geschichte zum Einsturz zu bringen, sehr schade.
Gelesen wird dieses Hörbuch von Marlen Diekhoff, die eine sehr gute Arbeit vorlegt. Ohne jede Schwierigkeit sind die einzelnen Personen bei der insgesamt sehr intensiv eingesetzten wörtlichen Rede zu unterscheiden. An keiner Stelle kommt die Sprecherin auch nur ansatzweise ins Straucheln, und somit ist auch der Hörgenuss als tadellos zu bezeichnen.
Interessant ist, dass dieses Buch keinen Schluss im eigentlichen Sinn hat. An den Abschluss der Geschichte schließen einige Worte der Autorin, ebenfalls von Marlen Diekhoff gesprochen, die erklären, dass ihr ein einziger feststehender Schluss nicht ausgereicht hat. Daran schließt also ein alternativer Schluss an und es liegt am Hörer, für sich zu entscheiden.
Dieses außergewöhnliche Merkmal ist eher von DVD bekannt, kann als Mehrwert gesehen werden, allerdings auch als Makel, zumal sich das Ende zwar in seiner Herbeiführung unterscheidet, im Wesentlichen aber nicht im Verlauf - abgesehen von einer Nuance mehr menschlichen Abgrundes.