Die hilfreichsten Kundenrezensionen
37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Qualitativ weit von Kings Sternstunden entfernt, 21. Mai 2006
Handlung:
Von einem Moment auf den anderen bricht in Boston die Hölle aus. Denn jeder der mit einem Handy telefoniert wird plötzlich zur seelenlosen Mordmaschine. Und da der Grund hierfür natürlich erst einmal unbekannt ist, greifen immer mehr Leute, sei es um den Notruf zu wählen oder nur ein simples "Boah Ey" loszuwerden, zum geliebten Taschenkommunikator.
Einige Stunden später hat die Welt wie wir sie kennen aufgehört zu existieren. Die wenigen normal gebliebenen Menschen müssen sich vor den Handy-Verrückten verstecken oder werden grausam dahingemeuchelt.
Vor diesem Hintergrund macht Clay, der Hauptprotagonist, sich mit einer kleinen Gruppe auf, den Verbleib seiner in Maine (wo auch sonst) lebenden Familie zu klären. Unterwegs müssen sie feststellen, dass die Amokläufer ungeahnte Fähigkeiten entwickeln und beginnen die Handy-Verückten gnadenlos zu dezimieren.
In Maine dann wartet eine böse Überraschung auf die Reste des kleinen Zufallsteams.
State:
Nach dem Lesen des Klappentextes und einiger Kundenrezensionen hatte ich endlich mal wieder ein wirklich gutes Stephen King Buch erwartet, denn die Beschreibung "Apokalypse und wenige Überlebende auf dem Weg nach irgendwo" erinnern schon stark an "The Stand", einem der besten Romane des Horror (ist er das?) Autoren.
Doch leider wird diese Qualität bei Weitem nicht erreicht. Was sehr viel versprechend mit Spannung und Action beginnt, wandelt sich bereits nach etwa Zwei-Fünftel des Buches in ein überschaubares Allerlei, dass weder sonderliche Höhepunkte, noch die zumindest von mir bei King so geliebten detaillierten Charakterbeschreibungen bietet. So musste ich den Roman denn auch schnell zu Ende lesen, da sonst die Gefahr bestanden hätte, dass er im Regal der "Nicht zu Ende gelesenen Bücher" endet. Der Schluss dann versöhnt ein wenig, macht nachdenklich, ist überraschend und der Story würdig, dürfte aber vielen Lesern als unbefriedigend erscheinen.
Aber vielleicht ging es Stephen King bei diesem Roman ja auch eher um eine Allegorie.
Denn ihm - als bekennenden Handy-Hasser - platzte vielleicht irgendwann der Kragen, als er im Real Life wieder einmal ein besonders nerviges Exemplar der Gattung "Handy-Verrückt" (ein Begriff, der im Buch immer wieder süffisant genutzt wird) über den Weg lief.
M. E. ist sein Roman durchaus als Sinnbild auf das tägliche Leben gemeint. Auf der einen Seite die Handylosen Normalos, die nur in Ruhe und Frieden ihr Leben leben wollen. Auf der anderen - und wer kennt sie nicht - Mitmenschen, die alle Hinweise und Warnungen ignorierend z. B. auch im Krankenhaus, in der Nähe von Schwangeren, im Flugzeug, Kino, Konzert oder Bahn und Bus geradezu zwanghaft zum Handy greifen müssen, um zu demonstrieren wie ach so toll (wichtig?) sie und ihre Angelegenheiten doch sind. Das sie ihrer Umwelt dabei ordentlich auf den Senkel gehen, an bestimmten Orten sogar Gefahren auslösen können, ist einigen Vertretern dieser Spezies offensichtlich egal. Immerhin können zumindest Trickdiebe, Erpresser und Nötiger etwas mit den öfters schon mal vertraulichen Gesprächsinhalten anfangen.
So ist dieses Buch sicherlich auch als Denkanstoß in Hinblick auf das seltsame Verhalten einiger rücksichtsloser Zeitgenossen gegenüber ihren Mitmenschen zu sehen.
Fazit: Lesezeit für Vielleser etwa 6 Stunden, Gelegenheitsleser entsprechend länger.
Dieser Roman, obwohl nicht wirklich schlecht, bietet leider (wieder) nicht die Qualität, die man aus quasi allen älteren King Werken kennt. Trotz einiger Schwächen durchaus konsumierbar, wird bei "Puls" zumindest der erfahrene King Fan nicht den alten Thrill empfinden.
