Nicht nur Weiß-, Schwarz- und Orangekittel verzweifeln gelegentlich an der Sinnlosigkeit ihres banalen Bohrens, Verdrehens und Zur-Seite-Kehrens, sondern auch schießwütende Machos, die einfach nur ausnutzen, dass moderne Gesellschaften geradezu wie Spielplätze für Gewaltbereite konstruiert worden sind, sind auf der Suche nach dem Zweck ihrer Existenz.
Insofern ist die von Jean-François Richet 2008 verfilmte Vita des französichen Ganoven Jacques René Mesrine durchaus von gewissem Allgemeininteresse. Mesrine starb übrigens nicht im Knast, sondern 1979 im zarten Alter von 43 Jahren an der berühmten Bleivergiftung - exakt 19 Kugeln trafen ihn aus immerhin zwei Meter Entfernung in Kopf und Oberkörper, wovon sich anscheinend zumindest eine als tödlich erwies: Ein Kugelregen im November.
Valéry Giscard d'Estaing belobigte daraufhin die Leistungen der Polizei - vermutlich bewunderte er die frappierende Treffsicherheit seiner "force de grappe", aber eigentlich hätte er Mesrine ein Staatsbegräbnis spenden müssen, denn schließlich war auch dieser Gangster sorgfältig auf Staatskosten zum Killer ausgebildet worden und hatte nach seinen ersten Schießereien (Verteidigung nationaler Interessen in Algerien) das Verdienstkreuz "Croix de la Valeur militaire" verliehen bekommen.
Solange die Polizei schlecht trifft und die Wachen der Gefängnisse nicht mitdenken, kann man schon eine nette Liste in sein Sündenregister einritzen. Dennoch artet das dramaturgisch in eine nicht besonders spannende Aneinanderreihung von immerwährenden Schießereien und Verfolgungen aus - eher etwas für Heranwachsende, die sich noch über das Berufsbild des Bankräubers informieren möchten.
Für Erwachsene bietet der Film immerhin Jeanne - nein, nicht d'Arc, sondern eine 33-jährige Cécile De France in der Ausnahme-Form, die zu Recht für den herausragenden Ruf der französischen Frau verantwortlich ist. Nur einer derart umwerfenden Erscheinung konnte es natürlich auch gelingen, den von Vincent Cassel gnadenlos überzeugend gespielten Mesrine zumindest zeitweise von der Beschäftigung mit seiner eigenen Wichtigkeit abzulenken.
Der eitle Mesrine gedieh seinerzeit zu so etwas wie einem Popstar mit Knarre, weil es ihm tatsächlich gelang, durch hunderte von Polizisten zu entkommen. Vermutlich lagen die Machtverhältnisse hinsichtlich des aufgebotenen Gesamt-IQs aber weniger günstig für die uniformierte Seite.
Man hätte Mesrine wohl noch weiter machen lassen, wenn er nicht den Frevel begangen hätte, der Upper Class mit der Entführung des Millionärs Henri Lelièvre in die Suppe zu spucken - da half dann nur noch ein staatliches Todeskommando.
Ein durchaus nicht uninteressanter Film mit leichten Längen, der einem wegen der bemerkenswerten Hauptfiguren und der kuriosen Biografie im Gedächtnis bleibt. Die vergleichsweise gute Wertung sollte allerdings genrebezogen relativiert werden.
film-jury 4* A0684 19.7.2011eg 8A Genre: Action | Biographie | Krimi | Drama | Thriller