Aus der Amazon.de-Redaktion
Max Goldt ist ein Meister der freischwebend-assoziativen, dabei aber überaus präzisen und sich aus (teils absurden) Alltagssituationen aufs Wundervollste speisenden Sprache. Das fängt schon bei den Überschriften an. So ließ es sich Goldt 2006 nicht nehmen, einen seiner Zweiseiter in der Satirezeitschrift
Titanic nach der gesellschaftlich damals gerade viel diskutierten Hochschulqualitätshebungsaktion Die Exzellenzinitiative zu nennen -- wohl deshalb, weil er dieses Kleinod deutscher Sprache nicht ungenutzt an sich vorüberziehen lassen wollte. Der Text freilich handelte gar nicht von eben jener, sondern unter anderem von den diversen Verwendungsmöglichkeiten der Pelikane in einer immer hitziger werdenden Welt und hätte auch einen ganz anderen Titel haben können: was er im Sammelband QQ -- dort taucht er als Die Prophezeiung auf -- auch hat.
QQ ist auch einer von diesen freischwebend-assoziativen Titeln, zumindest auf den ersten Blick. Laut Auskunft seines Trägers steht er als Kürzel für quiet quality, einem Schlagwort aus den USA für alles, was nicht schreit und spritzt. Der zweite Blick offenbart also bereits, wie klug der Titel ist. Denn in den 21 Essays, die allesamt auf Erstveröffentlichungen in Titanic aus den Jahren 2005 und 2006 basieren, schreit und spritzt es an keiner Stelle, ganz im Gegenteil: es fließt alles in einer so wohlfeilen Stille dahin, dass man richtig erschrickt, wenn sie einmal ins Plätschern gerät: dann nämlich, wenn Goldt -- wie in seiner grandiosen Reflexion Über Fernsehmusik -- die fulminant komische Dichte des Anfangs (es geht um die Legende zweier lesbischer Heiliger, die sich im Mittelalter in ein und denselben Turm einmauern) nicht halten kann. Aber das ist, wie gesagt, nicht oft der Fall.
An einer Stelle von QQ zeigt sich Goldt irritiert darüber, dass offenbar kein griechischer Name für die Angst existiere, einen mit Denkerstolz und Manneskraft geschriebenen Aufsatz auf eine so schlaffe, ja sogar Heckenknöterich angähnende Weise zu beschließen, aber, mein Gott, angstlösende Tabletten muss man wegen einer solchen Angst wohl keine schlucken -- da muss man einfach durch, das werden die Leute schon akzeptieren in ihrer herben, volkstümlichen Milde. Ja, die Leute würden sogar das, wenn sie denn müssten. Aber heckenknöterichgähnende Schlüsse kann Goldt, so scheint es, ohnehin gar nicht schreiben. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Kurzbeschreibung
Schon in seinem letzten Buch hat Max Goldt, umsichtiger Schriftsteller, der er ist, das Grund- und Hauptmotiv seines neuen Buches angekündigt: «MODERATOR: Warum legen eigentlich heute so viele Frauen Wert darauf, möglichst gemein zu sein? Jede noch so biedere Seriendarstellerin sagt im Fernsehen, dass sie am liebsten ‹bitterböse› sei, und selbst meine gute Mutter liest nur noch Bücher, in denen Frauen ihre Gatten im Schornstein einmauern. PETRA HIPPROTH (Krimiautorin): Ach, das sind halt ins Ritualhafte abgedriftete Überbleibsel eines einstmals berechtigten Widerstands gegen das Postulat des Sanften. Alter Käse, streng genommen. Das wird sich schon wieder beruhigen. Ich bewege mich schon seit längerem davon weg, ich verspüre mehr so einen Drall in Richtung QQ. MODERATOR: QQ? Sie verwenden heute ziemlich exotische Ausdrücke. PETRA HIPPROTH: Kennen Sie nicht QQ? Das steht für "quiet quality" – stille Güte. Ein neues Schlagwort aus den USA für alles, was nicht schreit und spritzt. Da ich mir allerdings einmal eine schöne Wohnung im Augustinum leisten möchte, also in einem dieser Altersheime für gutsituierte Leute mit ein bisschen Hirn, habe ich mir ausgerechnet, dass ich noch fünf Jahre schreien und spritzen muss, und dann kann’s losgehen mit QQ.»
Über den Autor
Max Goldt, geboren 1958 in Göttingen, lebt in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er «Ein Buch namens Zimbo. Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird» (2009) und «QQ» (2007). Goldt, der seit 1989 Kolumnen für «Titanic» schreibt, ist außerdem Musiker und verfasst Hörspiele und Comics. 1997 wurde ihm der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor verliehen, 2008 der Hugo-Ball-Preis und der renommierte Kleist-Preis.