Nach den Kritiken, welche ich nach der Premiere gelesen habe, war ich dieser Tosca gegenüber sehr skeptisch. Ich habe sie mir trotzdem sofort bestellt, allein schon deswegen, weil ich mir Thomas Hampson nicht als Scarpia vorstellen konnte. Und ich habe es nicht bereut. Diese Inszenierung ist so spannend und dramatisch, dass sie einen völlig vergessen lässt, dass hier das Sujet vollständig verändert wurde. Emily Magee ist eine wunderbar singende und sehr gut schauspielernde Sängerin, welche die Leidenschaft der Tosca hervorragend darstellt. Jonas Kaufmann singt den Cavaradossi wunderbar, aber er überzeugt darstellerisch nicht und im 2. Akt wird er von Thomas Hampson an die Wand gespielt. Gegen dessen atemberaubende Bühnenpräsenz hat er keine Chance. Thomas Hampson beherrscht mit dem Augenblick seines Auftritts die Bühne. Er stellt einen sehr überzeugenden Scarpia dar, der seine Opfer verhöhnt, seinen Jähzorn brutal an den Untergebenen auslässt. Fies, zynisch und - wenn er es braucht - charmant, bei allem was er tut ein Gentleman, das ist ein Scarpia, wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Und er setzt die Stimme auch mit Wucht ein, ohne zu brüllen, und auch mit weichen Tönen, so im 2. Akt in der Szene mit Tosca, als er sie umwirbt. Ein Scarpia, der sich lachend an der Eifersucht Toscas, ihrer Angst, den Schmerzen Cavaradossis weidet. Hampsons Spiel ist absolut natürlich und im 2. Akt in der Szene mit Tosca hat er in Emily Magee eine absolut gleichwertige Partnerin. Beide spielen ihre Rolle mit Leidenschaft und Temperament, zwei starke Persönlichkeiten, welche förmlich aufeinander prallen.
Beeindruckend auch Scarpias Sterbeszene. Hampsons Schreie sind erschütternd, völlig blutverschmiert versucht er, wieder aufzustehen und Emily Magee hält ihn mit Gewalt am Boden, indem sie über ihm kniet, so dass er sich nicht aufrichten kann. Eine Szene, welche unter die Haut geht, da hier mal nicht mit theatralischer Pose gestorben wird.
Irritiert hat mich der Schluss der Oper. Librettogemäß springt Tosca von der Engelsburg bzw. hier von der Rampe der Bühne auf der Bühne. Um gleich darauf wieder auf derselben zu erscheinen und sich vom imaginären Publikum feiern zu lassen. Hier wird der Anschein erweckt, dass es sich um Theater handelt, nur, die beiden Männer sind auch in dieser Inszenierung tot. Nur Tosca hat eine Auferstehung.
Aber, das ist der kleinste Mangel. Die Aufführung ist modern und sehenswert. Als Zeit wurden die 50iger Jahre gewählt und dargestellt wurde der Divenkult, wie er noch mit Maria Callas getrieben wurde.
Eine Tosca, die man genießen kann und eine sehr empfehlenswerte DVD!