Dieses Sprichwort kann man der Handlung Pygmalions zugrunde legen. Kann man anhand der Sprache ein Mädchen aus der Unterschicht zu einer Lady machen? Dieser Frage stellen sich Professor Higgins und Colonel Pickering, zwei Sprachwissenschaftler. Gegenstand ihres Interesses wird hierbei das Blumenmädchen Eliza Doolittle. Higgins wettet, dass er innerhalb kürzester Zeit, nur durch einen qualifizierten Sprachunterricht aus Eliza eine Gräfin machen kann und so zieht das Blumenmädchen in den Haushalt der beiden Junggesellen. Der Unterricht schlägt ein, doch womit die beiden Männer nicht gerechnet haben; Eliza hat durchaus ihren eigenen Kopf und fügt sich nicht blind allen Weisungen. Während Higgins und Pickering nur ihre Wette im Sinn haben, denkt diese weiter und stellt sich die Frage was aus ihr werden soll, wenn die Wette erst einmal abgeschlossen ist.
Bernard Shaws Stück behandelt mehrere Aspekte. So ist die Frage, wie wichtig die Sprache für die Gesellschaft ist, bereits sehr interessant. Durch Higgins wird indirekt die These aufgestellt, dass es nur auf die Art zu sprechen ankommt um die Grenzen seiner Welt festzulegen. Wer sich gewählt auszudrücken weiß, kann sich in hohen gesellschaftlichen Schichten bewegen, alle anderen haben keine Chance aus der Unterschicht auszubrechen.
Eliza Doolittle hingegen weist eine gänzlich andere Seite der Problematik auf. Sie lernt während ihrer Zeit bei den Sprachforschern, dass es eben nicht nur auf die Sprache ankommt. Zu einer Dame wird man nicht durch die Ausdrucksweise, sondern durch die Akzeptanz des Umfeldes. Dies wird aus dem Verhalten der beiden Männer ihr gegenüber deutlich. Während Higgins sie die ganze Zeit wie ein Blumenmädchen behandelt, ganz gleich wie gut Eliza sich ausdrücken kann, wird sie von Pickering vom ersten Augenblick an wie eine Dame behandelt. So bezieht Pygmalion sich vor allem auf die Gesellschaft selbst und kritisiert diese mit einem Augenzwinkern.
Das gesamte Stück regt zum Schmunzeln an, vor allem Eliza Doolittle ist ein sehr frischer Charakter, der im Zusammenspiel mit den verschrobenen Sprachforschern so manches Mal zu überraschen weiß. Bernard Shaw gelingt ein leichtes Stück, das dennoch tiefer geht, als es den Anschein hat. Wer einfach nur ein amüsantes Leseerlebnis mit einzigartigen Charakteren sucht, ist mit Pygmalion ebenso gut beraten, wie jemand der etwas über die englische Gesellschaft oder die Kunst der Sprache erfahren möchte.