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Produktinformation
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Eine Schublade ist für dieses literarische Unikum beim besten Willen nicht zu finden. Denn die Idee zu ihrem Projekt kam den Autoren nach der Lektüre so unterschiedlicher Texte wie der päpstlichen Enzyklika Ut Unum sint, Forschungsarbeiten über die Freidenkerbewegung und dem Kriminalroman Ein amerikanischer Thriller von James Ellroy. Geschildert wird das dramatische Leben eines namenlosen Häretikers zurzeit der Reformation und Wiedertäuferbewegung und seines Gegenspielers, der für den Vatikan spioniert und seine Berichte an den theologischen Rat Gianpietro Carafa stets mit "Q" zeichnet.
Was macht den besonderen Reiz dieses großen Leseerlebnisses aus? Zum einen die Autoren selbst, die sich aus einer Gruppe von "Internet-Kulturterroristen" rekrutieren. Diese heterogene Gruppe zeichnete seit Anfang der 90er-Jahre mit dem Namen Luther Blissett in Internet und Rundfunk, agitierte dort gegen kulturellen Mainstream und die Macht medialer Institutionen. Andererseits besticht die Handlung durch geschickte Wechsel der Perspektive. Während "Q" sich dem Leser gegenüber stets in Briefform an seinen Auftraggeber äußert, berichtet unser ketzerischer Held als Icherzähler auf verschiedenen Zeitebenen von seinem Leben.
In Ellroy-Manier mischen die Autoren Gestalten der Realgeschichte wie Luther, Müntzer und die Wiedertäufer mit fiktiven Figuren und spielen nebenher noch das unterhaltsame Spiel "Stimmt's oder ist es erfunden". Ob erstunken und erlogen oder nicht mag dem Leser egal sein, der auf hohem sprachlichem Niveau blendend unterhalten wird. Und selbst über den gesamten Handlungsverlauf dieses Trumms von fast 800 Seiten vermögen die Autoren große Spannung zu halten.
Wer obsiegt, wird natürlich nicht verraten, aber Luther Blissett vermögen auch hier zu überraschen. Wer noch mehr Überraschung braucht, gebe in die Internetsuchmaschine "Luther Blissett" ein. --Ulrich Deurer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das perfekte Buch, wenn's draussen kalt und eklig ist,
Rezension bezieht sich auf: Q: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was für ein genialer Schmöker. Ich habe die fast 800 Seiten in einem Rutsch an Weihnachten durchgelesen, mehr oder weniger nur unterbrochen von Bescherung und diversen Festtagsessen. Ansonsten war ich nicht davon loszubekommen. Die Autoren schaffen es, den Leser von Anfang an in die Geschichte hineinzuziehen - was bei den häufigen Zeitsprüngen und der Vielzahl der Personen und Handlungsorte wirklich nicht einfach ist. Man muss durchaus auch manchmal noch zurückblättern, was aber komischerweise von mir nicht als störend empfunden wurde.Die Helden des Buches sind der Ich-Erzähler (der munter in jeglichem Getümmel mitmischt, das Reformation, Bauernkriege, Wiedertäufer, usw. hergeben, und dennoch glaubwürdig und sogar irgendwie sympathisch bleibt) und "Das Auge des Carafa", der Spion des Vatikan, der im Hintergrund die Fäden zieht und mehr als einmal Schicksal für "Ich" spielt, auch wenn dieser erst langsam dahinter kommt. Durch beide Erzählstränge erhält der Leser ein dichtes, zusammenhängendes Bild der religiösen Vorgänge und des Zustandes von Mitteleuropa in den Jahren 1515 bis 1555. Auch muss lobend erwähnt werden, dass sich das Buch tatsächlich an der Wahrheit zu orientieren scheint - ich habe mir mittlerweile Zusatzinformationen in Form von Biographien und Geschichtsbüchern besorgt (und das schaffen nicht viele Bücher!) und habe im Roman noch nichts gefunden, was zwecks Vereinfachung/eleganterer Beschreibung o. ä. verändert, beschönigt oder übertrieben worden wäre. Wer historische Romane mit Tiefgang, Spannung und Tempo mag, ist mit diesem Buch wirklich bestens bedient. Wie man sieht/liest, bin ich auch nach 14 Tagen noch total begeistert! Und als "Schmankerl" obendrauf gibt es einen wirklich überraschenden Schluss. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
76 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Autobiograpie von vor über 400 Jahren,
Rezension bezieht sich auf: Q: Roman (Gebundene Ausgabe)
Luther Blissett bleibt sich selbst treu. Er ist jedermann und niemand, und jetzt schickt er sich auf die Zeitreise, über 400 Jahre in die Vergangenheit. Damals gab es noch einen konkreten Gegner der frei denkenden Menschen - die katholische Kirche und mit ihr die scheinbar allmächtige Inquisition - doch die Arme der Macht waren auch damals schon unsichtbar und reichten oft bis in unsere unmittelbare Nähe. So ist auch dieses Buch. Unser Held (Luther Blissett schreibt in Ich-Form, also wird er es wohl auch sein) nimmt uns mit auf eine Reise von den Bauernkriegen um das Lutherische Wittenberg, über die kurze Zeit des Wiedertäufertums in Münster, über Antwerpen, Basel hin nach Venedig. Überall lauert das wachsame Auge der Inquisition, doch ebenso finden sich überall Menschen, die sich damit nicht abfinden. Wer parallel dazu in Geschichtsbüchern nachschlägt, wird sehen, daß der Autor (sofern er nicht wirklich damals vor Ort war...) sehr genau recherchiert hat und Fiktion und Vergangenheit sehr nah beieinander liegen.Die erste Sensation befindet sich übrigens auf einer der ersten Seiten, noch bevor der Roman überhaupt beginnt: Getreu der Tatsache, daß wir alle ein wenig Luther Blissett sind, ist das kopieren des Textes und seine Verbreitung, auch im Internet, zu nicht kommerziellen Zwecken ausdrücklich erlaubt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandioses Gemälde der Reformationszeit,
