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Dabei sah es für Clayton Riddell, den sympathischen Helden dieses Romans, zunächst so aus, als sollte sich nach einigen schweren Jahren endlich das Blatt wenden. Gerade hat der bisher erfolglose (und daher handylose) Comiczeichner bei einem Geschäftstermin in Boston seine ersten Geschichten verkauft und brennt darauf, seiner Familie davon zu berichten. Da bricht um ihn herum der Wahnsinn los. Ein Teenager beißt der Frau neben sich in die Gurgel, ein wirr dreinblickender Mann rennt mit einem Fleischermesser auf Clay zu, Autos kollidieren, Menschen springen aus Hochhäusern, ein Inferno unerklärlicher Gewalt wälzt sich über die Stadt.
Doch Clay und seine Gefährten, der feinsinnige Tom und die junge, hübsche Alice, kommen dem Rätsel schnell auf die Spur. Über die Handys scheint eine Art "Puls" gesendet worden zu sein. Jeder, der ein Handy ans Ohr nimmt, wird auf der Stelle seiner Menschlichkeit beraubt. Und nun herrscht Krieg zwischen "Normalos" und "Handy-Verrückten". Clay indessen wird nur noch von der Sorge um seine Frau und seinen Sohn Johnny beherrscht. Gemeinsam mit Tom und Alice macht er sich auf den Suche ...
Stephen King schafft es auch diesmal, den Leser mit seiner ganz speziellen Mischung aus Splatter, Spannung und Humor so in den Bann seiner Geschichte zu ziehen, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen mag. Eine Quelle der Ablenkung dürfte ohnehin ausfallen: Spätestens nach 20 Seiten dürfte jeder Leser sein Handy ausgeschaltet haben. --Ulrike Künnecke, Literaturtest
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Also, "Puls" wollte ich nicht lesen, sondern dann doch lieber "Cell", um mich nicht weiter über einen offensichtlich völlig unfähigen Übersetzer/Herausgeber aufregen zu müssen.
Nun zum Inhalt: "Cell" beginnt vielversprechend. Da ist er wieder, der alte King, der Meister der Horrorszenarien, der subtilen Psychologie und der regelmäßigen 400-Seiten-Gänsehaut, den ich früher (vor Insomnia) einmal so verschlungen habe. Die Spannung hält ungefähr 50 Seiten an und dann stirbt auch dieses Buch an seiner unsäglichen Vorhersehbarkeit.
Ich glaube, die bahnbrechende Erkenntnis, die uns wohl alle zutiefst schockieren und deprimieren sollte, bestand für King darin, das menschliche Gehirn mit einer Festplatte zu vergleichen. Für ihn mag das ja schockierend sein, für mich ist das - auch durch die Erkenntnisse der Hirnforschung - eine Selbstverständlichkeit. Dass wir programmiert werden können wie ein Computer ist in den Zeiten des alltäglichen Einsatzes von Neurolinguistischem Programmieren doch etwas völlig Normales.
Und genau deswegen zündet "Cell" bei mir nicht. Ein Programm hat also alle Gehirne derjenigen mit Handys formatiert, die rebooten sich natürlich und entwickeln sich in eine andere Richtung als vorher - irgendwie ein bisschen wie ein Rechner, der nach gründlicher Formatierung Linux anstatt Windows aufgespielt bekommt. Schön und gut, nur bitte wo ist das Ungeheuerliche? Wo ist das Unerklärliche, das Spannende? Dass ein Häuflein Nicht-Formatierter zu überleben versucht? Da lese ich doch lieber "The Stand" nochmal, denn die ganzen On-The-Road-Geschichten kenne ich bereits aus diesem Meisterwerk.
