Was diese Aufnahme an allererster Stelle lohnenswert macht, ist die überragende Interpretation der Rolle des Cavaradossi durch Luciano Pavarotti. Er singt mit einer gänzlich unverbrauchten, frischen Stärke, der scheinbar keine Grnzen gesetzt sind und ist auch von der interpretatorischen Seite einzigartig. In seiner Darstellung die teils hochdramatisch und dann auch wieder hochsensibel und lyrisch ist, jedoch alles an der richtigen Stelle, setzt er neue Maßstäbe für die Darstellung des revolutionären Malers, und kann somit guten Gewissens als der beste Cavaradossi neben Franco Corelli und Benjamino Gigli bezeichnet werden.
Auch die Besetzung des Scarpia mit Sherril Milnes war eine glückliche Wahl. Er ist nicht der düsterste Scarpia, aber auch keineswegs so zahm wie andere. Hinzu kommt, dass er die Rolle durchaus nicht nur als Bühne zum Ausleben von Belcantoqualitäten betrachtet, sondern ihr ein eigenständiges Gesicht gibt und sie mit einer nicht allzu schwer erkennbaren Tiefe erfüllt. Seine harte, mächtige Stimme macht ein weiteres dramatisieren an den Eckpunkten der Rolle eigentlich unnötig.
Was nun die anderen Aspekte dieser Aufnahme angeht, Hauptrolle und Dirigat, so trifft man hier auf die Schwachstellen der Aufnahme. Man erkennt den Wunsch Mirella Frenis eine Tosca zu singen und auch darzstellen, jedoch ein Wunsch macht aus einem Frascati noch keinen Bordeaux. Ihr fehlt einfach die Stimme zu einer überzeugenden Tosca, sie hat keinerlei Probleme mit der Umsetzung der hohen Töne, klingt jedoch an diesen Stellen ihrer Interpretation zwangsweise gequält (besonders im Erreichen des allerletzten Tones, der in der Oper zu singen ist), weil ihre Stimme, gelinde gesagt, einfach unpassend ist.
Nicola Rescigno schließlich, der Lieblingsdirigent der Callas, verleiht der Partitur wenig neues, und er hat auch nicht das Potential dazu, eine Partitur so genial auszuleuchten, wie es andere tun. Er ist ein Sängerdirigent, der auf die Vorlieben der einzelnen Sänger eingeht und auch ein durchweg guter Begleiter ist. Seine Interpretation ist gekennzeichnet von einer breit ausgewälzten Dramatik und erschöpft sich in einer recht deutlichen Blechlastigkeit.
Leider gibt es einen besonderen Punkt in dieser Aufnahme, der vorerst alles positive vergessen lässt: der Schluss. Wenn Mirella Freni zu ihrem Schluss anhebt und die Passage singt, wo Tosca feststellen muss, dass ihr Geliebter wahrhaftig tot ist, so singt sie das nicht mit der Eile und Hast welche die aus der Handlung erwachsene Szene verlangt, sondern ganz langsam und beinahe, bitte das nicht falsch zu verstehen, wollüstig. Nur aus ihrer Betonung könnte man meinen, dass momentan etwas ganz anderes auf der Bühne dargestellt wird. Das ganze Finale ist schwer und langsam und führt fast unwürdig zum tragischen alles erschütternden Ausgang. Außerdem lässt sich die Freni so viel Zeit damit "ihr" Finale zu gestalten, dass man es in der Realität zehnmal schaffen würde, sie noch zu packen bevor sie in den Abgrund springt.
Insgesamt eine lohneswerte Aufnahme, besonders für jene, die verstehen wollen, was eingefleischte Pavarotti-Liebhaber an ihrem Liebling so mögen. Lohnenswert wird sie erst recht, wenn man es schafft, über ihre Schwächen hinwegzusehen, das Angenehme herauszufiltern und zu würdigen.