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Pulverfass Kaukasus - Konflikte am Rande des russischen Imperiums
 
 
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Pulverfass Kaukasus - Konflikte am Rande des russischen Imperiums [Broschiert]

Manfred Quiring
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 200 Seiten
  • Verlag: Ch. Links Verlag; Auflage: 1., Auflage (20. April 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3861535149
  • ISBN-13: 978-3861535140
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 258.054 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Manfred Quiring
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Der Moskau-Korrespondent der »Welt« hat die Lupe auf die konfliktträchtige Region gelegt und versucht sich an einer politischen Lagebeschreibung. Er vermittelt dabei geschichtliches Wissen genauso wie einen Streifzug durch die vielen Kulturen der dort beheimateten Völker. (...) Liest man Quirings Kompendium, weiß man, warum der Kaukasus im geopolitischen Fokus bleiben wird. (Kieler Nachrichten)

Manfred Quirings Monographie gehört zu der Sorte von Büchern, die man ungern wieder aus der Hand legt. Er nimmt den Leser auf eine spannende Reise durch den Krisenherd Kaukasus mit. Ein flüssig geschriebenes, den historischen und aktuellen Stand repräsentierendes Werk, das seinen Anspruch, einer breiten Leserschaft zugänglich zu sein, vollauf erfüllt. (Politische Studien)

Quirings reportageähnliches Werk zeigt, dass ein tiefgründiger Blick und ein knapper Seitenumfang einander nicht ausschließen. Es ist sein Verdienst, Ordnung in die verworrenen Strukturen der politischen, ethnischen und religiösen Gemengelagen zu bringen, die seit dem Zerfall der Sowjetunion immer wieder in Kriege und Kämpfe mündeten. (vorwärts.de)

Kurzbeschreibung

Nach dem russisch-georgischen Krieg um Südossetien im August 2008 ist der Kaukasus erneut ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Es war der sechste militärische Konflikt seit 1990. Und noch immer ist reichlich Zündstoff vorhanden in einer kulturell und geografisch faszinierenden Region, wo auf 400 000 Quadratkilometern mehr als 50 verschiedene Völker zu Hause sind: Abchasen und Aserbaidschaner, Armenier und Darginer, Georgier und Inguschen, Osseten und Tschetschenen. Zwischen 40 und 50 Sprachen, nicht gerechnet die zahlreichen Dialekte, werden hier gesprochen, weshalb der Kaukasus in der Antike auch »Berg der Sprachen« hieß. Streitigkeiten untereinander und die Tatsache, dass Russland das Gebiet als seine naturgegebene, ureigene Einflusssphäre betrachtet, führen immer wieder zu Spannungen. Manfred Quiring, Korrespondent für Die Welt in Moskau, hat den 1500 Kilometer langen Gebirgszug und die angrenzenden Regionen seit 1982 immer wieder bereist, die Konflikte zum Teil persönlich miterlebt. In seinem Buch geht er ihren Ursachen nach, verbindet Geschichtliches mit der Neuzeit und eigenem Erleben.

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Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Der georgisch-russische Krieg vom August 2008 hat den Kaukasus, zumindest fuer einige Monate, in das Blickfeld der politisch interessierten Oeffentlichkeit gerueckt. Waehrend die mit dem Zerfall der Sowjetunion verbundenen zwischenstaatlichen Kriege zwischen Armenien und Aserbaidschan, die Kriege in Georgien sowie in den nordkaukasischen Republiken Russlands "im Westen" nur begrenzte Aufmerksamkeit erhielten, hat der georgisch-russische Krieg vom August 2008, in der gewonnen Erkenntnis der strategischen Bedeutung des Kaukasus fuer Europa und aufgrund des militaerischen Engagements Russlands allgemein Betroffenheit ausgeloest und mehr Interesse fuer diese Weltregion geweckt.

