Kurzbeschreibung
Dieses Buch vermittelt die notwendigen Grundlagen des Qualitätsmanagements in der Automobilbranche und liefert Impulse für die Verbesserung der Prozesse, Produkte und Dienstleistungen. Ein umfassender tabellarischer Normenwegweiser in der zweiten Hälfte des Buches bietet dem Leser praktische Orientierung und Hinweise zur Umsetzung der Normen ISO 9001, ISO/TS 16949, VDA 6.2 sowie VDA 6.4.In der heutigen Zeit ist ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System) mehr als eine Eintrittskarte zu neuen Kunden und neuen Märkten. Schon aufgrund der Globalisierung ist es für Unternehmen, besonders für Unternehmen der Automobilzulieferindustrie, unerlässlich, ein solches System aufzubauen.
Zielgerichtetes Qualitätsmanagement führt über die Prozessverbesserung zu hohem Nutzen. Dies bestätigt sich immer wieder durch Erhebungen und Auswertungen. Im Allgemeinen erzielen circa 90 Prozent der Anwender aufgrund des Qualitätsmanagements wesentliche Verbesserungen. Intern bringt ein QM-System mehr Klarheit und Handlungssicherheit in allen Unternehmensbereichen, da für den gesamten Kern-Prozess von der Beschaffung bis zur Auslieferung mit allen zugehörigen Führungs- und Unterstützungsprozessen alle Abläufe und Verantwortlichkeiten festgelegt werden.
Die Anzahl der Zertifizierungen nimmt stetig zu. Die Zahlen zeigen aber, dass die Mehrzahl der Zertifizierungen sich im ISO/TS 16949-Bereich bewegen. Das liegt daran, dass dies hier im Vergleich zu den anderen beiden Automobil-Normen (VDA 6.2 und 6.4) von den Kunden stärker gefordert wird.
Zurzeit spricht man von circa 35.000 Zertifizierungen der ISO/TS 16949, von denen circa 15.000 auf Europa entfallen. Nach VDA 6.2 sind europaweit circa 140 Unternehmen und nach VDA 6.4 circa 230 zertifiziert. Dabei ist zu beachten, dass die VDA 6.2 sowie die VDA 6.4 als Zusatzzertifikate zur ISO 9001:2000 ausgestellt werden.
Dieses Buch soll nicht nur Informationen, sondern auch praktische Handlungsanleitungen liefern, die Sie sofort in Ihrem Unternehmen einsetzen beziehungsweise umsetzen können. Es soll aber auch den Nutzen darstellen, den die Normen für ein QM-System liefern.
Dazu wird im ersten Kapitel auf die Wichtigkeit des Qualitätsmanagements eingegangen, in dem der Baustein Qualität im Kontext weiterer Bausteine erläutert wird und eine Brücke zum ganzheitlichen Qualitätsmanagement, dem TQM, geschlagen wird.
Im zweiten Kapitel wird die Entstehung der Qualitätsnormen an sich und der Automobilnormen im Besonderen erläutert. Aufgaben und die Einführung von QM-Systemen werden im dritten Kapitel aufgezeigt.
Das vierte Kapitel charakterisiert die gängigen Methoden und Werkzeuge des Qualitätsmanagements in der Automobilindustrie. Bevor im sechsten Kapitel Praxistipps für die Vermeidung von Abweichungen in Audits gegeben werden, wird im fünften Kapitel der Zertifizierungsablauf für die unterschiedlichen Normen dargestellt und die prozessorientierte Vorgehensweise innerhalb von Audits beschrieben.
Kosten- und Nutzenaspekte von QM-Systemen erläutert das siebte Kapitel.
Anschließend wird die Rolle des Zulieferers beleuchtet und es werden Hinweise für die Erfüllung der Kundenanforderungen gegeben.
Eine Darstellung der Mehrorderungen der ISO/TS 16949, der VDA 6.2 sowie der VDA 6.4 zur ISO 9001 werden tabellarisch im neunten Kapitel aufgelistet. Dazu werden zahlreiche Tipps für die Umsetzung gegeben.
Abschließend erhalten Sie eine Übersicht über nützliche Arbeitshilfen, die für Sie auf der Homepage des Symposion-Verlages unter www.symposion.de/qm-autoindustrie bereitgestellt werden.
Mit diesem Buch wird das Ziel verfolgt, jedermann auch den »Neulingen« im Qualitätsmanagement die notwendigen Grundlagen des Qualitätsmanagements in der Automobilbranche zu vermitteln und Denkanstöße für die Verbesserung der Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zu geben.
