Bei dem Begriff "Operation Havoc" beginnen alle Fans von Chuck Palahniuk, und nicht nur die, begeistert mit den Ohren zu schlackern. Dieser Begriff spielte eine zentrale Rolle in dem genialen Roman
Fight Club (1996), der einer breiteren Öffentlichkeit durch die kongeniale
Verfilmung von David Fincher mit Edward Norton und Brad Pitt in den Hauptrollen bekannt geworden ist. Auch in Palahniuks neuestem Roman dreht sich alles um "Operation Havoc". Doch das ist leider auch schon einer der wenigen Gemeinsamkeiten zu
Fight Club. "Pygmy" erreicht nur sehr selten die Genialität seiner Vorgänger.
Die Geschichte wird erzählt aus Sicht von Pygmy, einem Agenten aus einem fiktiven totalitären Staat, der einen unweigerlich an Nordkorea denken lässt. Pygmy plant mit seinen Mitagenten unter dem Codenamen "Operation Havoc" einen gigantischen Terroranschlag in den USA. Zwecks Tarnung haben sie sich als Austauschschüler bei amerikanischen Gastfamilien eingemietet. Mit dieser Ausgangssituation will Palahniuk zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen zeigt er die Auswirkung einer totalitären Erziehung auf die Gedankenwelt von Kindern und Jugendlichen. Zum anderen kritisiert er die amerikanisch-westliche Konsumgesellschaft, in dem er sie aus einer Fremdperspektive reflektieren lässt.
Diese Idee hat sicherlich viel Potential, doch ist sie leider nicht überzeugend umgesetzt. Der gesamte Roman ist in einem gebrochenen Englisch geschrieben, was auf die Dauer schlicht und einfach nervig wird. Der Leser sollte darauf vorbereitet sein, auf 240 Seiten mit Sätzen wie "Trevor Stonefield no responsible, merely animal pawn. Ignorant puppet. Victim Western system" (61) oder "Begins here third account of operative me, agent number 67, on arrival religion propaganda distribution outlet of city" (21). Ebenso lässt Palahniuk die sprachliche Brillanz und inhaltliche Genialität von
Fight Club,
Survivor und
Rant vermissen. Zu den für Palahniuk typisch-absurden Highlights gehört noch die Szene, in der Pygmy vom Schulschläger Trevor Stonefield verprügelt werden soll, er den Spieß aber umdreht und Trevor vergewaltigt, der daraufhin seiner unterdrückten Homosexualität bewusst wird und nach einer Zurückweisung Pygmys Amok läuft.
Fazit: "Pygmy" hat seine Momente, ist aber im Großen und Ganzen enttäuschend. Wer Palahniuk in Bestform erleben will, der greife lieber zu einem der oben genannten Romane.