Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Klappentext
Die in Methodik und Praxis erfahrenen Autoren stellen in ihrem Qigong-Basisbuch - die therapeutisch wirksamen Faktoren dar, die auch die aktuelle Hirnforschung bestätigt - zeigen anhand von Beispielen das breite Anwendungsspektrum auf - beschreiben Qigong als Methode, die psychisch stabilisieren und eine positive Selbstwahrnehmung fördern kann.
Das fundierte, lebendig geschriebene Buch unterrichtet in Psychotherapie und Beratung Tätige, Qigong-Lehrer und alle, die an körperorientierten Verfahren interessiert sind, über Anwendungsmöglichkeiten einer wirkungsvollen, 3000 Jahre alten Übungsform.
Qigong: Die Lebenskraft (Qi) durch Üben (Gong) zu stärken und in Fluss zu bringen, hat eine über 3000 Jahre alte Tradition in der chinesischen Medizin.
Über den Autor
Micheline Schwarze, M. A., ist Atemtherapeutin und zertifizierte Hakomi-Therapeutin (Körperpsychotherapie), Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung. Seit 1988 ist sie in eigener Praxis und für verschiedene Organisationen tätig; Qigong-Dozentin der Medizinischen Gesellschaft für Qigong Yangsheng.
Auszug aus Qigong in Psychotherapie und Selbstmanagement (Leben Lernen 207) von Claus Fischer, Micheline Schwarze. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Luise Reddemann
Vor 20 Jahren, im Sommer 1988, kam Dr. Josephine Zöller als Gast in die Klinik für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin in Bielefeld, die ich zu jener Zeit leitete. Josephine war für mich ein Phänomen: 75 Jahre alt, beweglich wie ein Baby. So sei sie vor 15 Jahren nicht dran gewesen, erzählte sie. Damals, mit 60 Jahre also, habe sie ihre Praxis als Allgemeinärztin geschlossen, weil sie dauernd Rückenprobleme gehabt habe. Neugierig und aufgeschlossen wie sie war, studierte sie dann in Berlin Sinologie, um anschließend mit einem Stipendium nach China zu gehen. Dort lernte sie Qigong kennen und seither hatte sie täglich geübt, das hatte sie beweglich gemacht. Inzwischen war es ihr ein Anliegen, Qigong in Deutschland zu lehren und das uralte Wissen weiterzugeben. Wir hatten das Glück, dass sie für etwa ein Jahr in der Klinik mitarbeitete. Das Qigong kam bei unseren Patientinnen und Patienten sehr gut an, so dass es fester Bestandteil unseres Behand lungsangebots blieb, auch nachdem Josephine uns wieder verließ.
Claus Fischer führt bis heute diese Arbeit fort. Er verfügt über ein breites körpertherapeutisches Wissen und ist zudem ein kompetenter Psychotherapeut.
Durch die Zusammenarbeit mit Micheline Schwarze, die viel Erfahrung mit Qigong in der Körperpsychotherapie und im Selbstcoaching hat, wird das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und es gelingt eine interessante Verbindung zwischen östlichem Wissen und den Erkenntnissen der westlichen Psychotherapie und Wissenschaft. Es ist das Anliegen dieses Buches, Qigong auf ein solides, theoretisch nachvollziehbares Fundament zu stellen und auch immer wieder einen Praxisbezug herzustellen. So werden einfache Qigong- und Wahrnehmungsübungen zum Ausprobieren beschrieben.
Fernöstliche Konzepte über Gesundheit und Krankheit hatten im Gegensatz zur westlichen Heilkunde eine ganzheitliche Sicht des Menschen immer bewahren können, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sich heute viele von fernöstlichen Methoden angesprochen fühlen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass die Sichtweisen der anderen Kultur so wenig verstanden werden, dass ihre westlichen Anhänger ins Sektierertum abgleiten. Claus Fischer und Micheline Schwarze gelingt es in diesem Buch, den Boden westlicher Empirie nicht zu verlassen und doch auch einen Geschmack der anderen Sicht zu vermitteln.
In den letzten Jahren ist es immer deutlicher geworden, dass eine Psychotherapie ohne Einbeziehung des Körpers für viele PatientInnen nicht gewinnbringend sein kann. Die neuere neurobiologische Forschung bestätigt das, was viele TherapeutInnen schon lange wussten.
In der Psychotherapie gab es seit ihren Anfängen ein Bemühen, Körper und Seele gleichermaßen wahrzunehmen und ihr Zusammenwirken zu fördern. So fand Qigong auch in verschiedenen stationären Kontexten seinen Ort, während es sich gleichzeitig in der Gesundheitsprävention und im Selbstmanagement seinen Platz erobern konnte.