Es ist gewagt, auf gerade einmal 200 Seiten die geschichtliche, politische und kulturelle Vielgestaltigkeit des Kaukasus komprimiert darstellen und analysieren zu wollen, doch es ist grandios gelungen. Dieses Buch zeichnet sich nicht nur durch die gekonnte Vermittlung von umfangreichen Hintergrundwissen und klarer Analyse aus, sondern fesselt auch durch Klarheit und Leichtigkeit der Sprache, ohne Einbussen an wissenschaftliche Ansprueche. Persoenliche Erlebnissen und Erkenntnissen des Autors und auch Anekdoten sind bereichernd und bringen die oftmals vermeintlich so weit weg empfundene Region am Rande Europas dem Leser naeher.

Dieses Buch ist im Besonderem dem zeitgechichtlich interessierten Leser zu empfehlen, der sich einen Ueberblick ueber die Vielgestaltigkeit des Kaukasus machen will, doch auch der vermeintliche Kenner der Region findet noch viel Informatives und Unbekanntes.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
Format:Broschiert
"Wenn Du die Wahrheit sagst, lass Dein Pferd gesattelt."
(Kaukasisches Sprichwort)

In seiner kurzen Einleitung geht (der für "Die Welt" in Moskau als Korrespondent tätige Autor) Manfred Quiring bis in die Mythologie des antiken Griechenlands zurück. Zeus ließ Prometheus an den Kaukasus ketten und schickte täglich den Adler Ethon, damit dieser ein Stück von der Leber des wehrlosen Titanensohnes fraß. Prometheus war bestraft worden, weil er entgegen des göttlichen Verbotes, den Menschen das Feuer gebracht hatte. Auch das Land Kolchis, von dem Jason und seine Argonauten das goldene Flies raubten wurde dort lokalisiert. Heute leben ca. 50 verschiedene Völker in diesem zum Teil sehr unwirtlichen Gebirgsmassiv, das wegen seiner zahlreichen Sprachen und Dialekte bereits im Mittelalter als "Berg der Sprachen" bezeichnet wurde.

Das erste Kapitel bietet einen historischen Überblick der gesamten Region zwischen Persern und Türken, bis hin zur allmählichen russischen Eroberung, die im 16. Jahrhundert durch Iwan IV. ("den Schrecklichen") begann. Während die bereits im 4. Jahrhundert christianisierten Völker mitunter um russische Hilfe "baten", widersetzen sich vor allem die islamischen "Gorzy" den Annexionsversuchen des Zarenreiches. 1785 rief der tschetschenische Schäfer Uschruma als Scheich der Nakschibendi zu einem "Ghasavat" ("Heiligen Krieg") auf, der ihm den arabischen Beinamen Mansur (der Siegreiche) einbringen sollte. Die bedeutenste Gestalt war jedoch Imam Schamil (1797 - 1871), der sich im 19. Jahrhundert an die Spitze der politisch-religiösen Erneuerungsbewegung des Müridismus stellte, und eine breite Allianz aus verschiedenen Völkern (u. a. die oftmals verfeindeten Tschetschenen und Dagestaner) schmieden konnte. Dem aus dem Volk der Awaren stammenden Imam stand ein Diwan (geheimer Rat) zur Seite. Seine Herrschaft endete mit der Schlacht am Berg Gunip am 6. September 1859. Leo Tolstoi hat ihm mit "Hadschi Murat" ein Denkmal gesetzt. Allen Völkern des Kaukasus ist ein über alles hochgehaltenes Gastrecht und die absolute Treue zur/zum eigener Familie/Clan gemein.

Im Kapitel über "Georgien, die kaukasische Perle am Schwarzen Meer" gibt es neben einem Rückblick bis ins Goldene Zeitalters König "Davids des Erbauers" und seiner Nachfolger, eine sachliche Analyse des georgisch-russischen Krieges im August 2008. Russland sei auf den ebenso dummen, wie überflüssigen Versuch des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, Südossetien wieder dem Mutterland einzuverleiben, gut vorbereitet gewesen (Seite 29), um seine keineswegs altruistischen geopolitischen Interessen im Transkaukasus durchzusetzen (S. 35). Russland habe dadurch den Westen gewarnt und ihm eine Retourkutsche für das Kosova erteilt, indem es Abchasien und Südossetien im Oktober 2008 als unabhängige Staaten anerkannte. Der Geschichte beider, nach internationalem Recht nach wie vor zu Georgien gehörenden, Landesteile ist jeweils ein Unterkapitel gewidmet.

