"Quanten" ist schlicht ein hervorragendes Buch: Ich habe viele Bücher zum Thema Quantenmechanik gelesen, aber keines schafft es so gut wie dieses nicht nur die Theorien und Modelle an sich anschaulich zu erklären, sondern sie gleichzeitig in einen historischen Kontext einzuordnen und mit den Biografien der wichtigsten beteiligten Personen zu verbinden. So lernt man nach und nach den prinzipiellen Unterbau der Quantentheorie kennen und fühlt sich gleichzeitig in die Zeit ihrer Entdeckung versetzt. Auch wer die zugrunde liegenden Theorien schon kennt, erfährt ihre Entstehung hier noch einmal aus einem sicher bisher unbekannten Blickwinkel. Man erfährt von Briefwechseln der großen Physiker, hitzigen Debatten und persönlichen, Tagebüchern anvertrauten Gedankengängen. Alles ist erzählt, in typisch angelsächsischer Manier, in Form einer spannenden Story zwischen Einstein und Bohr, in einfacher Sprache und lebendigem Stil.
Die Physik an sich kommt dabei im Buch nicht zu kurz. Zwar ist die Art der Darstellung der Quantenphysik an sich gerade noch im populärwissenschaftlichen Bereich festzumachen, allerdings ist ein solides physikalischen Grundwissen doch absolute Bedingung, um den Inhalt zu verstehen. Idealerweise hat man eben doch schon vorher von Quantenmechanik gehört und sie ansatzweise verstanden. Fortgeschrittene Konzepte wie Lokalität vs. Nichtlokalität, Verschränkung und die Wellenfunktion verlangen dem unbedarften Leser einiges ab, auch wenn praktisch keine Mathematik vorkommt. Trotzdem werden diese Konzepte meiner Meinung nach anderswo kaum in einem besseren, verständlicheren und vor allem spannenderen Zusammenhang erklärt.
Der sicherlich beste Teil des Buches ist die Schilderung der möglichen philosophischen Interpretationen der Quantenmechanik. Wer diese als vollständige Theorie betrachtet und ansatzweise verstanden hat, kann aus ihr ableiten, dass unser Universum objektiv schlicht nicht existiert solange es niemand beobachtet. In dieser Sichtweise, die Nils Bohr und die überwiegende Mehrheit der Physiker verteten hat, löst sich ein simpler Baum den niemand beobachtet in eine nebulöse Welle aus Wahrscheinlichkeiten auf - die logisch extreme Auslegung dieser Sichtweise ist, dass der Baum schlicht nicht von sich aus existiert, solange ihn niemand ansieht. Diese Interpretation hat Einstein gut 30 Jahre lang nicht mehr ruhig schlafen lassen und beschäftigt Mangels Gegenbeweis (so sehr ihn Einstein den Rest seines Lebens auch gesucht hat) Philosophen und Physiker bis heute. Die verständliche Darlegung dieser und anderer Interpretationen, zusammen mit den zugehörigen Beweisen und Experimenten, ist eine der großen Stärken des Buches. Leider hört die Darstellung der möglichen Interpretation etwas früh auf, modernere Auslegungen ab den 1960er Jahren finden keinen Platz mehr, abgesehen von der Viele-Welten-Theorie.
Alles in allem könnte ich dafür aber keine Abwertung des an sich hervorragenden Buches vertreten. Der physikalisch interessierte Laie, Schüler oder Student wird hier einen der besten und lebhaftesten Darstellungen der Quantenmechanik und ihrer Ursprünge und Grundlagen finden.