Wäre diese CD nicht gerade gelaufen, als ich in meinem Lieblingsladen in Berlin-Kreuzberg stöberte, hätte ich CURVE wohl nicht entdeckt, denn die "Fachleute" nennen diesen Sound "bigbeat", und in der "Schublade" such ich sonst nie (es klang mir fast, als hätten die späten Cocteau Twins gelernt, mit Drummaschinen und Samplern umzugehen). Wäre sehr schade gewesen, denn was CURVE in den 14 Jahren ihres Schaffens (1990-2004) vorgestellt haben, sprengt alle Schubladen und war wohl seiner Zeit weit voraus. Das ist bester Rock, Superpower-Pop, Wave - nennt es wie ihr wollt; es ist ein toller, sehr origineller Sound.
"Pubic Fruit" heißt das Obst auf dem Cover - es bedeutet etwa "pubertäre Frucht". Denn hier stellten CURVE nochmal ihre ersten 4 EP's zusammen, die allesamt ein Hammer sind (und gar nicht unreif) ! Dean Garcia hat ein unglaubliches Händchen für "punchy" Drum machine programming, das sie dann noch mit Monti's echten Power-Drums ergänzen. So entsteht ein "bigbeat" mit dem auch der bisherige Laie etwas anfangen kann. Darüber schichten sie hochoriginelle Mischungen aus Synthesizern und Samples,und vielen, vielen E-Gitarren (aber nie einfach nur Lärm, sondern immer Melodie- und Harmonieteile, die ein komplexes, oft mächtiges Klanggemälde abgeben). Das ist richtig gutes "songwriting" Handwerk. Untenrum wird das alles abgerundet durch Dean's wuchtig tiefen Bass, und über all dem "surft" die mal fragile, mal energische Stimme von Sängerin Toni Halliday.
Wer CURVE noch nie gehört hat, findet hier einen reich gedeckten Ohrenschmaus.
Als Anspieltipps empfehle ich "Ten little girls" (frisch-frech), "Blindfold" (dunkel-hypnotisch) und "The colour hurts" (was für ein Sound!). Und wenn Du magst, was Du hier hörst, kannst Du bedenkenlos alles nachkaufen, was Du von CURVE findest, denn die Band hält ihr kreatives, erfrischendes Niveau auf allen ihren Werken.
Leider haben sie (zumindest vorerst) ihre Arbeit eingestellt.