Die Fans der No Angels mussten lange auf das erste Album ohne Jessica warten, nun ist es endlich da und es trägt den gut gewählten Titel "Pure". Ich muss zugeben, dass ich überrascht bin wie reif und neu die Platte geworden ist. Zuerst wollte ich mir das 4. Album der No Angels nicht anschaffen. Damals, als die Angels gerade frisch aus der popstars-fabrik kamen, war ich ein großer Fan, schließlich stimmte alles, fünf unterschiedliche Mädchen, die nicht nur symphatisch waren und gut aussahen, sondern auch zauberhafte Stimmen hatten.Wenn ich mir jetzt die eingängigen Lieder ihres Debütalbum anhöre, wird mir klar, dass ich aus dieser Musik rausgewachsen bin. Bis auf einige Ausnahmen gab es auf den ersten beiden Alben nur wenige eindruckvolle Songs.
Nach der einfältigen Nummer "Someday", die für mich die schwächste Nummer des neuen Album darstellt, war ich mir sicher, dass auch Pure eher aus "Teenie-pop", der zwar durchhaus hitverdächtigt und gut produziert sein würde, aber ohne Gefühl und Tiefgang, bestehen würde. Schließlich konnte ich dann doch nicht wiederstehen und wollte unbedingt wissen wie das erste Album ohne Jessi geworden ist. Ich war sehr positiv überrascht, das Album ist einfach nur schön! Zu meinen Lieblingssongs gehört vor allem das dramatische "Sister", den Vanessa geschrieben hat. "Sister" ist der ideal Einstieg und nach diesem Song wusste ich, dass mich ein teils ganz neuer Stil zu erwarten hatte. Was mir ebenfalls sehr gut gefällt sind die Balladen, die zum ersten mal bei den No Angels herrausragend sind und für mich die Highlights von "Pure" darstelen. Ich spreche hier vor allem von der wunderschönen Nummer "Angel of mine" und von "washes over me". Bei diesem Song kommen die Stimmen der vier besonders gut zu Geltung und das Lied ist sehr gefühlvoll. "Takes a woman to know" ist sehr außergewöhnlich und bewegt irgendwie.
"Pure" bietet auch einige rockige Songs, wie das eingängige "No Angel...", die neue up-tempo Nummer "Feel good lies" und "so what". Aber die No Angels haben sich auch an den Jazz herangetraut, die neue Version von Venus ist nicht nur außergewöhnlich lang (11:25), sondern auch extrem Jazz-lastig.
Fest steht, dass man bei keinem der 13 Songs weiterschalten möchte, denn sogar die schwächeren Nummern, wie "Someday" und "forever yours", haben ihren Charme und letzten Endens kann man den Stimmen der Vier sowieso nicht widerstehen.
Fazit: Die No Angels haben es dank ihrer Reife, ihrer Experimentierfreude und nicht zuletzt ihrer tollen Stimmen geschafft, ein gut gestricktes, gefühlvolles Album zu entwickeln, dessen Kauf sich nicht nur für Fans lohnt, sondern auch für jene, denen die früheren Alben zu poppig und zu kommerziell waren.