Mit eher gemischten Gefühlen sieht Cat den Umzug ihrer Familie nach Bamberg und belächelt die Hobbys ihres Vaters wie Ahnenforschung und Archäologie eher. Obwohl die Stadt definitiv schmuck anzusehen ist mit dem vielen Fachwerk, fühlt sich Cat dort nicht richtig wohl. Das liegt vor allem daran, dass sie immer noch als Außenseiterin in ihrer Klasse gilt und von der 'In-Clique', deren Anführerin Sina, ein boshaftes Modepüppchen, ist, gemobbt wird. Als Sina Cat ein Friedensangebot macht, ist Cat zunächst sehr misstrauisch, doch sie nimmt Sinas Einladung sich zu später Stunde mit den anderen Mädels im ehemaligen Drudenhaus auf eine kleine Fete zu treffen, an.
Es erwarten sie Gläserrücken und eine wieder einmal aufmüpfige Sina, die sich in ihrer Boshaftigkeit nun zu erkennen gibt. Die Mädchen schließen Cat im Drudenhaus ein und lassen sie mit ein paar brennenden Kerzenstumpen allein. Obwohl Cat Angst hat, sucht sie fieberhaft nach einem Ausweg und findet dabei einen alten goldenen Halsreif und ein fast verwittertes Stück Leder, auf dem in einer alten deutschen Schrift etwas geschrieben steht. Neugierig legt Cat den Halsreif an und liest die geschriebenen Zeilen laut vor. Kurz darauf wird sie durch Zeit und Raum katapultiert, findet sich plötzlich im Bamberg des Jahres 1632 wieder und fragt sich verwirrt, was mit ihr geschehen ist.
Sie trifft ein Mädchen in ihrem Alter, dass ihre Beinwunde, die sie sich unterwegs zugezogen hat, versorgt und mit dem sie sich schließlich anfreundet. Dorothea hat große Sorgen. Nachdem ihre Mutter starb und ihr Bruder Jacob Mönch wurde, ist sie nun alleingestellt und unglücklich verliebt in Daniel. Doch statt Daniel freit dessen Vater um ihre Hand. Daniels Vater ist der oberste Richter von Bamberg und somit Herr über Leben und Tod, da er eine Vorliebe dafür hat, ungefügige Menschen als Hexen oder Hexer anzuprangern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. Und ausgerechnet dieser sadistische Mann hat es sich in den Kopf gesetzt, Dorothea zu heiraten. Nachdem Cat Dorothea vor Nachstellungen des Richters retten kann, erwacht sie plötzlich wieder in die Gegenwart in ihrem Zimmer. Sie trägt immer noch den Reif um ihren Hals, der sich nicht ablösen lässt. Und als sie am nächsten Tag die Schule betritt, reagieren die Mädchen, die sie allein im Drudenhaus ließen äußerst verschreckt. Sie befürchten, dass die rothaarige Cat eine Hexe ist, da sie eine Stunde später spurlos aus dem Drudenhaus verschwunden war, was Cat amüsiert. Lange hält ihre gute Laune jedoch nicht an, denn der Reif um ihren Hals scheint immer enger zu werden und nach einem Besuch bei einer Bamberger Bewohnerin, der nachgesagt wird, dass sie magische Kräfte besitzt, muss Cat den bitteren Tatsachen ins Auge sehen- sie steht unter dem Bann eines Fluches, der nur von ihr gebrochen werden kann. Doch was haben Dorotheas Schicksal und das einer anderen Frau, die vor Jahrhunderten als Hexen verbrannt wurden, mit ihr zu tun? Und vor allem ist es möglich, dass Cat ein historisch verbrieflichtes Geschehnis überhaupt noch abwenden kann?
Meine Einschätzung:
Als ich auf 'Purpurmond' aufmerksam wurde, war ich sehr gespannt auf die Geschichte, denn ich habe ein Faible für historische Romane und vor allem für Zeitreisestories. In 'Ich-Form' erzählt die Autorin die Geschichte der siebzehnjährigen Cat, die plötzlich mit einem Fluch belegt wird, der sie das Leben kosten könnte. Da Cat eine sehr mutige Heldin ist, die dazu aber auch noch mit einem schönen Humor ausgestattet wurde (ich habe manches Mal über ihre Gedankengänge grinsen müssen) und sympathisch ist, fiel es mir nicht schwer, ins Geschehen rund um Cat einzutauchen, denn auch der historische Hintergrund ist sehr spannend gestaltet worden. Es wird dem Leser sehr schnell klar, dass Cat Dorotheas Leben retten muss, doch das 'Warum gerade sie?', lässt noch einige Zeit auf sich warten. Man kann sich gut in die Ängste und Sorgen angeprangerter Frauen von damals hineinversetzen, die der Willkür Höherstehender ausgesetzt waren und ehrlich gesagt fand ich einige Szenen in denen damalige Folterinstrumente sehr bildlich beschrieben wurden und natürlich auch als Cat ganz am Anfang des Romans unfreiwillige Zeugin einer Hexenverbrennung wird, ziemlich beklemmend geschildert und würde diesen Roman, auch wenn er als Young Adult Roman läuft, daher nur Lesern empfehlen, die etwa im gleichen Alter wie die Heldin dieses Romans sind oder älter.
Richtig gute Zeitreiseromane sind momentan leider sehr dünn gesät, umso mehr hat es mich gefreut, dass 'Purpurmond' zu den guten Büchern dieses Genres gehört und nicht nur ein tolles Cover sondern auch eine packende Geschichte zu bieten hat.
Und vor allem ist es hier so, dass die Heldin dieses Romans durchaus Probleme damit hat, sich unauffällig in die Gewohnheiten damaliger Zeiten einzufügen (anders als in so manch anderem Zeitreiseroman in dem die Heldin nach kürzester Zeit nichts aus der Gegenwart mehr vermisst, was ich immer ziemlich unglaubwürdig finde.) - jedoch dabei nicht dumm oder unbesonnen handelt.
Natürlich kommt auch die Liebe in diesem Young Adult nicht zu kurz, wobei etwas ältere Leser als die Zielgruppe in Sachen Liebeszenen logischerweise ein wenig zurückstecken müssen, was mich persönlich jedoch nicht wirklich gestört hat, denn die Liebesgeschichten zwischen zwei Pärchen in diesem Roman sind auch ohne zu sehr ins Detail zu gehen, sehr süß und romantisch beschrieben. Lediglich tat ich mich anfangs ein wenig schwer damit, dass Dorothea gleich bei ihrer ersten Begegnung mit Daniel wusste, dass er die Liebe ihres Lebens ist. Hier hätte ich mir vielleicht ein paar Seiten mehr gewünscht bzw. die Kennenlernphase des Paares hätte ruhig ausführlicher und tiefgründiger ausfallen dürfen; aber dieser kleine Kritikpunkt fällt so wenig ins Gewicht, dass ich trotzdem die Höchstbewertung für 'Purpurmond' aussprechen möchte.
Fazit: ein Zeitreiseroman nicht nur Young Adult Leser, der ein dunkles Kapitel der Historie erzählt- spannend, romantisch und beklemmend zugleich.
Eine Rezension von Happy End Bücher.de (NG)