Dieses Album ist einfach nur großartig. Mit Sicherheit sind es die Titel "Vasoline" und "Interstate Love Song", die beim ersten Durchhören den deutlichsten Ohrwurmcharakter besitzen, während man sich in die anderen Songs erst "hereinhören" muss, um sie gut zu finden oder zu verstehen. Dies macht die Titel aber keineswegs schlechter, ganz im Gegenteil, es beweist nur einmal mehr die songwriterische Klasse dieses Quartetts.
Weilands Lyrics sind von enormer Vielseitigkeit und wirken stellenweise sogar recht kryptisch, was ein mehrmaliges lesen/hören erfordert.
Musikalisch bewegt sich "Purple" auf einem sehr hohen, wenn auch nicht übertrieben "frickeligen" Niveau. Im Vergleich zu "No. 4" oder "Shangri-La Dee Da" fällt die Produktion und damit der Gesamtklang weniger fett, dafür aber vielschichtiger aus. Spätestens dieses Album prägt sehr deutlich den individuellen Stil von STP, dessen Genreverwandtschaft mit Bands wie Nirvana oder Pearl Jam zwar nicht von der Hand zu weisen ist, der jedoch klar eine andere Richtung, nämlich die weit experimentellere, einschlägt. Diese Band einfach nur in die Schublade "Post-Grunge" zu stecken wäre schlicht falsch.
Alles in allem kann man sagen, dass "Purple" kein "Easy Listening"-Album ist, ein "Heavy Listening" sich aber mehr als lohnt.