"It seems some things do get better with age", schreibt der mittlerweile 66-jährige Vibraphonist Gary Burton im Booklet seiner neuesten Quartett-Aufnahme. Das mag er - nicht zuletzt werbewirksam - so sehen, und auch sein ehemals von ihm endeckter "Schüler", der weit über den Jazz und seinen Entdecker Burton hinaus populäre Gitarrist Pat Metheny, schreibt von seiner "ability to be able to play better in general with a few more years under my belt". Das darf man wohl insgesamt hoffen, dass Musiker im Laufe der Jahre, wenn sie nicht gerade auf die hundert zugehen und immer noch auf der Bühne stehen (müssen), besser und nicht schlechter spielen.
Die Live-CD dieser Reunion des Gary Burton Quartetts - mit Steve Swallow am Elektro-Bass und Antonio Sanchez am Schlagzeug - ist denn auch sicherlich gute Musik auf einem individuell wie als Gruppe kaum zu überbietenden spieltechnischen Niveau. Allerdings kann man sich fragen, aus welchen anderen Gründen als "fun" und "joy" und "pleasure" der an der Tournee in 2007 Beteiligten solche Aufnahmen (bei Concord) veröffentlicht werden. Vielleicht für alle diejenigen, die keines der Konzerte hören konnten oder für die, die ihr Liveerlebnis dauerhaft konservieren wollen.
Für Kenner der überwiegend bei der Münchner Firma ECM erschienen Aufnahmen von Burton und Metheny aus den Siebzigern und Achtzigern ist diese CD meines Erachtens kein Muß, zumal darauf sämtlich bekannte Stücke in den alten oder wenigstens kaum veränderten Arrangements zu hören sind. Zwar sind die Soli und die Live-Atmosphäre schon beeindruckend, aber eben doch nicht zu mehr geeignet als Vergleiche zu den Originalen zu evozieren, die dann (für mich) besser wegkommen, weil sie u.a. die musikalische Aufbruchstimmungen der Zeit transportierten. Ausserdem ist gerade Methenys Musik - zum Glück gibt es noch schöne Kompositionen von Carla Bley, Steve Swallow, Chick Corea und das geheimnisvolle "Coral" von Keith Jarrett - nicht gerade von der Sorte, dass ihr die "Altersweisheit" der Ausführenden größeren Gewinn bringen könnte.
Das Artwork des (sehr) amerikanischen Pop-Art-Künstlers Peter Max (Jg. 1937) dürfte ebenfalls nicht jedermanns Sache sein.
Warum nur dieser anhaltende Reunion-Hype?!