Dido and Aeneas ist sicher die bekannteste "Oper" von Purcell, vielleicht sein populärstes Werk.
Kein Wunder, dass schon seit langer Zeit Aufnahmen dieses Werkes vorgelegt werden und in den letzten Jahrzehnten jede Menge hervorragender Aufnahmen entstanden sind. Wenn ich Jacobs, Haim, Pinnock, Gardiner,Teodor Currentzis ,McGegan nenne, habe ich sicher nicht alle benannt, deren Aufnahmen bemerkenswert sind.
Christie gehört zu dieser Gruppe der hervorragenden Interpreten.
"... Gemeinhin liegt mir William Christie mit seinem betont tänzerischen Ansatz näher - ein Ansatz, der Purcells auffälliger Betonung des tänzerischen Elementes im Stück Rechnung trägt. In den Arien herrschen zudem ein sehr feiner lyrischer Ton und eine überaus durchdachte klangfarbliche Balance und Vielschichtigkeit." so eine Kritik.
Tritt er mit diesem Stück live auf, bekommt er die besten Kritiken:
"Auch das leidenschaftlich musizierende Orchester Les Arts Florissants unter seinem Dirigenten William Christie liefert dank der Originalinstrumente einen authentischen, aber richtig wohlklingenden und vollen Klang..... Tadellos auch die sängerische wie darstellerische Leistung von Malena Emman und Luca Pisaroni in den beiden Hauptrollen...., Gleiches gilt für den Chor. Eine dichte, aufwirbelnde einstündige Vorstellung mit einem dramaturgisch einwandfreien Aufbau."
Die Sonderheit seines Dirigats ist die Lebendigkeit. Deswegen kann ich die Hexen-Scenen, wayward sisters.."sind von grosser Lebendigkeit.Christie hat den Mut, hässlich singen zu lassen. Sehr eindrucksvoll. Bei solchen Scenen wird klar, Christie ist ein Mann des Theaters. Wer ihn da einmal agieren sah ( Rameau, les indes galantes), weiss, wovon ich schreibe.
Vor zehn Jahren wäre diese Aufnahme noch ziemlich singulär gewesen.
Am Beispiel seiner Dido, Veronique Gens: sie hat eine gute Stimme, natürlich, aber eine wirkliche bewegende Dido? Man höre Simone Kermes, erschauere, und verneine diese Frage. "Die Dido Christies, Veronique Gens, erreicht meiner Meinung nach nicht ganz diese Intensität. Sie besitzt aber eine Stimme, die ich vor allem wegen der mitschwingenden Tiefe sehr, sehr gern höre." meint ein Klassikfreund. Diesem Urteil kann ich mich anschliessen.
Christie musiziert mit einem sehr guten Ensemble,aber seine Interpretation ist heute eingebettet in eine Reihe anderer, mindestens gleichwertiger Aufnahmen. Den fünften Stern gebe ich nicht wegen der Interpretation, sondern wegen des äusserst preisgünstigen Angebots des mp3-downloads. Für so einen geringen Beitrag dieses wunderschöne Werk von Purcell kennen zu lernen, in einer Interpretation, die immer noch als ein der gültigen angesehen, ist nur lobenswert.