Ernst Horn von "Deine Lakaien" zückt hier sein faszinierendes Synthie-Sounds-Register ... die Melodien und Rhythmen sind (damals) schon einzigartig. Wer die frühen "Lakaien" mag, und wer dabei ruhig einmal auf den Gesang von Veljanov verzichten kann, müsste mit diesem Album was anfangen können. Wer Ernst Horns Experimental-Collage "The Skies over Baghdad" mag, und Sängerin Sigrid Hausens Stimme nicht ganz furchtbar findet (was sie ja auch nicht ist), könnte auch dieses Album wirklich richtig gut finden, auch wenn es bei der Qntal natürlich vordergründig um eine Mittelalteranmutung geht, die den anderen Projekten fehlt.
Es ist jedoch keine Mittelaltermusik in dem Sinne. Die Texte sind klassische Mittelalterstücke, die Melodien dazu muten altertümlich an, es sind aber vorwiegend neue Kompositionen von Qntal.
Die Instrumente kommen hier, anders als beim Nachfolger "Qntal II", durchaus auch aus der Mittelalterkiste: Oud, Fiedel, Schalmei, Drehleier ... Michael Popp und Ernst Schwindel, die auch jahrelang mit den Lakaien tourten und dort bereits ihr großes Können utner Beweis stellen konnten, hauen hier voll in die Mittalaltermusiktasten, sozusagen. Das Album ist dennoch vor allem ein elektronisches, teils mit starken Bässen, teils mit zirpendem Synthie-Geflöte.
Vor allem überzeugt die sehr gute Produktion sowie die auf ihre Art meisterhaften Kompositionen Horns.
Denn, Achtung, all die Folgeplatten von Qntal, die ohne Horn entstanden sind, mögen ihre Berechtigung haben; mir gefällt das, was ich davon gehört habe, aber nicht mehr. Irgendwo zwischen Mittelalter-Trance, -Taumel und -Techno tönt es da. Schaurig.
Nicht so hier: Ein absoluter Dark-Electro-Klassiker und noch heute ein echter Hinhörer!