... Dagmar Korte für in Ihrer Rezension weiter aus...
Ideal für Einsteiger in das Thema des digitalen Publizierens
Fachbuch-Rezension zum Buch 'Publishing für iPad und Tablet-PC. Perspektiven für das Digital Publishing' von Cleverprinting
Seit dem das iPad einen Hype in der Verlagswelt ausgelöst hat, entwickeln sich damit auch digitale Publikationen wie eBooks und eMags. Das neue Medium stellt damit Designer vor neue Herausforderungen, da man nicht einfach seine Print-Produkte 1:1 übertragen kann.
Um einen Einstieg in das Thema zu finden, bietet sich das Buch 'Publishing für iPad und Tablet-PC. Perspektiven für das Digital Publishing' an. Dies ist ein Schulungshandbuch von Cleverprinting, indem es um die Gestaltung und Erstellung von Publikationen für Tablet-PCs geht. Das Buch eignet sich besonders für Leute aus dem Printbereich, die nun ihre Produkte auch digital umsetzen wollen. Die Heranführung an das Thema durch einen Vergleich von Print- mit Digtalpublikationen ist besonders gut gelungen.
Didaktisch gut gelöst ist, dass das Thema auf verschiedenen Ebenen durchleuchtet wird. Das Buch beschäftigt sich zum einen mit den Fragen, wie man eine digitale Zeitschrift überhaupt herstellt. Dazu gehört entsprechendes Know-How über das Medium und seine Besonderheiten, über die passende Software, die Nutzergruppe und damit einhergehenden Erwartungen. Zum anderen wird auch aus Verlagssicht aufgezeigt, was mögliche zukünftige Entwicklungen und Kosten als wichtige Einflussgrößen sind. Und letztendlich fordern die neuen Möglichkeiten auch neue Gestaltungslösungen von den Designern. Dabei sind die Nutzerführung und Regeln für das Screendesign von großer Bedeutung. Diese verschiedenen Ebenen spiegeln auch die Informationen wider, mit denen sich ein Designer zumindest in den Grundsätzen beschäftigen muss, bevor er mit der Gestaltung einer elektronischen Publikation beginnen kann. Die Kapitel gehen inhaltlich dabei gut nachvollziehbar vom Allgemeinen zum Detail über.
Für mich als Designer war das Kapitel über die konkrete Gestaltung von eMags besonders interessant. Hier gibt es bisher kaum Publikationen zu dem Thema. Außerdem müssen bestehende Grundsätze aus dem Printbereich neu überdacht und aufgrund der Nutzung des neuen Mediums verändert werden. Gerade für jemanden aus dem Printbereich gibt es hier viel Neues zu Lernen. Doch auch ein Webdesigner muss sicher an vielen Stellen umdenken.
Entsprechend habe ich das Kapitel mit dem Titel 'Von der Theorie zur Praxis. Screendesign: So gestalten Sie Ihr Layout' genauer angeschaut.
Die neuen Möglichkeiten auf den Tablet-PCs stellen Designer vor die Aufgabe neuer Gestaltungslösungen. Beim Design von Magazinen geht es letztendlich immer darum Inhalte zu transportieren. Eine bestmögliche Präsentation dieser Inhalte auf dem neuen Medium, ist Grundvoraussetzung für einen gelungenes Design. Wichtige Aspekte sind dabei die Bedienungsmöglichkeiten, ein schlüssiges Layoutkonzept und eine gute Lesbarkeit. Das Kapitel zeigt mit vielen Bildern und Beispielen, wie man es machen kann, und wie man es nicht machen sollte, wie zum Beispiel die 1:1 Darstellung der zwölf Dinge, die man zwar im Print macht, aber für das iPad unbedingt vermeiden sollte. Solche und ähnliche Vergleiche leuchten direkt ein.