Tipp:
Wer noch nicht viel, oder sogar noch gar nichts von Stephen King gelesen hat sollte sich lieber erst einmal seine älteren Werken vornehmen. Romane wie z. B. "Shining", "The Stand", "Cujo", "Christine", "Es" und "Dead Zone" sowie alle Kurzgeschichtenbände sind bis heute unbedingt empfehlenswert und offenbaren, warum dieser Autor zu Weltruhm gelangte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
47 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Finger weg vom Telefon!, 16. Februar 2006
Ungewöhnlich: Nimmt sich King sonst jede Menge Zeit und Seiten, um Handlungsschauplätze, Personen und Plot einzuführen, geht es hier direkt und ohne viel Umschweife richtig zur Sache. Der „Puls“ ist losgelassen - an einem normalen Wochentag mitten auf einer belebten Straße in Boston - und jeder, der gerade ein Handy am Ohr hat, wird zum Opfer, verwandelt sich einen brabbelnden Idioten, der sofort aggressiv auf den Nächstbesten in seiner Umgebung losgeht. Und der Puls verbreitet sich schnell: Jeder, der wissen will, was gerade passiert, greift automatisch zu seinem Handy und wird selbst zum Opfer der Telefonseuche. Als Leser wird man gleich in die Story hineingezogen. Typisch King: Seine Beschreibungen sind sehr detailgenau, mitunter eklig und in diesen Passagen sicher nicht jedermanns Fall (aber genau das erwartet man natürlich von King). Es gibt wohl kaum einen modernen Schriftsteller, der Handlungen, Personen und Orte so genau und plastisch beschreiben kann, ohne dass es auch nur eine Sekunde langweilig wird. Das Puls-Szenario ist nicht nur unglaublich spannend - King beschreibt es so realistisch, dass man gerne glaubt, so etwas könnte wirklich passieren. Mit kleinen, wirkungsvollen Einsprengseln, wird das besonders deutlich: Da redet mal jemand von den Opfern von Hurrikan Katrina, Leute auf der Straße laufen mit iPods herum - oder eines der Handy-Opfer hat als Klingelton doch tatsächlich den nervigen „Crazy Frog“ aufgespielt (für dessen Totalverblödung hätte es vermutlich den Puls gar nicht mehr gebraucht ...). Heute gibt es in Deutschland rein statistisch mehr Handys als Einwohner, der Puls könnte also auch hier zuschlagen ... In diesem Buch wirft ein modernes, intelligentes Kommunikationsmittel, das wie kein anderes für den technischen und zivilisatorischen Fortschritt steht, die Menschen zurück ins Stadium verblödeter Wilder. Insgesamt ist der Roman kurz und schmerzvoll, und vor allem: Er macht eine Menge Spaß. Ein echter „Page-Turner“, bei dem man es kaum erwarten kann, das Ende zu erfahren - und das ist sogar ziemlich gelungen (keine Angst, hier gibt’s keinen Spoiler: Selber lesen!). Leider gibt’s aber in der Gesamtwertung einen Punkt Abzug: Die handelnden Personen sind nur äußerst dürftig charakterisiert. Einzig die Hauptfigur Clayton Riddell, Comiczeichner und von seiner Frau getrennt, wirkt einigermaßen glaubhaft. Seine Suche nach seinem Sohn und die Sorge, dass er ebenfalls Opfer des Pulses geworden sein könnte, ist das letztlich treibende Moment des Romans. Claytons Begleiter sind bestenfalls Staffage, plot-driven und ziemlich eindimensional beschrieben. Schade. Denn Personen plastisch darzustellen - das war eigentlich immer eine besondere Stärke von King. Hier geht es vor allem um die Story, das aber wiederum so konsequent und spannend umgesetzt, dass der Roman - nicht nur - den zahlreichen King-Fans auf alle Fälle zu empfehlen ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Ach herrje..., 26. März 2006
