Der Psychologieprofessor David G. Myers vom Michigan's Hope College ist mit seinem fulminanten Lehrbuch
Psychology das Kunststück gelungen, Psychologie sowohl kritisch und wissenschaftlich, als auch flüssig und gut verständlich darzustellen. (Dieses Lehrbuch ist denn auch das meistverkaufte in dieser Disziplin.) Dass Myers auch spezielle Themen ähnlich gut präsentieren kann, hat er mit
Intuition: Its Powers and Perils (Yale Nota Bene) und mit
A Friendly Letter to Skeptics and Atheists: Musings on Why God is Good and Faith Isn't Evil unter Beweis stellen können.
Die Zeitschrift "Kirkus" hat über das vorliegende Buch geschrieben: "Not another quick-fix book, but a sober look at what's known about the nature of human happiness."
Die einzelnen Kapitel sind:
1 - What Is Well-being?
2 - Wealth and Well-being
3 - A Satisfied Mind
4 - The Demography of Happiness
5 - Reprogramming the Mind
6 - The Traits of Happy People
7 - "Flow" in Work and Play
8 - The Friendship Factor
9 - Love and Marriage
10 - Faith, Hope and Joy
Ein Epilog, Endnoten, eine Bibliographie und ein Index beschließen das Buch.
Sehr angenehm ist, dass Myers nicht nur die Weisheiten großer Philosophen und Schriftsteller zitiert, sondern von Forschungsergebnissen berichtet.
Sofort ersichtlich wird dies in Kapitel 5: "Reprogramming the Mind". Er nimmt hier die Haltung einer gesunden Skepsis ein: "Healthy skeptizism is open to new ideas without being gullible, discerning without being cynical." (S. 91)
Bedürfen wir einer besonderen mentalen Umstrukturierung, um über glühende Holzkohlen laufen zu können? Erlangen wir diese Fähigkeit durch "positives Denken" und Neurolinguistische Programmierung (NLP)? Sind Feuerläufer gar Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten?
Der Verfasser meldet erhebliche Bedenken an und macht ganz nüchtern darauf aufmerksam, dass im Prinzip jeder Mensch - einige Meter und damit einige Sekunden - über glühende Holzkohlen laufen kann, dass aber kein Mensch, und sei er noch so neurolinguistisch programmiert, 20 Meter über glühenden Stahl laufen kann.
Das Buch wartet aber keineswegs nur mit skeptischen Warnungen auf, sondern zeigt, wovon - empirisch gesehen - Glück abhängt, z. B. von
- Gesundheit,
- realistischen Erwartungen,
- Freundschaft,
- sozial intimen, erotisch-sexuell warmen und gerechten Liebesbeziehungen,
- anspruchsvoller Arbeit und aktiver Freizeit,
- Glauben.
Der letzte Punkt wird m i c h nicht religiös werden lassen, aber dass religiöser Glaube zum Glück beitragen kann, bezweifle ich keine Sekunde. Allerdings bezweifle ich auch nicht, dass religiöser Glaube zum schlimmsten Fanatismus führen kann.
Wie dem auch sei: Dieses Buch zu lesen, ist die reine Freude. Es ist ein Beitrag zum Glücklichsein.