Die Chancen, die ein fundiertes QM-System zulässt, sollen aufgezeigt und zudem Begeisterung für das oft als »trocken« bezeichnete Thema Qualität wecken. Denn Prozesse verbessern und die Kundenzufriedenheit erhöhen, kann sehr viel Spaß machen, noch mehr, wenn die Akzeptanz im Unternehmen spürbar ist.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Normen: Hintergründe und Entwicklung Schon lange spielen Qualitätsstandards für Lieferanten, insbesondere der Automobilhersteller, eine wichtige Rolle. Fakt ist, dass Lieferanten ohne QM-Zertifikat nicht in die engere Auswahl als Zulieferer kommen. Dieser Beitrag erläutert die jahrzehntelange Entwicklung der Normen bis zum heutigen Standard. Entstehung der DIN EN ISO 9001 Aufgrund der wachsenden Komplexität von militärischen und Raumfahrtprodukten entstanden zunächst Normen für diesen Bereich. Im Jahre 1959 wurde in den USA die MIL-Q-9858 (Quality program requirements) ins Leben gerufen. Mit dieser Norm wurden erstmals Anforderungen an ein Qualitätssicherungssystem gestellt. Aufgrund der guten Erfahrungen im militärischen Bereich zog der industrielle Sektor nach und begann mit der Entwicklung eigener Normen. Nachfolgende Abbildung zeigt die Entwicklung auf. Die ISO 9001 wurde in den Jahren 1995 und 2000 einer Revision unterzogen. Diese Grundnorm für das Qualitätsmanagement ist im Dezember 2008 mit einer neuen Revision erschienen. In der Revision aus dem Jahr 2000 wurden die ISO 9001, 9002 und 9003 durch eine neue Norm ISO 9001 ersetzt und mit ISO 9004 und ISO 9000 ergänzt. Im Jahr 2002 kam die ISO 19011 hinzu, so dass sich die Normenfamilie heute wie folgt darstellt: Die ISO 9001 bildet die Grundlage für viele branchenabhängige Normen, damit auch für den Großteil der Automobilnormen. Im Folgenden wird dabei auf die Standards eingegangen, die zurzeit innerhalb der Automobilbranche am häufigsten eine Anwendung finden: - ISO TS 16949:2002 - VDA 6.2:2004 - VDA 6.4:2005 Entstehung der ISO TS 16949:2002 Die ISO-9000er Reihe ist eine branchenübergreifende Norm. Zusätzlich gibt es in einigen Branchen, insbesondere in der Automobilindustrie, kundenspezifische Qualitätsforderungen, die über den Forderungsinhalt der ISO 9001 hinausgehen. Dies führte dazu, dass sich viele Automobilzulieferer mehrfach zertifizieren lassen mussten. Die Automobilhersteller erkannten dies und einigten sich auf einen einheitlichen Standard, der heute für alle produzierenden Unternehmen weltweite Anerkennung hat. Die ISO/TS 16949. Die Basis der Normen beschreibt nachfolgende Abbildung Sie enthielt bei ihrer ersten Ausgabe, die als VDA 6.1 harmonisiert am 31. März 1999 herausgegeben wurde, die Inhalte der DIN EN ISO 9001:1994 im Originaltext. Teilnehmer der Erstellung waren: - ANFIA (Italien) - CCFA FIEV (Frankreich) - VDA (Deutschland) - DaimlerChrysler AG (Deutschland, USA) - Ford Motor (USA) - General Motors (USA) Am 1.3.2002 wurde die zweite Ausgabe der ISO/TS 16949:2002 veröffentlicht. Sie wurde von folgenden Teilnehmern erarbeitet: - International Automotive Task Force (IATF) - BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford, General Motors, inkl. Opel Vauxhall, PSA Peugot-Citroen, Renault SA, Volkswagen, AIAG USA), ANFIA (Italien), FIEV (Frankreich), SMMT (UK), VDA-QMC (Deutschland) - Japan Automobile Manufacturers Association Inc. (JAMA) - Vertretern des ISO TC 176 »Quality management an quality assurance« als Unterstützung Die erschienene zweite Ausgabe ISO/TS 16949:2002 basiert gleichfalls auf der ISO 9001:2000. Ebenso wie in ihrer ersten Auflage ist der Wortlaut der ISO 9001:2000 im Originaltext gedruckt. Die automobilspezifischen Forderungen des VDA Bandes 6.1 (4. Ausgabe) und der QS 9000 (3. Ausgabe) wurden in den Texten berücksichtigt, die sich außerhalb der eingerahmten ISO 9001-Anforderungen in dem Regelwerk befinden. Das heißt, die ISO/TS 16949: 2002 (auch kurz TS 2 genannt) vereint alle bisher existierenden und veröffentlichten Forderungen der amerikanischen und europäischen Automobilhersteller. Zusätzlich zu den Forderungen der TS ISO 16949 können kundenspezifische Anforderungen, die in weiteren Dokumenten dargelegt werden, zur Anwendung kommen. Welche der folgenden Handbücher benutzt werden müssen, hängt vom Kunden, vom Produkt oder dem jeweiligen Zulieferwerk ab. Für Unternehmen, die für Automobilhersteller in den USA arbeiten, und damit früher der QS 9000 unterlagen, gelten folgende mitgeltende Unterlagen: - PPAP (Produktionsteilfreigabeverfahren) - APQP (Produkt Qualitätsvorausplanung und Kontrollpläne) - MSA (Messmittelfähigkeitsuntersuchungen) - SPC (Statistische Prozessregelung) - FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) - QSA (Qualitätssystem Audit) - Sanktionierte Interpretationen