Von Gillner, Bastian (Münster, NRW Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Q: Roman (Gebundene Ausgabe)
Europa im 16. Jahrhundert. Die Reformation bringt das traditionelle, mittelalterliche Weltbild ins Wanken. Mit ungeheurer Dynamik greifen die theologischen Diskussionen über den kirchlichen Bereich hinaus und bringen gewaltige Neuerungen für die Machtverhältnisse im Reich wie für den Alltag der Menschen mit sich. In den Kirchen predigen Reformatoren unter großer Anteilnahme nie gehörte Glaubenssätze. An den Höfen erkennen die Fürsten die einmalige Gelegenheit, sich der weltlichen Macht des Klerus zu entledigen. In den Städten brechen alte Konflikte zwischen Bürgerschaft und Patriziern unter den neuen Vorzeichen des Glaubens auf. Und auf dem Land erheben sich die Bauern gegen ihre alten Unterdrücker. Alles ist in Bewegung, alles scheint möglich, die Welt verändert sich und nur das Ziel dieser Veränderung scheint ungewiss.In diesen Strudel einer sich verändernden Welt wird auch der Protagonist des Romans hineingezogen und zwar niemals auf der Seite der Mächtigen, sondern immer auf der Seite derjenigen, die in dieser turbulenten Zeit versuchen, ihre alte Unterdrückung abzuwerfen und die Welt für sich lebenswerter zu machen. Er ist an der Seite Thomas Müntzers in Frankenhausen, er ist an der Seite Jan van Leydens in Münster. Er bewegt sich im Kreise der Täufer in Amsterdam, der Reformatoren in Straßburg und der Juden in Venedig. Und immer wieder erlebt er bittere Niederlagen, immer wieder aufs Neue werden seine Träume zerstört von den alten Mächten, die sich gegen die Veränderungen stemmen oder mit diesen Veränderungen zumindest ihre alte Macht zementieren. Doch aufgeben wird er nie. Und er hat einen mysteriösen Gegenspieler. Einen Strippenzieher im Hintergrund, der sich hinter dem Pseudonym Q verbirgt. Jemand, der die Geschicke jenseits der Öffentlichkeit bestimmt. Jemand, der im Auftrag einer mächtigen Person in den höchsten Kreisen der römischen Kurie arbeitet. Jemand, der gegen die Veränderungen ankämpft, und jemand, der die alte Macht der Kirche mit aller Kraft zu verteidigen gedenkt. Der Roman glänzt mit einer beeindruckenden Vielfalt an Schauplätzen, Personen und Ereignissen. Immer ist Bewegung in der Handlung, Stillstand gibt es nicht. Der Protagonist kommt kaum einmal zur Ruhe, die Ereignisse jagen ihn, geben ihm kaum Zeit zum Atmen. Frankenhausen, Augsburg, Straßburg, Münster, Amsterdam, Basel, Venedig. Nirgendwo kann er sich lange aufhalten, überall überschlagen sich bald die Ereignisse. Manchmal gegen seinen Willen, manchmal gerade durch sein Handeln. Immer wieder sind Rückblicke eingeschoben, Briefwechsel, Tagebucheinträge, Orts- und Zeitwechsel - der Leser sieht den großen Entwicklungsstrang, er sieht, wie sich diese vielen kleinen Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild zusammnefügen, einer grandiosen Momentaufnahme des Europas zwischen 1525 und 1555. Der Protagonist ist immer an den Brennpunkten der Zeit, kreuzt bei seinem Kampf gegen die scheinbar übermächtigen Gegner den Lebensweg einer großen Zahl berühmter und nicht so berühmter Männer (und auch Frauen), geht mit ihnen ein Stück ihres Weges, trennt sich wieder und muss sich erneut alleine zurecht finden. Höchst erstaunlich, wie es dabei gelingt, die verschiedensten Gruppen der Zeit glaubwürdig zum Leben zu erwecken - von den oberdeutschen Reformatoren und thüringischen Bauern über niederländische Täufer und Augsburger Händler bis hin zu italienischen Buchdruckern und sephardischen Juden. Und in all diesen höchst unterschiedlichen Szenen bleibt immer dieser unterschwellige Zweikampf zwischen den beiden Hauptdarstellern präsent. Anfangs noch gar nichts voneinander wissend, kristallisiert sich ihre Gegnerschaft immer mehr heraus bis sie sich im Finale des Romans schließlich gegenüberstehen. Der Kämpfer für politische und religiöse Freiheit, der Rebell und Häretiker, trifft auf den Agenten im Dienste der geistlichen und weltlichen Obrigkeit, den Intriganten und Spion. Kann es da einen Sieger geben? Q erweckt das Europa zur Zeit der Reformation zum Leben, lässt den Leser die Kraft und die Dynamik des Geschehens spüren. Der Roman entwickelt ein Panorama von bestechender Breite und Tiefe und inszeniert vor diesem Hintergrund nicht nur den Widerstreit zweier Personen, sondern auch den Widerstreit zweier Prinzipien, dem verändernden Neuen und dem beharrenden Alten. Eine gewisse Kenntnis des historischen Hintergrundes erscheint nötig, um die Masse an auftauchenden Personen und Entwicklungen angemessen würdigen zu können, doch jedem, der auch nur ein wenig Interesse an dieser Zeit aufzubringen vermag, sei dieser Roman allerwärmstens empfohlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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