Die vorliegende Tosca in der Inszenierung von Tito Gobbi ist traditionell inszeniert mit durchgehend düsteren Bildern und kluger Personenregie. Es handelt sich dabei noch nicht um die berühmte Zeffirelli-Inszenierung (mit Domingo und Behrens bei der Deutschen Grammophon als DVD erhältlich und ebenfalls 5*), welche bis zum letzten Jahr in wechselnden Besetzungen an der MET gezeigt wurde und in welcher Pavarotti im Jahr 2004 seinen Abschied von der Bühne gab.
Die Aufnahme zeigt die dritte Aufführung nach der Premiere. Shirley Verrett hatte die Rolle der Tosca zum ersten Mal überhaupt gesungen und liefert ein beeindruckendes Ergebnis ab (wobei sie vielleicht nicht immer mit den besten Toscas konkurrieren kann). Pavarotti hatte ebenfalls in dieser Serie seinen ersten Cavaradossi an der MET gesungen. Wenn man die letzten Aufführungen mit Pavarotti in den 90igern und 2003/4 gesehen hat, dann kann man - natürlich - einen Unterschied im Auftritt feststellen. Pavarotti wirkt fast jugendlich ungestüm und gibt dem Cavaradossi eine etwas unbekümmerte Note, welche seine Rollenrezeption Glaubwürdigkeit verleiht. Stimmlich ist Pavarotti selbstverständlich auf der Höhe und liefert ein sehr beeindruckendes Zeugnis aus den mittleren Jahren seiner Karriere ab. "E lucevan le stelle" hat selten solch eine Tiefe erreicht! McNeill als Scarpia profitiert sichtlich und hörbar von seiner Zusammenarbeit mit Tito Gobbi und liefert einen durch und durch "fiesen" Scarpia ab. An dem Dirigat des hier noch sehr jungen Conlon gibt es ebenfalls nichts auszusetzen.
Die Bildqualität (4:3) entspricht der Fernsehqualität der Zeit (1978) und ist durchweg annehmbar (vergleichbar mit der Boheme von 1977). Die Tonqualität (stereo und DTS 5.1) ist sehr gut.
Insgesamt eine sehr gelungenes Dokument für den mittleren Pavarottis. Eine klare Kaufempfehlung für alle musikalisch interessierten. Nur, wer sich mehr für bunte Bilder und weniger für die Gesangsleistung interessiert, sollte zu späteren Aufnahmen greifen. Alle anderen werden beeindruckt sein.
Gut, dass die Decca diesen Schatz (der bislang nur in grausiger Qualität bei youtube einsehbar war) gehoben hat. Es bleibt zu hoffen, dass die weiteren Schätze (z.B. der Chenier und I Lombardi) ebenfalls bald veröffentlicht werden...