Dazu zählt übrigens auch der erneute Einsatz von Telepathie. *gähn*
Daneben wird man dann mit Dutzenden Ungereimtheiten, Sinnlosigkeiten und Verstößen gegen die elementarste Logik unterhalten. Beispiel: Als Clay seinen Sohn findet, wird die Frage, wie man einen einzelnen kleinen Jungen innerhalb eines riesigen möglichen Radius so schnell finden kann, nicht beantwortet. Ich hasse es, wenn Autoren derartig nachlässig mit Geografie und Logik umgehen. Und dann wartet der Vater auch noch eine ganze Woche (!), bis er das Einzige tut, das Sinn macht. So lange leiden halt Sohnemann und Vater ein wenig vor sich hin, aber passieren tut rein gar nichts. Mir drängt sich der unschöne Verdacht auf, dass diese völlig unnötige Woche am Ende nur dazu gedient hat, die vom Verlag verlangte Zeichenzahl zu erreichen.
Das offene Ende ist der platteste Griff in die Schatzkiste der Stilmittel, den ich von King jemals gelesen habe, und schlichtweg eines Schriftstellers seines Kalibers unwürdig. Auch hier vermute ich, dass er es schlicht nicht innerhalb seiner Abgabefrist gebacken gekriegt hat, ein wirklich bahnbrechendes Ende zu inszenieren.
Hier hat nicht nur Stephen King erneut versagt, sondern auch sein Lektor. So einen holprigen, beinahe unlesbaren Stil bin ich von ihm nicht gewohnt.
Dies war mein definitiv letzter Versuch, Stephen King noch eine Chance zu geben. Diese Lektüre hat mich mehr Nerven gekostet als sie Freude am Lesen gebracht hat. Ich glaube, ich lese irgendwann nochmal "Misery" (ich weigere mich, dieses Buch "Sie" zu nennen) oder eben "The Stand" - nur um mich daran zu erinnern, wie genial dieser Mann früher mal geschrieben hat.
Als Leser wird man gleich in die Story hineingezogen. Typisch King: Seine Beschreibungen sind sehr detailgenau, mitunter eklig und in diesen Passagen sicher nicht jedermanns Fall (aber genau das erwartet man natürlich von King). Es gibt wohl kaum einen modernen Schriftsteller, der Handlungen, Personen und Orte so genau und plastisch beschreiben kann, ohne dass es auch nur eine Sekunde langweilig wird.
Das Puls-Szenario ist nicht nur unglaublich spannend - King beschreibt es so realistisch, dass man gerne glaubt, so etwas könnte wirklich passieren. Mit kleinen, wirkungsvollen Einsprengseln, wird das besonders deutlich: Da redet mal jemand von den Opfern von Hurrikan Katrina, Leute auf der Straße laufen mit iPods herum - oder eines der Handy-Opfer hat als Klingelton doch tatsächlich den nervigen „Crazy Frog“ aufgespielt (für dessen Totalverblödung hätte es vermutlich den Puls gar nicht mehr gebraucht ...). Heute gibt es in Deutschland rein statistisch mehr Handys als Einwohner, der Puls könnte also auch hier zuschlagen ... In diesem Buch wirft ein modernes, intelligentes Kommunikationsmittel, das wie kein anderes für den technischen und zivilisatorischen Fortschritt steht, die Menschen zurück ins Stadium verblödeter Wilder.
Insgesamt ist der Roman kurz und schmerzvoll, und vor allem: Er macht eine Menge Spaß. Ein echter „Page-Turner“, bei dem man es kaum erwarten kann, das Ende zu erfahren - und das ist sogar ziemlich gelungen (keine Angst, hier gibt’s keinen Spoiler: Selber lesen!). Leider gibt’s aber in der Gesamtwertung einen Punkt Abzug: Die handelnden Personen sind nur äußerst dürftig charakterisiert. Einzig die Hauptfigur Clayton Riddell, Comiczeichner und von seiner Frau getrennt, wirkt einigermaßen glaubhaft. Seine Suche nach seinem Sohn und die Sorge, dass er ebenfalls Opfer des Pulses geworden sein könnte, ist das letztlich treibende Moment des Romans. Claytons Begleiter sind bestenfalls Staffage, plot-driven und ziemlich eindimensional beschrieben. Schade. Denn Personen plastisch darzustellen - das war eigentlich immer eine besondere Stärke von King. Hier geht es vor allem um die Story, das aber wiederum so konsequent und spannend umgesetzt, dass der Roman - nicht nur - den zahlreichen King-Fans auf alle Fälle zu empfehlen ist.
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