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4.0 von 5 Sternen
Orgiastischer Schlag in die Sahne des guten Geschmacks, 18. Juli 2006
Henry Wilt heißt nur so -- in Wirklichkeit ist er alles andere als wild, muss sich allerdings in einer Wildnis der besonderen Art durchbeißen: Zu Hause hat er es mit seiner exaltierten unbefriedigten Gattin Eva zu tun, und die beruflichen Freuden eines Berufschullehrers in britischen Provinzstädten halten sich auch in Grenzen. Er trotzt wacker Evas Begeisterungsfähigkeit für möglichst schicke Selbstverwirklichung in der örtlichen Volkshochschule, und irgendwie arrangiert er sich auch mit seinen bildungsunwilligen Schülern -- und letztere, zusammengefasst in berufsbezogenen Klassen und vielsagend bezeichnet als "Gasinstallateure III", "Fleisch I" usw., haben wenig Sinn für das, was ihnen ein Hilfslehrer für Allgemeinbildung über "Sons and Lovers", "Candide" oder "Lord of the Flies" mitteilen will.
Doch dann bricht das Schicksal mit geballter Macht über Henry Wilt herein, in Gestalt des amerikanischen Intellektuellen-Ehepaars Pringsheim. Sally Pringsheim verkörpert alles, was Eva Wilt sich ersehnt -- allem voran die höhere Gesellschaftsklasse und die Intellektuellen-Kaste. Und Ausdrücke kennt sie... Eva ist hingerissen. Klar, dass sie nun jede Mitteilung aus Sallys Mund fürs Evangelium nimmt und unter diesem Einfluss den heimkehrenden Henry in kanariengelbem Outfit und Trenchcoat mit den Worten begrüßt, sie wolle ihm -- na, ich schreib's lieber nicht hin. Die Zensur...
Henrys Schicksal legt noch an Fahrt zu, als die Wilts bei Pringsheims zur Grillparty eingeladen werden (Eva lässt nicht locker, wenn sie den gesellschaftlichen Aufstieg wittert). Der Abend entwickelt sich jedoch nicht ganz so, wie Henry sich eine Grillparty vorstellt; nach einer Kaskade schriller Ereignisse findet er sich in verfänglicher Pose mit einer Gummipuppe vereinigt. Immerhin hat sich Eva empört verabschiedet; ein Trost...
Man kann es durchaus verstehen, dass Henry nach dieser Prüfung genug von seiner Gattin hat und nach einem whiskyseligen Abend mit der Gummipuppe die Generalprobe für den Gattenmord inszeniert.
Nun schlagen die Ereignisse einen Salto nach dem anderen, die beerdigte Gummipuppe wird sorgsam exhumiert, Eva bleibt verschwunden, Wilt wird des Mordes verdächtigt und erlebt ein verschärftes Verhör, wie Inspektor Flint glaubt -- aber Wilt ist von seinen Versuchen, "Fleisch I" mit der Weltliteratur vertraut zu machen, ganz andere Nummern gewöhnt und treibt seinerseits die örtliche Polizei in den Wahnsinn (und verdirbt dem Inspektor den Appetit auf Leberpastete). Währenddessen erlebt auch Eva Wilt auf einem Ausflug mit den Pringsheims Eigenartiges...
Wie sich die Ereignisse dann dem Happy End entgegenstürzen, kann endgültig nicht mehr nacherzählt werden. Eine schräge Situation jagt die nächste, und kurz vorm Zwerchfellkollaps löst sich alles in Wohlgefallen auf.
Wer feinsinnige Unterhaltung sucht, sollte Tom Sharpes "Puppenmord" meiden; dieser Autor lässt sich nämlich keine Geschmacklosigkeit entgehen, um daraus eine skurrile Situation entstehen zu lassen. Es kommt ihm nicht auf stimmige Charakterstudien und dergleichen an, sondern auf ungebremsten Klamauk der Extraklasse, und genau das garantiert dem Leser des "Puppenmordes" das Lachen. Die einzelnen Figuren sind zu schrill, um echt zu sein, klar -- aber schließlich ist das hier die buchgewordene Freude am In-die-Sahne-Hauen, und was das angeht, hat Sharpe einen Volltreffer gelandet. Die Sahne spritzt in alle Himmelsrichtungen, und deswegen verzeiht man ihm auch den etwas blassen Schluss. Und es sei ihm auch verziehen, dass er ein wenig den Plot von einem weniger attraktiven Richard-Quine-Film ("How to Murder Your Wife"; dt.: "Wie bringt man seine Frau um?") abgekupfert hat. Er macht nämlich viel mehr aus der Idee als Richard Quine...
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eines der witzigsten Bücher überhaupt!, 9. April 2003
Obwohl "Puppenmord" nicht mehr ganz taufrisch ist, ist es nach wie vor eines der witzigsten Bücher, die ich je gelesen habe! Und es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich beim Lesen ständig laut lachen mußte.
Tom Sharpe schildert die abstrusen Leiden eines Berufsschullehrers und immer, wenn man meint, die Absurditäten könnten sich nicht weiter steigern, setzt er noch etwas drauf. Die Mordgeschichte an einer Gummipuppe läßt den ewigen Versager Henry zu wahrer Größe auflaufen- mehr will ich nicht verraten. Einige groteske Szenen und Typen wird man sicherlich nicht so schnell vergessen- und sei es nur die berühmte Hausfrauenpastete, in der angeblich echte Hausfrau drin ist.
Auch wenn die mir bekannten Berufsschullehrer grinsend behaupten, das Buch würde ihre Situation wieder geben, will ich das nicht hoffen, kann aber nur jedem zu dem Buch raten, der sich mal richtig gut amüsieren möchte.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Chaos Pur, 27. November 2002
Chaos pur erlebt der biedere Berufsschullehrer Henry Wilt, obwohl es Anfangs garnicht danach aussieht. Ja, man bedauert ihn direkt, sei es wegen seiner dümmlichen Schüler, denen er mit seinem Intellekt nicht begegnen kann oder wegen seiner ausgeflippten Ehefrau, die ihren komischen Neigungen nachgeht, aber keine Lust mehr auf Sex hat.
Es ist einfach nur verständlich, daß er sie, zumindest gedanklich, umbringen will. Auf amüsant-saddistischen Umwegen gelangt er an eine Gummipuppe, die er an Stelle seiner Frau in einem Bauloch verschwinden lässt. Als dieses mit Beton zugeschüttet werden soll und die Bauarbeiter meinen sie haben es mit einer Leiche zu tun nimmt das Schicksal seinen Lauf.....
Mehr sei an dieser Stelle inhaltlich nicht verraten.
Eines ist sicher: Keiner erzählt so packend wie Tom Sharpe, der den Leser immer wieder in seinen Bann zieht. Ob es seine Schilderungen von sexuellen Praktiken sind oder die Art und Weise, wie Henry den Kommisar langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt.
Fazit: Absolut lesenswert, komisch, spannend und packend
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