Ich habe mir diese CD öfter als sonst bei Brings anhören müssen, um zu verstehen, was da denn los ist. Irgendwie hört sich das zunächst gar nicht nach Brings an; was natürlich nicht negativ sein muss, denn Abwechslung tut gut. Wir haben wohl gemerkt, dass seit „knapp" und "superjeilezick" auch gerne mal seichtere Töne bei der Band angeschlagen werden. OK, auch wenn der Titel „superjeilezick" damals die Fangemeinde zeitweise gespalten hat, so habe auch ich diesen Song akzeptiert; richtig gewöhnen können, habe ich mich daran aber ehrlich gesagt nie. Der Titelsong „püddelrüh" wird wahrscheinlich ähnliches auslösen und wird von mir nach kurzem Anspielen genauso wie "Layla" sofort übersprungen. Hört man genau hin, finden sich in den Songs aber die typischen Brings Kompositionen wieder. Es gibt wirklich nette Balladen wie z.B. „För nix ze fies" oder „Willkumme in Kölle" (auch wenn ich hier „Die kleine Kneipe in unserer Strasse" etwas zu hören glaube) oder etwas härtere Sachen wie „An der Küste". Aber irgendwie hört sich der Sound gar nicht so nach Brings an, wie ich sie mag. Ich bin vor einigen Jahren Brings Fan geworden, weil es mich begeistert hat, mit welcher Kraft und Dynamik die Band ans Werk ging. Gitarrenbetonte ehrliche Musik mit kraftvollem Gesang hat mich genauso begeistert wie Harry, der sich beim Gitarrespielen wie ein verrückter im Kreis dreht, klasse. Nun warum hört sich diese Platte nicht an wie „Kasalla" oder „5"? Ich denke es liegt daran, das Kai mit seinem Keybord bei vielen Stücken eine dicken voluminösen Teppich über die Stücke legt, der alle Ecken und Kanten wegbügelt. In manchen Stücken ist das geklimper sogar etwas nervig. Die Platte wirkt allgemein auf mich zu rund und etwas überproduziert. Auch Peters Gesang ist nicht so aggressiv und dynamisch wie z.B. auf „Kasalla". Der Song „Gold und Liebe" ist allerdings völlig verunglückt (besonders gesanglich) und zieht sich wie ein Kaugummi. Positiv ist in jedem Falle, dass die meisten Songs gelungene „kölsche" Texte haben. Sicherlich ist vieles Geschmacksache; deshalb meine Empfehlung: wer „superjeilezick" und „knapp" als Lieblings-CDs hat, dem kann diese Scheibe auch gefallen; wer eher auf den rockigen Sound von „5" oder „Kasalla" steht, der wird von „püddelrüh" wohl eher enttäuscht sein.