Screendesign 1
Besonders gelungen ist der Einstieg zum Thema der Gestaltung von digitalen Magazinen. Man wird über den Vergleich von Printmedium und iPad-Magazin sehr gut nachvollziehbar an das Thema herangeführt. Es gilt die Besonderheiten herauszustellen, die bei einem digitalen Magazin berücksichtigt werden müssen. Die wichtigsten Informationen sind übersichtlich in Tabellen, Listen und Infografiken noch mal zusammengefasst, und so schnell verfügbar. Hier werden auch interaktive Elemente und der Umgang damit erläutert. Ein Designer aus dem Print-Bereich muss hier neue Aspekte, wie Nutzerführung und Bedienungshilfen bedenken. Die interaktiven Möglichkeiten erfordern angepasste neue Gestaltungsformen. Das Buch gibt hier viele Hinweise und Beispiele für ein besseres Verständnis.
Templates und Bibliotheken
In einzelnen Kapiteln findet immer wieder eine Vermischung der konzeptionellen Ebene eines elektronischen Magazins mit der konkreten Umsetzung in InDesign statt. In diesem Kapitel wird zum einen der Umgang und die Möglichkeiten, die die Nutzung des iPad im Hoch- und Querformat mit sich bringt, aufgezeigt. Zum anderen geht es um die konkrete Nutzung von Funktionen in InDesgin, die in diesem Zusammenhang genutzt werden können. Obwohl diese Informationen in allen Kapiteln passend kombiniert werden, wäre vielleicht eine deutlichere Kennzeichnung der unterschiedlichen Ebenen sinnvoll.
Typografie
Aus der Sicht eines Designers ist das Kapitel über Typografie besonders interessant. Hier werden die wichtigsten Hinweise zum Umgang mit Schriften auf dem Tablet-PC aufgezeigt. Damit ist das Buch derzeit eine der wenigen Publikationen, die neben den ökonomischen und technischen Faktoren auch auf die Erstellung bzw. Gestaltung von eMags näher eingeht, welche schließlich für den Erfolg oder Misserfolg maßgeblich mit verantwortlich sind.
Der letzte Absatz über die Einstellung von Initialen in InDesign scheint hier unpassend und überflüssig. Er wirkt ein bisschen, wie ein Seitenfüller. Obwohl es hier noch weiter interessante Aspekte zum Thema Typografie auf einem Bildschirm gäbe, wie zum Beispiel eine Erläuterung zu Displayfonts u.Ä., werden diese hier weggelassen. Wer sich mit InDesign bereits etwas auskennt, braucht die konkreten Informationen zu InDesign-Einstellungen nicht. Und wer sich nicht auskennt, wird mit diesen Detaileinstellungen auch nichts anfangen können.
Fazit
Zur Zielgruppe gehören eigentlich alle an der Umsetzung von elektronischen Publikationen Beteiligten. Besonders geeignet ist es aber für Leute aus dem Print-Bereich, die ihre gedruckten Publikationen auch für das iPad aufbereiten wollen, denn man wird hier über bereits Bekanntes aus dem Print-Bereich zu den Besonderheiten des Digital Publishing geführt. Sehr positiv zu bewerten ist, dass das Themas auf verschiedenen Ebenen vom Konzept bis zur konkreten Umsetzung in InDesign beleuchtet wird.
Das Buch kann natürlich in vielen Aspekten nur eine Momentaufnahme darstellen. Das neue Medium ist noch sehr jung, und es sind noch viele und schnelle Weiterentwicklungen zu erwarten. Dennoch sind auch viele Aspekte für eine gelungene Gestaltung von elektronischen Magazinen darin festgehalten, die eine grundsätzliche Gültigkeit haben. Sehr gelungen sind hierbei die Zusammenfassungen und Übersichten, die einem einen schnellen Überblick ermöglichen. Viele Themen werden aber eben nur angerissen. Das Buch ist eben ein Einstieg und kein allumfassendes Werk. Dennoch ist es insgesamt eine gelungene Gesamtschau, und damit das perfekte Buch zum Einstieg in das Thema des Publishings für das iPad und Co besonders für Leute aus dem Print-Bereich.
Autor: Dagmar Korte