Wie soll ich einen Roman ernst nehmen, dessen deutscher Titel bereits den ersten heftigen Übersetzungsfehler aufweist? Ein einziger Blick in ein gutes Wörterbuch hätte den deutschen Herausgebern gezeigt, dass das englische "Pulse" in diesem Zusammenhang keineswegs mit "Puls", sondern mit "Impuls" übersetzt werden MUSS, weil es sich eben genau darum handelt. Warum man das deutsche Buch nicht einfach "Handy" genannt hat, um dem Original enger zu folgen, weiß ich allerdings auch nicht. Das heißt... doch, schon, ich befürchte nämlich, dass man im deutschen Verlag gar nicht wusste, was "Cell" überhaupt auf Deutsch heißt... "Echt, das ist eine Abkürzung für "Cellular phone"? Haben wir gar nicht gewusst!" Genug des Sarkasmus. ;-) Also, "Puls" wollte ich nicht lesen, sondern dann doch lieber "Cell", um mich nicht weiter über einen offensichtlich völlig unfähigen Übersetzer/Herausgeber aufregen zu müssen. Nun zum Inhalt: "Cell" beginnt vielversprechend. Da ist er wieder, der alte King, der Meister der Horrorszenarien, der subtilen Psychologie und der regelmäßigen 400-Seiten-Gänsehaut, den ich früher (vor Insomnia) einmal so verschlungen habe. Die Spannung hält ungefähr 50 Seiten an und dann stirbt auch dieses Buch an seiner unsäglichen Vorhersehbarkeit. Ich glaube, die bahnbrechende Erkenntnis, die uns wohl alle zutiefst schockieren und deprimieren sollte, bestand für King darin, das menschliche Gehirn mit einer Festplatte zu vergleichen. Für ihn mag das ja schockierend sein, für mich ist das - auch durch die Erkenntnisse der Hirnforschung - eine Selbstverständlichkeit. Dass wir programmiert werden können wie ein Computer ist in den Zeiten des alltäglichen Einsatzes von Neurolinguistischem Programmieren doch etwas völlig Normales. Und genau deswegen zündet "Cell" bei mir nicht. Ein Programm hat also alle Gehirne derjenigen mit Handys formatiert, die rebooten sich natürlich und entwickeln sich in eine andere Richtung als vorher - irgendwie ein bisschen wie ein Rechner, der nach gründlicher Formatierung Linux anstatt Windows aufgespielt bekommt. Schön und gut, nur bitte wo ist das Ungeheuerliche? Wo ist das Unerklärliche, das Spannende? Dass ein Häuflein Nicht-Formatierter zu überleben versucht? Da lese ich doch lieber "The Stand" nochmal, denn die ganzen On-The-Road-Geschichten kenne ich bereits aus diesem Meisterwerk. Dazu zählt übrigens auch der erneute Einsatz von Telepathie. *gähn* Daneben wird man dann mit Dutzenden Ungereimtheiten, Sinnlosigkeiten und Verstößen gegen die elementarste Logik unterhalten. Beispiel: Als Clay seinen Sohn findet, wird die Frage, wie man einen einzelnen kleinen Jungen innerhalb eines riesigen möglichen Radius so schnell finden kann, nicht beantwortet. Ich hasse es, wenn Autoren derartig nachlässig mit Geografie und Logik umgehen. Und dann wartet der Vater auch noch eine ganze Woche (!), bis er das Einzige tut, das Sinn macht. So lange leiden halt Sohnemann und Vater ein wenig vor sich hin, aber passieren tut rein gar nichts. Mir drängt sich der unschöne Verdacht auf, dass diese völlig unnötige Woche am Ende nur dazu gedient hat, die vom Verlag verlangte Zeichenzahl zu erreichen. Das offene Ende ist der platteste Griff in die Schatzkiste der Stilmittel, den ich von King jemals gelesen habe, und schlichtweg eines Schriftstellers seines Kalibers unwürdig. Auch hier vermute ich, dass er es schlicht nicht innerhalb seiner Abgabefrist gebacken gekriegt hat, ein wirklich bahnbrechendes Ende zu inszenieren. Hier hat nicht nur Stephen King erneut versagt, sondern auch sein Lektor. So einen holprigen, beinahe unlesbaren Stil bin ich von ihm nicht gewohnt. Dies war mein definitiv letzter Versuch, Stephen King noch eine Chance zu geben. Diese Lektüre hat mich mehr Nerven gekostet als sie Freude am Lesen gebracht hat. Ich glaube, ich lese irgendwann nochmal "Misery" (ich weigere mich, dieses Buch "Sie" zu nennen) oder eben "The Stand" - nur um mich daran zu erinnern, wie genial dieser Mann früher mal geschrieben hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|