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Genau dieses Buch wollte Görnitz, der in Frankfurt Didaktik der Physik lehrt, schreiben. Eine große Aufgabe, und zunächst scheint sie ihm zu gelingen: Görnitz erklärt, dass die seltsame Quantenmechanik gar nicht mehr so fremdartig ist, wenn man sie nur von einer anderen Warte aus beschreibt. Er zeigt, dass Begriffe wie Unbestimmtheit (Beispiele: 3-Körper-Problem, Chaostheorie) durchaus auch in der klassischen Physik zum Kanon gehören und Quantenobjekte keineswegs nur deshalb "nichtklassisch" sind, weil sie so klein sind. Es gelingt ihm in vielen Farben zu schildern, dass wir alle mit der eigenartigen "Quantenlogik" täglich umgehen, ohne uns darüber zu wundern. Ein sehr lesenswerter Essay zum Thema "Sprache und Erkenntnis" zeigt die Richtung: Görnitz will den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Physik rücken -- mit sehr tiefsinnigen Betrachtungen aus dem Reich der Erkenntnistheorie und der Anthropologie. Görnitz begreift die Quantenmechanik als Befreiung vom Joch der starren klassischen Physik. Die Quantenwelt sei ihrem Wesen nach "holistisch" -- jede Variable hängt mit allen anderen zusammen --, erst die Messung lässt die holistische Gesamtheit kollabieren, wodurch das Faktum gewordene Meßergebnis der klassischen Logik des Messenden zugänglich wird. Insofern bedingten klassische und Quantenphysik einander sogar. Neue, erfrischende Gedanken, die Görnitz' Buch überaus lesenswert machen.
Leider bereitet das Buch auch Bauchschmerzen -- dort, wo es um das Verhältnis Quantenwelt/Bewusstsein geht. Sicher ist es verlockend, Materie, Energie und Information -- und damit letztlich auch den Geist -- über ein quantenmechanisches Räderwerk "ganzheitlich" verknüpfen zu wollen. Leider weist Görnitz' Argumentation -- wie die von Roger Penrose -- Schwächen auf: Görnitz behauptet etwa, dass für unsere Gedanken im wesentlichen physikalische Prozesse verantwortlich seien -- die dann zum Einfallstor nebulöser Quanteneffekte würden, die unser Bewusstsein ausmachen. Da spricht der Physiker. Leider (!) hat hier bis zum Beweis des Gegenteils immer noch -- mit Erfolg -- die schnöde Chemie ihre Hand im Spiel. Und dass "alles mit allem zusammenhängt" -- das ist trendy, aber leider auch trivial. Und Quanteneffekte im Hirn: Nette Idee, aber eben nach wie vor eine hoch spekulative.
So sympathisch Görnitz' Ansatz ist -- mich konnte er leider nicht ganz überzeugen. Und ich hatte mir gewünscht, überzeugt zu werden. Carl Friedrich von Weizsäcker, auf dessen Thesen sich Görnitz über weite Strecken beruft, schreibt in seinem Vorwort, dass man dieses Buch ohne spezifische Kenntnisse der mathematischen Physik lesen kann. Das stimmt schon, aber leider schafft es der Autor bei allem Bemühen um Klarheit, seine Leser auf seinen durchaus erleuchteten, aber verschlungenen erkenntnistheoretischen Pfaden gelegentlich weit hinter sich zu lassen. Ich wünsche seinem Buch daher trotz allem viele Leser -- denn irgendetwas ist dran an dem Quanten-Geist-Problem. Ein wichtiger Diskussionsbeitrag ist das Buch allemal.--Stefan Albus -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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