Aserbaidschans Geschichte, seinem Ölreichtum und der Konflikt um die von seinen armenischen "Todfeinden" besetzten Enklave Berg-Karabach sind Gegenstand des dritten Kapitels. Danach folgt ein Beitrag über den ältesten christlichen Staat der Welt, Armenien, das bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts das Christentum angenommen hatte. Hier wird der Konflikt um Arzach, aus armenischer Sicht dargestellt. Mehrere Seiten nimmt der Genozid ein, den das Osmanische Reich im Jahre 1915 an den Armeniern verübt hat. Obwohl sich die Türkei bis heute weigert, den Völkermord anzuerkennen, die Deportation der Armenier vielmehr als eine vom Krieg bedingte und damit legitime Maßnahme ansieht, lud der armenische Präsident Sersch Sargsjan den türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül zum WM-Qualifikationspiel der beiden Länder am 8. September 2008 in Jerewan ein. Zuvor musste allerdings die armenische Fußballföderation den (in der Türkei liegenden) heiligen Berg Ararat (wo Noah mit seiner Arche gelandet war) entfernen. Man bemüht sich also, das Verhältnis zwischen dem indoeuropäisch-christlichen und dem türkstämmig-islamischen Land zu normalisieren. Ein kurzes Unterkapitel befasst sich mit der "armenischen Diaspora".

Das fünfte Kapitel bietet einen Überblick über "Russlands moslemischen Nordkaukasus" in dem die antirussische Stimmung wächst. Sieben Millionen Einwohner leben auf einem politisch und ethnischen Flickenteppich, auf dem Moskau sieben Vertreter Regimes installiert hat. Der ehemalige tschetschenische Rebellenpräsident Doku Umarow hatte sich vom Nationalisten zum Islamisten gewandelt und im Oktober 2007 im Untergrund das "Kaukasische Imarat" gegründet. Mit Überfällen und Anschlägen auf russische Beamte und Einrichtungen will er in die Fußstapfen Imam Schamils treten. Der selbsternannte "Emir aller Mudschaheddin des Kaukasus" spaltete nicht nur die tschetschenische Widerstandsbewegung, er leistete auch dem Einbruch des Wahabismus in den Nordkaukasus und der damit verbundenen Radikalisierung des Kampfes Vorschub (S. 110). Ein Unterkapitel beschreibt, wann und auf welche Weise die nordkaukasischen Völker islamisiert wurden und zeigt die Konkurrenz zwischen dem alten Naturrecht "Adat" (zu dem auch die Blutrache "Kanly" gehört) und der islamischen Scharia auf.

Besonders faszinierend ist das Kapitel über Dagestan, das mit seinen 14 Nationalitäten und rund 50 ethnischen Untergruppen, keine Titularnation ist, sonder schlicht als "Bergland" bezeichnet wird. Hier leben Völker die authochtone kaukasische, turksprachige und indoeuropäische Idiome sprechen. Gleichwohl die Mehrheit der Dagestaner dem Islam anhängt gibt es dort unter der Bezeichnung "Cognac" erhältliche, recht ordentliche Weinbrände wie "Kaspi", "Derbent" usw. Trotz strenger Fangquoten wird "Kaviar satt" angeboten und in jedem Haushalt eingut sortiertes Waffenarsenal bereit gehalten. Die Dagestaner seien zudem stolz darauf, dass man die Miliz schon mit 50 Rubeln schmieren könne, denn mehr würden sie auf keinen Fall nehmen (S. 118). Neben einem gut konspirierenden Diversions- und Terrornetz, das von Vertretern des internationalen Terrorismus gesponsert wird (S. 119), herrscht Korruption und Nepotismus, was viele aus dem Wirtschaftsleben ausschließt und in die Arme radikaler Islamisten treibt (S. 122). Besonderheiten des Kaukasus sind der "Tamada", der Zeremonienmeister der Tafel, dem sich eine Festgesellschaft unterzuordnen hat, die "Kardschlar" (Blutsbruderschaft) und die sogenannten "Bergjuden", die bereits im 8. vorchristlichen Jahrhundert eingewandert seien.