Der Ansatz von Fischer und Schwarze in diesem Buch wird dem Wunsch vieler PatientInnen gerecht, dass die als wertvoll geschätzte Arbeit mit dem Qigong nach der Klinik weitergehen solle. Im Buch sind alle Bereiche abgedeckt. Qigong als Möglichkeit intensiver Selbstbegegnung und als Selbstmanagement, im Coaching und als therapeutische Intervention. Dass die Übergänge zwischen Gesundheit und Krankheit fl ießend sind, versteht sich hier tatsächlich wie von selbst. Dieses Buch ist sowohl für diejenigen geeignet, die sich einen ersten Überblick über Qigong verschaffen möchten wie für erfahrene PsychotherapeutInnen und Qigong-Lehrende. Jede und jeder wird dieses Buch mit Gewinn lesen können, vorausgesetzt, sie oder er bringt ein Interesse an ganzheitlichen Sichtweisen mit und eine Lust, über den Körper sich selbst zu begegnen.
L. Reddemann, im Dezember 2007
1. Einführung
»Wenn ich stehe wie eine Kiefer, ändert sich auch meine innere Haltung, ich spüre mich klarer und stehe mehr zu mir«,
»Wenn ich die >Wolkenhände< bewege, habe ich das Gefühl, dass es auch mal leicht gehen darf im Leben.«
Qigong-Praktizierende äußern sich häufi g zu den vielfältigen seelischen Wirkungen des Übens. Sie bemerken, dass sie mehr Selbstgefühl und Selbstsicherheit entwickeln, überzeugender auftreten können, entspannter und freier werden sowie gelassener mit sich und anderen umgehen können.
Da wir in den Bereichen von Psychotherapie, Körperpsychotherapie, Beratung und Selbstmanagement tätig sind, interessieren uns in diesem Buch besonders die Fragen:
- Wie kann Qigong zur Stabilisierung und Ressourcenstärkung eingesetzt werden?
- Wie kann es die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit fördern?
- Welche Aspekte sind in diesen Anwendungsbereichen besonders wichtig?
- Welche Erklärungsansätze gibt es für die seelischen Wirkungen des Qigong aus westlicher Sicht?
Diesen Fragen wollen wir uns von verschiedenen Seiten her nähern.
Dabei geht es um Themen wie
- Achtsamkeit und Akzeptanz,
- Selbstberuhigung und Umgang mit Emotionen,
- Selbstgefühl und Selbstbehauptung,
- Kreativität und Potenziale,
- Vertrauen in die Selbstregulation,
- Kontakt zum Wesentlichen.
Anhand von Beispielen aus der Praxis erläutern wir unter anderem, wie Zentrierung und Erdung beruhigend und stabilisierend auf der seelischen Ebene wirken, warum Menschen nach dem Üben mehr Kontakt zu sich selbst haben und ihre Probleme aus einem anderen Blickwinkel sehen. In den Beispielen aus der Praxis wird deutlich, dass eine Übung wie Schiebe den Berg zu mehr Klarheit und Zielgerichtetheit führen oder Das Spiel des Tigers Angstgefühle verringern kann.
In diesen bewährten chinesischen Übungsformen werden Achtsamkeit und geistige Zentrierung, Bewegung, Haltung, Atem und Imagination auf wirkungsvolle Weise verbunden. Es wird von einer Einheit körperlicher und seelisch-geistiger Vorgänge ausgegangen - das eine wirkt mit dem anderen zusammen. Vorstellungen, Bilder, Gefühle wirken auf körperliche Prozesse, wie auch umgekehrt Bewegungen und Haltungen auf Denken und Fühlen wirken. Damit erscheint Qigong vor dem Hintergrund neurobiologischer Forschung hochaktuell und trotz der mehr als 3000-jährigen Geschichte wie eine »moderne« Körpertherapie.
Neuere wissenschaftliche Studien belegen das ganzheitliche Zusammenwirken körperlicher, emotionaler und kognitiver Prozesse. Im Zuge dieser Entwicklung werden der Körper und seine Reaktionen in der Psycho therapie zunehmend beachtet und die Arbeit mit dem Körper wertgeschätzt.
Die in unserer westlichen Kultur vorherrschende Überbetonung der Kognition und des rationalen Denkens wird von Hirnforschern infrage gestellt. Die neurobiologische Forschung stellt mit den neuesten Ergebnissen sogar die Hypothese auf, dass der Mensch mehr durch unbewusste körperliche Prozesse bestimmt wird als durch bewusste Entscheidungen (Schore, 2007; Singer, 2004).
Rein kognitive oder psychodynamische Therapieansätze klammern häufi g etwas Entscheidendes aus, wenn sie ausschließlich auf die Vermittlung von Erkenntnissen und Deutungen abzielen und das körperliche Geschehen außer Acht lassen. Nicht selten werden Körperimpulse oder Körperempfi ndungen sogar als »Störung« des intellektuellen Therapiegespräches gesehen und damit die Chance einer Integration vertan.
In einer aktuellen traumatherapeutischen Fachveröffentlichung fi ndet sich in dem umfangreichen Stichwortregister nicht ein Wort zu den Berei chen Bewegung, Körperwahrnehmung, Körpertherapie - lediglich der Begriff »Körperkontrolle« taucht auf.
Andere plädieren klar für eine Einbeziehung des Körpers. [...]