Das längste Kapitel ist den wainachischen Brüdervölkern der Tschetschenen und Iguschen gewidmet, von den angenommen wird, dass sie von den Hurritern des 2. vorchristlichen Jahrhunderts abstammen. Quiring ist hier eine detaillierte Schilderung der Hintergründe des Konflikts und der beiden Kriege um Tschetschenien gelungen. Den von Skythen, Sarmaten und Alanen abstammenden Nordosseten ist das achte Kapitel gewidmet. Im Mittelpunkt steht der schreckliche Überfall Schamil Bassajews auf eine Schule in Besan am 1. September 2004. Nach dem Kapitel über die wohl weniger bekannten Republiken "Kabardino-Balkarien", "Karatschj-Tscherkessien" und "Adygeya", einem weiteren über "Stawropol, Krasnodar und die Kosaken" (mit Anna Netrebko und Sotschi, dem Ort der Olympischen Winterspiele 2014), gewährt das letzte Kapitel des brandaktuelle Sachbuch noch mal Einblicke in Eigenheiten und Klischees. Der Autor schließt mit den Worten: "Es schmerzt, sehen zu müssen, wie Kriege, Konflikte, der starke Hang zur Gewalt die Lebensgrundlage von Millionen Kaukasiern gefährden. Äußerliche Begehrlichkeiten verschärfen die brisante Situation.....aber auch untereinander sind sich die Völker spinnefeind."

Den Abschluss des, beinahe wie ein Roman zu lesenden, Sachbuches bilden Anmerkungen/Fußnoten, ein Literaturverzeichnis, Basisdaten der Süd- und Nordkaukasischen Republiken, sowie eine Übersicht der im Kaukasus anzutreffenden Sprachfamilien mit ihren Untergruppen.

5 Amazonsterne für eine spannende und toppaktuelle Analyse!
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Im Jahre 2002 verbrachte ich den 9. Mai (Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus) in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Ein Gewitterguß veranlasste mich zum Aufsuchen meines Appartments und Verfolgen der russischsprachigen Nachrichten (kirgisisch kann ich nicht). Eine Nachricht erschütterte mich nachhaltig: In der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala war ein Sprengkörper explodiert und hatte einige junge Männer vor den Augen ihrer Familien und/oder Bräute zerrissen. In Machatschkala fand eine Militärparade statt, die letzte "Handlung" junger Wehrpflichtiger, die danach entlassen werden sollten, da ihr Militärdienst zuende war.
2008 waren wir von Jerewan aus in Berg-Karabach (arm. Arzach genannt, der Name einer historischen Provinz, etwa wie bei uns Schlesien). Im Garten eines Hotels in Stepanakert unterhielten wir uns zwanglos bei einem Glas Bier über neutrale Themen. Plötzlich trat die Frau des Besitzers zu uns heran und ohne jeglichen Übergang bzw. ohne das wir über Politik im Allgemeinen bzw. Georgien im Besonderen gesprochen hätten, fing sie an herumzuzetern, dass die Georgier alles den Armeniern zu verdanken hätten udgl. mehr.

Verfolgt man verschiedene russische Websites, die sich u.a. mit Sotschi 2014 befassen, so fällt in letzter Zeit die verstärkte Hinwendung zur Terrorprophylaxe auf, da es im Nordkaukasus nach wie vor brodelt. Das Thema Terror spielt heute zwar überall eine zentrale Rolle, aber..

Da fiel mir das Buch von Manfred Quiring in die Hände und ich bin erstaunt und begeistert zugleich, wie es ihm gelingt, die verschiedenen Spannungsfelder aufzuzeigen, ihre Ursachen und Auswirkungen.

Ich kann es nur ehrlichen Herzens empfehlen!!!!

Vielleicht sollte man es zusammen mit Anna Politkowskajas Buch "Tschetschenien" lesen, in dem sie u.a. die "Entführungsindustrie" beschreibt und das Weggucken des Westens.
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